(openPR) "Karriere nach Ma?, so heißt der Werbeslogan, mit dem die Stadt Bochum junge Leute für Ausbildungsstellen in der Verwaltung begeistern will. Auch Sarah Tegethoff - heute 21 Jahre alt - haben die Werbeposter aufmerksam gemacht. Sie startete beim Öffentlichen Dienst vor gut drei Jahren eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten. Doch nach der Ausbildung schaute sie in die Röhre, denn die Stadt bot ihr eine Perspektive an, die keine ist: Entgeltgruppe 3 bei 30 Wochenstunden - dabei kommen monatlich 864 Euro netto rum.
Sarah Tegethoff hat sich entschlossen, gerade jetzt während der Tarifverhandlungen darüber zu sprechen. Sie steht mit ihrem Gesicht in der dbb-Einkommens-Kampagne für alle jungen Leute in NRW. Denn so wie Sarah geht es vielen Azubis nach ihrer Ausbildung im Öffentlichen Dienst. Nicht nur in Bochum.
"Es war 2006 als ich mich nach Möglichkeiten für eine Ausbildung umguckte“, erzählt sie. "Die Stadt Bochum war mir durch eine Werbekampagne aufgefallen. Sie suchten 55 Auszubildende.“ Die damals 18-Jährige hatte eine Vorstellung von dem, was man im Öffentlichen Dienst machen kann. "Das Bürgerbüro kennt man ja. Ich dachte, ich möchte mal was machen, bei dem ich Kundenkontakt habe, aber auch Schreibarbeiten erledigen kann.“
Sie bekam eine der Ausbildungsstellen und wähnte sich auf der sicheren Seite. Denn Sarah Tegethoff war sich sicher, dass sie eine Ausbildung machen würde, in der sie gefördert würde, abwechslungsreich arbeiten könnte und in der Leistung honoriert würde. Dennoch trat sie wie von einer Vorahnung getrieben schon am dritten Ausbildungstag der komba bei. "Ich finde es wichtig, sich gewerkschaftlich zu engagieren. So fällt es leichter, für seine Rechte zu kämpfen“, weiß sie aus Erfahrung.
Sie wird bei der geplanten Demo der dbb jugend nrw am 6. Februar deshalb dabei sein. Denn beruflich kam es tatsächlich anders als sie sich das zu Beginn vorgestellt hatte: "Ich war enttäuscht, weil ich gedacht hatte, dass man höhere Anforderungen an mich stellen würde, ich stärker gefördert würde“, so erinnert sie sich an die ersten ernüchternden Momente. Ihr Traum von einer beruflichen Weiterentwicklung geriet zudem ins Wanken als sie von anderen Azubis erfuhr, dass die Stadt ein Ranking erstellt, in dem Krankentage, Noten der Berufsschule und weitere Daten erfasst werden. Das ließ die Angst und den Druck im Auszubildendenjahrgang nach oben schnellen. "Wir hatten alle Angst“, erinnert sich Sarah.
Wer schlechter als mit der Note 1 abschneidet, wird dann lediglich nach einer Staffelung übernommen. Alle Bürokaufleute aus ihrem Jahrgang schickte die Stadt Bochum nach der Ausbildung auf die Straße. Für die 21-Jährige, die "nur“ eine 2+ gemacht hatte, hatte die Stadt in der Überraschungstüte ein Vertrag in einer Teilzeitbeschäftigung mit 30 Stunden in der Entgeltgruppe 3. Die Information, ob sie überhaupt in irgendeiner Form übernommen würde, kam spät. "Ich wusste es immerhin kurz vor dem Abschluss der Ausbildung. Es gab aber auch Azubis, die zwei Wochen nach dem Abschluss noch auf ihren alten 'Stellen' saßen, weil sie nicht wussten, wo sie eingesetzt würden“, weiß Sarah Tegethoff.
Was hat sie am meisten frustriert während und nach der Ausbildung, wollen wir wissen. "Die Stadt Bochum ist ein abschreckendes Beispiel, weil dort die Übernahmeinfos zu spät kommen. Keiner weiß etwas. Dann schließlich das Angebot mit einer Übernahme zu einem Hungerlohn. Wie soll man da sein Leben meistern? Bis man vielleicht eine Planstelle bekommt, dauert es“, erklärt sie auf die Frage. Auf der Eingruppierung für eigentlich ungelernte Kräfte bleiben die frisch gebackenen Berufsanfänger dann erst mal hängen. Und das ohne die Aussicht in der Privatwirtschaft unterzukommen.
Sie hat dennoch Glück gehabt, denn Sarah hat ihre Zukunft im Auge behalten und rechtzeitig nach anderen Möglichkeiten im Öffentlichen Dienst geguckt. Heute arbeitet sie bei der Stadt Mülheim an der Ruhr als Stadtinspektoranwärterin und studiert Verwaltungsbetriebswirtschaftslehre an der FHöV. Sie zeigt sich erleichtert: "Die nächsten drei Jahre sind erst einmal gesichert. Ich hoffe, dass dann mein Fleiß endlich mal honoriert wird.“











