(openPR) Für eine Migränestudie werden Patienten gesucht
Kopf und Herz liegen so weit auseinander nicht. Schon seit längerem wird ein Zusammenhang vermutet zwischen dem Auftreten der Migräne und einem Loch in der Herzscheidewand, dem so genannten persistierenden Foramen ovale (PFO).
In Deutschland leiden etwa 6-8 Prozent der Männer und 12-14 Prozent der Frauen an Migräne. Eine Erkrankung, die den Betroffenen über Stunden und Tage mit zum Teil heftigen, meist einseitig klopfenden, pulsierenden oder pochenden Kopfschmerzattacken quält und mit weiteren körperlichen Symptomen wie Übelkeit und extremer Lichtempfindlichkeit einhergehen kann. 15 Prozent der Betroffenen erleben vorher eine Aura gekennzeichnet durch Seh-, Gefühls- oder Sprachstörungen, in Extremfällen sogar Lähmungserscheinungen. Viele Migränebetroffene sind während einer Attacke nicht arbeitsfähig – und das oft über mehrere Tage im Monat. Die Ursachen dieser Erkrankung sind weitestgehend unbekannt, ebenso schwierig stellt sich die Behandlung dar.
Das könnte sich nun ändern. In einer internationalen Studie wird ein völlig neues Therapiekonzept untersucht, bei der das so genannte persistierende Foramen ovale (PFO) als Ursache einer so dramatischen Schmerzerkrankung vermutet wird. Viele deutsche namhafte Experten sind an dieser Studie beteiligt, unter anderem am Unfallkrankenhaus Berlin die Klinik für Neurologie mit der Stroke Unit und Frührehabilitation in Zusammenarbeit mit der Klinik für Innere Medizin.
Riskante Abkürzung
Ursprünglich handelt es sich bei dem Foramen ovale um eine klappenartige Öffnung in der Herzscheidewand zwischen dem rechten und dem linken Vorhof. Diese Öffnung ist bei einem ungeborenen Kind, das im Mutterleib über die Nabelschnur versorgt wird, normal. Es verschließt sich aber in den ersten Lebenstagen nach der Geburt und verwächst im Laufe des ersten Lebensjahres zu einer seichten Grube.
Bei etwa 20 Prozent aller Erwachsenen bleibt diese Öffnung aber weiterhin bestehen und wird als persistierendes (anhaltendes) Foramen ovale (PFO) bezeichnet. Dies kann zu Störungen führen, wenn über das PFO ein Teil des Blutes aus der normalen Flussrichtung abgezogen wird. Wegen der Umgehung der Lunge kann nicht nur die Sauerstoffversorgung des Körpers leiden, sondern es können auch kleinere Blutgerinnsel oder chemische Substanzen (wie blutdruckwirksame Hormone aus der rechten Herzhälfte) aus dem venösen Kreislauf ungefiltert direkt in die Arterien und damit schnell ins Gehirn gelangen. Dass dies nicht unwahrscheinlich ist, stellten Ärzte bei Tauchern fest, die in größeren Tiefen unter heftigen Migräneattacken litten. Sie behandelten die Taucher erfolgreich mit dem Einsatz eines speziellen Schirmchens, welches das PFO dauerhaft verschloss, wodurch sich die Migräneattacken reduzierten.
Heute weiß man, dass bei einem verhältnismäßig hohen Anteil aller Migränepatienten ein derartiges Verbindungsloch in der Herzscheidewand zwischen linkem und rechtem Vorhof vorliegt. Interessanterweise sind davon besonders jene Patienten betroffen, die eine Aura vor der Schmerzattacke erleben. Wird dann die risikoreiche Abkürzung über das PFO verschlossen, fließt das Blut mit seinen Inhaltsstoffen ausschließlich über den Lungenkreislauf und wird dort mit Sauerstoff angereichert. Eine Migräne, deren Ursache ein PFO war, wird dann möglicherweise nicht mehr ausgelöst.
Schirmchen im Herzen
Früher wurden Löcher im Herzen mit aufwändigen Operationen und entsprechend langwierigen Nachbehandlungen verschlossen. Heute kann per Katheter über die Blutbahnen des Körpers ein kleines Schirmchen direkt bis durch das Loch vorgeschoben werden. Die richtige Lage wird per Ultraschallsicht und Röntgendurchleuchtung kontrolliert. Dann wird das Schirmchen aufgespannt – insgesamt ein Eingriff von weniger als einer Stunde.
Eine erste Studie in Großbritannien zeigte, dass 3 Monate nach PFO-Verschluss bei einem Teil der Migränebetroffenen deutlich weniger Migräneattacken auftraten als zuvor, ließ aber noch viele andere Fragen offen. Hierzu Dr. Paul Sparenberg, Oberarzt in der Klinik für Neurologie am Unfallkrankenhaus Berlin: „Im Grunde wissen wir heute noch zu wenig über die Ursachen der Migräne. Vielleicht werden wir eines Tages auch feststellen müssen, dass es sich bei den heute unter Migräne zusammengefassten Symptomkomplexen um völlig unterschiedliche Krankheitsbilder handelt. Von einem Verschluss des PFO scheinen nach bisherigen Erkenntnissen am ehesten Migränepatienten mit einer Aura zu profitieren.“
Antworten auf diese offenen Fragen könnte die neue Studie bringen, die z.B. Aufschluss darüber geben soll „ob eine Besserung bei der Migräne mit Aura nach PFO-Verschluss erreicht wurde“, so Dr. Sparenberg, dessen Klinik zusammen mit der Klinik für Innere Medizin eines der sechs deutschen Studienzentren ist. Die teilnehmenden Studienzentren sind: Berlin, Halle, Itzehoe, Kiel, Münster und Unterhaching.
Teilnahme an der Studie noch möglich
Für Migränepatienten, die an der Studie teilnehmen möchten, sind unter anderem folgende Kriterien zu erfüllen: Eine Migräne mit Aura und pro Monat mindestens fünf Migränetage oder drei Migräneattacken, die bislang mit mindestens zwei herkömmlichen, vorbeugenden Medikamenten nur schlecht oder gar nicht zu behandeln waren. Bei Bedarf dürfen an maximal 9 Tagen Kopfschmerzmedikamente, an maximal 14 Tagen pro Monat dürfen bei Bedarf Schmerzmedikamente jeglicher Art eingenommen werden. „Unerlässlich für die Studienteilnahme ist, dass die Patienten mindestens zweimal im Leben eine Migräne mit Aura erlebt haben müssen. Besonders Patienten mit dieser Migräneform könnten vom Eingriff profitieren“, erklärt Dr. Sparenberg. Das Vorliegen eines persistierenden Foramen ovale (PFO) wird zunächst mit Hilfe einer speziellen Ultraschalluntersuchung der Hirnbasisarterien mit Kontrastmittel und, bei entsprechenden Hinweisen, auch des Herzens geklärt.
(Autor: Dr. A. Müller-Schubert)
Informationen zur Studienteilnahme finden Patienten oder Ärzte unter www.clinlife.de/prima oder kostenlos unter 0800-664-8080.











