(openPR) Unter dem Motto "München diskutiert: Täter oder Opfer? Ursachen und Prävention von Jugendgewalt" trafen sich gestern im Münchner Waisenhaus namhafte Größen aus der Jugendhilfe, Wissenschaftler und Praktiker.
Als Einführungsredner stellte Prof. Dr. Klaus Wahl zunächst kurz Thesen aus seinem Buch „Täter oder Opfer? Jugendgewalt – Ursachen und Prävention“ (gemeinsam mit Katja Hees, Ernst Reinhardt Verlag 2009) vor.
Neben Prof. Wahl nahmen auch Dr. Maria Kurz-Adam, Leiterin des Münchner Jugendamts, Otto Schittler, Leiter des Heilpädagogischen Heims Birkeneck, Ingrid Kaps, Pressesprecherin des Jugendgerichts München und ehemalige Jugendrichterin und Joachim Wallner von der Brücke München e. V. an der fachlich angeregten und konstruktiven Diskussion teil. Die Moderation übernahm Cathrin Kahlweit (Süddeutsche Zeitung).
Bereits eingangs wurden zentrale Fragen zur Diskussion gestellt: "Wo kommt die Gewalt her?", "Was hätte besser laufen können?", "Was können wir tun?" und "Braucht es andere Hilfen?". Die Teilnehmer waren sich darin einig, dass die familiäre Erziehung prägend ist und Hilfen somit frühzeitig und langfristig sein müssen. Dr. Kurz-Adam warnte vor einer frühen Kapitulation der Pädagogik, sie dürfe keinen Kniefall vor der Gewalt machen: Alle Pädagogen seien gefordert, Position zu beziehen, Gewalt zu ächten und müssten fähig sein, das einzelne Kind im Blick zu behalten. Es gehe um keine speziellen Programme, sondern um das Naheliegende, so Otto Schittler. Das bedeutet für die Gesellschaft, Zivilcourage und gesunden Menschenverstand zu zeigen und konkret für die pädagogische Arbeit Konsequenz, Erziehungslogik, nachgehende Elternarbeit und Kontinuität zu leisten, Alternativen aufzuzeigen und Beziehungsangebote zu machen.
Besonders wichtig sei es, mit einer Stimme zu sprechen, so Ingrid Kaps, und statt bei härteren Strafen viel mehr bei früheren Hilfen anzusetzen. Damit der Zirkel der Gewalt durchbrochen werden kann, müssen die Rahmenbedingungen für die pädagogische Arbeit gestärkt werden, wie die finanzielle, personelle und zeitliche Ausstattung, und die Ausbildung der Fachkräfte weiter verbessert werden, so Prof. Wahl. Allein die moralische Aufforderung reiche leider nicht aus.
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