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Techtextil 2009 - Messe Frankfurt richtet Internationalen Naturfaser-Kongress aus

(openPR) Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2009 zum Internationalen Jahr der Naturfasern erklärt. Auch die Techtextil legt von daher ihr Augenmerk unter anderem auf Baumwolle und Flachs aber auch auf Cellulose in Hinblick auf mögliche Verbindungen zu technischen Anwendungen. Vom 16. bis 18. Juni stellen Aussteller auf der Internationalen Fachmesse für Technische Textilien und Vliesstoffe ihre Forschungsergebnisse und Neuerungen vor. Dazu gehören unter anderem eine Technologie zur Fertigung textiler Funktionsfasern, ein Verbundstoff, der auf Flachs basiert sowie ein Garn aus Organic Cotton. Darüber hinaus findet parallel zur Messe der Internationale Naturfaser-Kongress statt.



Internationale Naturfaser-Konferenz findet parallel zur Techtextil 2009 statt
Millionen von Menschen in den ärmsten Ländern der Welt verdienen ihren Lebensunterhalt durch Anbau und Weiterverarbeitung von Naturfasern. Mit dem Internationalen Jahr der Naturfasern sollen laut der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) Effektivität und Nachhaltigkeit dieser Landwirtschaftszweige gestärkt und weiterentwickelt werden.

Die Messe Frankfurt hat diesen Faden aufgenommen und lädt zum Internationalen Naturfaser-Kongress ein, der vom 17. bis 18. Juni parallel zu Techtextil stattfinden wird. Der Kongress beschäftigt sich mit Naturfasern unter den Aspekten: „Innovative Funktionen“ und dem Einsatz im Bereich
„Mobilität“ und „Konstruktion“.

Unterstützung für diese Veranstaltung kommt von wichtigen Verbänden, unter anderem von der International Textile Manufacturers Fede-ration (ITMF) aus der Schweiz. Deren Director General Dr. Christian Schindler sagt: "Ich danke der Messe Frankfurt, dass sie die Initiative ergriffen und die Naturfaser Konferenz im Internationalen Jahr der Naturfaser organisiert hat. Diese Veranstaltung in Verbindung mit der renommierten Techtextil wird sicherlich helfen, das Bewusstsein für einen großen Bereich von Anwendungen für Naturfasern, abgesehen von ihren traditionellen Anwendungsgebieten im Bekleidungs- und Heimtextilsegment, zu erweitern.

Da Nachhaltigkeit und Ökologie zukünftig eine immer größere Rolle spielen werden, ist es genauso wichtig, das Potenzial von Naturfasern im Segment technischer Texti-lien aufzuzeigen.“ Auch der geschäftsführende Direktor der Bremer Baumwollbörse Jan Wellmann erklärt: „Die Naturfaserkonferenz anlässlich der Techtextil wird gute Informationen aus der aktuellen Forschung zum Einsatz von Naturfasern bieten.“

Forschungspreis für Technologie zur Fertigung textiler Funktionsfasern
Ein sicherer Schutz vor Stechmücken und Zecken wird in cellulosische Textilfaser integriert. Dazu wird unter anderem das Thüringische Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung (TITK) beitragen, das neueste Ergebnisse seiner Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten unter anderem auf dem Gebiet der Funktionsfaserwerkstoffe präsentiert.

Schwerpunktthema wird die Technologie zur permanenten Ein-bindung von schmelzbaren oder flüssigen Funktionaladditiven in cellulosische Fasermatrizen sein, die mit dem Forschungspreis 2008 des Freistaates Thüringen ausgezeichnet wurde. Dem TITK ist es gelungen, eine Technologie zur Fertigung textiler Funktionsfasern mit integriertem und über den gesamten Material-Lebenszyklus anhaltenden Vektorenschutz zu entwickeln. Die bis jetzt zur Abwehr von Blut saugenden und Krankheits übertragenden Insekten wie Stechmücken und anderen Gliederfüßlern wie Zecken notwendige zeit- und kostenaufwendige Nachbehandlung kann nun entfallen. Denn, so Dr. Frank Meister, Leiter der Abteilung Chemische Forschung: „Die notwendigen Wirkstoffe werden bereits im Faser-spinnungsprozess eingearbeitet. Kernpunkt dieses neuen Verfahrens ist die Nutzung von nanotechnologischen Prinzipien zur Bindung der Wirkstoffe in der Cellulosefasermatrix.“´

Ausgangspunkt dieser Forschungsarbeiten ist die Idee, durch die Nutzung aspektloser Nanoteilchen, flüssige oder schmelzbare Substanzen im Inneren einer Cellulosefaser einzuschließen, so dass sie nicht wieder aus der Faser ausgewaschen werden können. „Nachdem es uns gelungen ist, auf diesem Weg Phasenwechselwirkstoffe in einer Konzentration von bis zu 40 Prozent in eine Cellulose direkt einzuarbeiten, wollen wir nun langsam verdampfbare Wirkstoffe auf dem gleichen Weg in das Faserinnere einbringen“, so Meister. Die Konzentration der Wirksubstanzen muss dabei so gewählt werden, dass ausreichend Wirkstoffe über den gesamten Lebenszyklus der Textilien abgegeben werden können.

„Bei einem erfolgreichen Abschluss einer solchen Entwicklung können wir uns eine Reihe weiterer Funktionsfasern vorstellen, die spezielle Duft- oder Wirkstoffe aus dem Faserinnern an den Träger der Textilien abgeben können. Damit ließen sich erstmalig Kosmetotexti-lien entwickeln, die ihren Namen zu Recht tragen würden“, so Meister zu den Zukunftsplänen des Instituts.

Procotex stellt neuen Verbundstoff auf Naturfaser-Basis her
„Wir werden auf der diesjährigen Techtextil einen neuen Verbundstoff, der auf Flachs basiert, vorstellen“, sagt Bruno Douchy, Verkaufsdirektor bei Procotex. Das belgische Unternehmen hat seinen Sitz im Herzen eines europäischen Flachsanbaugebietes. In Nordfrankreich, den Niederlanden und Belgien werden pro Jahr mehr als 120.000 Tonnen an Langflachs produziert. Exportiert wird dieser weltweit, um dann, gesponnen oder gewoben, in der Mode- und Polsterindustrie zum Einsatz zu kommen.

Flachs ist eine Naturfaser, die durch Elastizität und Biegeermüdungs-festigkeit besticht. Er kann leicht und kostengünstig verarbeitet werden, Einweich- und Strahlbehandlung sind nicht notwendig. Auch der Teil des Flachses, der beim Bürsten anfällt, das sogenannte Werg, findet Verwendung bei der Herstellung von Tauen und als Zellulose in der Papierindustrie.

Nicht zuletzt gewinnt dieses Abfallprodukt zusehends als Verstärkung kunststoffhaltiger Verbundstoffe an Bedeutung. Dies gilt zum Beispiel für die Möbel- und Automobilindustrie. Ein wichtiger Punkt ist hier, dass Flachs preiswerter als Glasfaser ist. Weitere Vorteile biologischer Verbundstoffe sind darüber hinaus, dass sie wieder verwertbar und ohne Rückstand verbrennbar sind.

Procotex wird in Frankfurt zeigen, welche Möglichkeiten es gibt, Flachs mit Kunststoffen zu verbinden und so Materialien mit verschiedenen Härtegraden zu gewinnen. Neu ist dabei der Aspekt der Vorvermischung von Naturfasern mit Polypropylen oder BioPECS, einer Polyesterfaser, die es ermöglicht, dass Formarbeiten bei einer vergleichsweise geringen Temperatur von 240 Grad Celsius möglich sind. Je nach Zusammensetzung wird das Endprodukt mehr oder weniger hart. Bei einer Kombination aus 50 Prozent Flachs und 50 Prozent Polypropylen entsteht beispielsweise ein relativ hartes Endprodukt, das unter anderem in eine Autotür eingesetzt werden kann.

Während des Herstellungsprozesses entsteht dabei zuerst ein Filz. Durch Erhitzung schmilzt das Polypropylen. Die endgültige Form wird durch anschließendes Kaltpressen erreicht. Das Ergebnis ist ein leichtgewichtiges Material mit spezifischen Gravitation und einem Wert so niedrig wie 1.2.
Procotex weist darauf hin, dass das Material schwer entzündbar ist, nicht splittert und keine scharfen Kanten aufweist. Beständigkeit gegenüber Säuren und alkalischen Substanzen sind laut Hersteller ebenfalls gut.

„Procotex ist jedoch nicht nur auf dem Feld der Neuentwicklung von Materialien auf Basis von Naturfasern aktiv, sondern wir sind stetig bemüht, Naturfasern wieder zu verwerten, um sie weitere Mal zu nutzen. Da Naturfasern die Gesundheit nicht schädigen, angenehm und wieder verwertbar sind und Hightech sowie natürliche Eigenschaften besitzen, setzen wir uns nicht nur im Internationalen Jahr der Naturfaser für deren Weiterentwicklung und Förderung ein“, erklärt Douchy.

Neues Garn aus Organic Cotton steht kurz vor der Markteinführung
Die Amann Group ist laut eigenen Aussagen einer der international führenden Näh- und Stickgarnproduzenten. Für das Unternehmen aus dem baden-württembergischen Bönnigheim steht die Optimierung seiner Ökobilanz ganz oben auf der Prioritätenliste.

Neben optimierten Produktionsprozessen, wie der Reduzierung des Frischwasserverbrauchs beim Einfärben, bieten die Produkte des Unternehmens eine weitere Möglichkeit, verfügbare Spielräume zu nutzen. Dazu gehören die Garne, die unter dem Label Amann Lifecycle Threads hergestellt werden. Hierbei handelt es sich auf der einen Seite um zwei texturierte Nähfäden, einem Multifilamentzwirn und einem Stickgarn aus 100 Prozent recyceltem Polyester, auf der anderen Seite jedoch auch um ein Produkt aus Organic Cotton, also aus biologisch angebauter Baumwolle. Alle genannten Produkte stehen unmittelbar vor der Markteinführung.

„Unser Produkt aus Organic Cotton – Lifecycle Cotton - wird es in den Stärken Nummer 25, Nummer 50 und Nummer 75 geben“, so Johannes Ibach, Leiter der Marketingabteilung. „Damit können die wesentlichen Nahtpositionen abgedeckt werden.“ Die Vernähbarkeit und die technologischen Werte sind laut Hersteller vergleichbar mit ‚normaler’ Baumwolle. Hinsichtlich der Preise räumt die Amann Group jedoch ein, dass mit einem leichten Aufschlag gegenüber herkömmlichen Baumwollprodukten gerechnet werden muss.

„Wir befinden uns derzeit in einer Testphase, was den genauen Bedarf von Seiten der Kunden anbelangt, da die Bedürfnisse noch sehr weit auseinander driften“, erklärt Ibach. Plan der Amann Group ist es, auf diese Art und Weise auf die Bedürfnisse des Marktes zu reagieren. Inwieweit das Internationale Jahr der Naturfaser im Bereich der Nähgarne Einfluss haben wird und kann, bleibt abzuwarten. „Derzeit sind Naturfasern und hier vor allem Baumwolle aufgrund der schlechteren technologischen Werte gegenüber synthetischen Rohstoffen im Nähfadenbereich nur von untergeordneter Bedeutung“, erklärt Ibach weiter und weißt noch darauf hin, dass die Amann Group in ausgiebigen Testreihen auch weitere natürlich nachwachsende Rohstoffe und Biopolymere vor dem Hintergrund des hohen Qualitätsanspruchs des Unternehmens prüft.

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