(openPR) Nachdem in den vergangenen Jahren die Organspendezahlen leicht gestiegen waren, ist im Jahre 2008 ein massiver Rückgang von knapp 9% zu verzeichnen. Bundesweit haben im vergangenen Jahr 1.198 (*) Menschen nach ihrem Tod ihre Organe für Patienten auf der ca. 12.000 Menschen umfassenden Warteliste gespendet. Insgesamt konnten im letzten Jahr 4.050(*) Transplantationen vorgenommen werden, im Jahre zuvor waren es noch 4.251.
Durch diese alarmierende Entwicklung sehen sich viele Akteure und Betroffene veranlasst, nach einer Änderung des seit 12 Jahren geltenden Transplantationsgesetzes zu rufen.
Nach Auffassung von TransDia e.V. kommt es allerdings zunächst darauf an, das derzeitige Gesetz durch verbindliche Ausführungsbestimmungen in den Kliniken stringenter umzusetzen; die aktuelle Situation mit einem derartig eklatanten Einbruch der Organspendezahlen ist ein nicht hinnehmbarer Zustand, der nach Konsequenzen verlangt:
1. Die organisatorischen Mängel im System der Organspende müssen beseitigt werden
Wir fordern daher verbindliche Ausführungsbestimmungen für das derzeit gültige Transplantationsgesetz. Auch wenn dies vornehmlich Ländersache ist, sollte der Bund stärker auf die Einhaltung der relevanten Bestimmungen einwirken. Jedes für die Entnahme von Organen ausgestatte Krankenhaus sollte qualifizierte und motivierte Transplantationsbeauftragte haben, die der Wichtigkeit des Themas entsprechend hierarchisch hoch in die Krankenhausstrukturen zu integrieren sind.
Des Weiteren sollten die einzelnen Regionen der bundesweiten Koordinierungsstelle (DSO) einen höheren Stellenwert in der erhalten, um lokalen und regionalen Gegebenheiten besser Rechnung tragen zu können. Einen lobenswerten und viel versprechenden Ansatz zeigt das Universitätsklinikum Münster mit seinem gerade begonnen Modellprojekt.
2. Organspendeausweis
Der Organspendeausweis trägt dem Selbstbestimmungsrecht des Menschen Rechnung, erleichtert die Arbeit in den Krankenhäusern und nicht zuletzt wird den Angehörigen in einer emotionalen Ausnahmesituation die Entscheidung zur Organspende abgenommen. Wir fordern daher, die Bevölkerung durch Information und Aufklärung für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren und dadurch Ängste abbauen. Die Einführung der Gesundheitskarte bietet eine vielleicht einmalige Chance, mit einer großen Kampagne die Bevölkerung zur Abgabe einer entsprechenden Erklärung zu bewegen.
3. Europäische Initiative
Die Politik fordern wir auf, über die Grenzen Deutschlands hinwegzuschauen und einen Blick in andere europäische Länder zu werfen. Als Erfolgsmodell dient Spanien mit 34 Spendern pro eine Million Einwohner. Dort beruht der Erfolg insbesondere auf einer übergeordneten Zuständigkeit der offiziellen Spendenorganisation. Ein Nierenpatient beispielsweise wartet etwa ein Jahr auf eine Spenderniere, während die durchschnittliche Wartezeit in Deutschland etwa 7 Jahre beträgt.
4. Qualitätskontrolle
Die Transplantationsergebnisse sollten systematisch erfasst werden. Damit wird eine Qualitätskontrolle ermöglicht, die Schwachstellen aufzeigt und Hinweise für Verbesserungen liefert. Auf dieser Basis können dann auch Vergleiche zwischen Regionen und Krankenhäusern durchgeführt werden mit dem Ziel, bewährte Vorgehensweisen zu übernehmen. Qualitätskontrolle und Koordinierungsstelle müssen dabei unabhängig voneinander agieren.
Alle, im Bereich Organspende tätigen Akteure aus Gesundheitswesen und Politik fordern wir auf, ihre ganze Kraft darauf zu verwenden, der rückläufigen Zahl an Organspendern entgegenzuwirken.. Es ist für ein Land wie Deutschland nicht akzeptabel, dass täglich 3-4 Menschen auf den Wartelisten versterben. Wolfgang Ludwig, Vorsitzender von TransDia e.V.: “Der Rückgang der Organspendezahlen ist ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen und wird die ohnehin langen Wartezeiten in Deutschland noch weiter verlängern. Neben den medizinischen Problemen, sind solche Nachrichten auch eine psychische Belastung für die Wartepatienten.“
TransDia e.V.










