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Was kostet das Sparen im Gesundheitssystem tatsächlich?

24.02.201012:34 UhrGesundheit & Medizin
Bild: Was kostet das Sparen im Gesundheitssystem tatsächlich?
Diskutierten Kostenfaktoren und Einsparpotential im Gesundheitssystem: (vorne v.l.n.r.) Prof. Dr. med. Matthias Augustin, Dr. Klaus Meyer-Lutterloh, Marianne Boskamp, (hinten v.l.n.r.) Roland Dieckman
Diskutierten Kostenfaktoren und Einsparpotential im Gesundheitssystem: (vorne v.l.n.r.) Prof. Dr. med. Matthias Augustin, Dr. Klaus Meyer-Lutterloh, Marianne Boskamp, (hinten v.l.n.r.) Roland Dieckman

(openPR) Droht dem Gesundheitssystem der Kollaps? Trotz aller Sparmaßnahmen wächst die Unterfinanzierung. Zu diesem Dilemma lud Prof. Matthias Augustin, Leiter des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie, hochrangige Experten zum „7. Eppendorfer Dialog zur Gesundheitspolitik“ am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ein. Sie diskutierten über die Folgeschäden eines Sparkurses, der die medizinische Versorgung beschneidet und Innovationen verhindert.



Initiator Augustin eröffnet den „7. Eppendorfer Dialog“ mit der Frage, inwieweit sich der Gesundheitsfonds an den eigenen Vorgaben messen lasse: unter wirtschaftlicher Mittelverwendung Anreize für Innovationen zu setzen und dabei Bürokratie abzubauen. Die versammelten Referenten fordert er auf, fachspezifisch zu erörtern, wie sich der Bedarf an Versorgung auch zukünftig decken lasse. Müssen wir investieren statt zu sparen? Nach 13 gesundheitspolitischen Reformen in 15 Jahren hofft Augustin auf eine evidenzbasierte Gesundheitspolitik, bei der die Fehlerzahl sich antiproportional zur steigenden Lernkurve reduziert.

Roland Dieckmann (Referent des Vorstandes der DAK) weist System-Ressourcen auf, die die Kosten senken und zugleich die Qualität der Versorgung verbessern. Vor allem müsse die Politik verlässliche Rahmenbedingungen schaffen und der freie Wettbewerb zwischen Krankenkassen uneingeschränkt gewährleistet sein. Eine effizientere Versorgung und innovativere Medizin verspricht er sich von Selektivverträgen zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern. Mit seinen Vorschlägen zeigt er Mut zu unpopulären Maßnahmen: Er fordert die Anrechnung der Einkünfte aus Privatvermögen bei der Bemessung der Beitragshöhe sowie ein Finanzierungssystem, das vom individuellen Nutzen abstrahiert und die Solidarität stärkt.

Aus dem Alltag ihres Unternehmens schildert Marianne Boskamp (Geschäftsführende Gesellschafterin der G. Pohl-Boskamp GmbH & Co. KG), wie regulative Vorgaben die Kosten des Gesundheitswesens in die Höhe treiben. Wettbewerb unterhalb eines Substanzpatentes sei praktisch unmöglich, Forschung an bekannten Substanzen unrentabel. Deshalb werden günstige, bewährte Produkte durch teure, neue Substanzen ohne zwangsläufigen Mehrwert vom Markt verdrängt. Um günstige Arzneien vor dem generischen Wettbewerb zu schützen, sollten laut Boskamp auch Indikationspatente wirtschaftlichen Schutz erfahren. Ein anschauliches Beispiel der Kostenverschwendung im Gesundheitssystem schildert sie anhand des Medizinprodukts Gepan instill gegen chronische Cystitis, das zugunsten operativer Eingriffe aus der Erstattung gefallen ist. „Absurd“ findet Boskamp, dass das Gesundheitssystem die Sinnhaftigkeit eines teuren operativen Eingriffs propagiert, bevor versucht wird, die Erkrankung mithilfe einer Therapieform von unter 100 Euro von innen auszuheilen.

Als stärksten Kostentreiber im Gesundheitssystem identifiziert Prof. Dr. Peter Oberender (Gesundheitsökonomie Universität Bayreuth) den medizinischen Fortschritt z.B. durch die Verlängerung von Restlebenszeiten mit Halfway-Technologien. Die technische Explosion des Machbaren führe dazu, dass die medizinischen Möglichkeiten die finanziellen Ressourcen übersteigen. Zur Finanzierung müsse der Einzelne in zumutbarem Rahmen stärker belastet werden. Eine Steigerung der Effizienz sei durch die Abschaffung des IQWIG zugunsten eines Instituts für Innovationen (IfI) möglich. Darin sollen wechselnde Vertreter aller Institutionen unter unparteiischem Vorsitz schnelle, transparente und vor dem Sozialgericht anfechtbare Entscheidungen bindend für den G-BA treffen. Das Dogma der Evidenz müsse sich auf Verfahren und Medikationen mit Ursache-Wirkungs-Prinzip beschränken. Begleitende Versorgungsforschung sei oft nachhaltiger und dadurch sinnvoller als klinische Studien. Sein Appell an das System: „Lassen wir doch die Vielfalt zu und die Versicherer selektive Verträge schließen!“

Dr. Klaus Meyer-Lutterloh (Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für bürgerorientierte Gesundheitsversorgung e.V.) fordert ein Sparen mit Leistungen anstelle eines Sparens an Leistungen. Teure Hausarztverträge erzielen seines Erachtens keine Qualitätsverbesserung. Rabattverträge erzeugen immense Transaktionskosten bei Ärzten und in Apotheken und erhöhen die Non-Compliance-Rate. Benötigt wird laut Meyer-Lutterloh ein Paradigmenwechsel von der Post-Crash-Intervention hin zur Prävention. Grundlage aller Effizienzbestreben müsse eine intensivierte Versorgungsforschung sein, weil das Verhalten der Patienten den größten Einfluss auf die gesundheitlichen Outcomes habe. Hier zeigen sich beeindruckende Effizienzressourcen: Das Einsparpotential durch Gesundheitsbildung liegt bei 6 Milliarden Euro und übersteigt damit das der Rabattverträge um ein Vielfaches.

Fazit: In seiner heutigen Form ist das Gesundheitssystem auf unabsehbare Zeit nicht finanzierbar. Der Trend zur Selbstzahlermedizin wird sich fortsetzen und ausweiten. Gleichwohl hat die Debatte am UKE eines deutlich gemacht: An Ideen zur Verbesserung der Effizienz der medizinischen Versorgung mangelt es nicht.

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