(openPR) Die Finanzkrise ist nicht nur ein enormes wirtschaftliches Risiko, sie birgt auch ein kaum zu überschätzendes gesellschaftliches Risiko.Ein paar Worte zum Verständnis der Krise:
Wenn eine Bank riskante Forderungen hält, so muss Sie diese entsprechend bewerten. Eine solche Bewertung wirkt sich direkt auf die Ertragslage aus und mindert den Gewinn. Will man so etwas vermeiden oder wenigstens abmildern, lässt man sich von einem Sicherungsgeber die Forderung gegen eine Gebühr absichern. Dieses – stark vereinfacht dargestellte - Verfahren nennt man Credit Default Swap (CDS). Das Risiko ist überschaubar, weil der Schuldner oder die Schuldnergruppe bekannt ist.
Bündelt der Sicherungsgeber nun viele CDS, kann er daraus eigenständige Wertpapiere formen, so genannte Collateralized Debt Obligations (CDOs) – zu Deutsch: forderungsbesicherte Wertpapiere. Der Käufer setzt darauf, dass die dahinter stehenden Forderungen gezahlt werden. Das Risiko ist nicht mehr so leicht zu überschauen, Einzelschuldner sind nicht mehr bekannt, man muss sich bereits weitestgehend auf ein Rating verlassen.
Bündelt man nun wiederum mehrere CDOs zu einer neuen CDO, werden bereits bewertete Bündel wiederum gemeinsam bewertet, die Forderungsquellen sind mit normalem Ermessen nicht mehr nachvollziehbar. Das Rating ist die einzige Quelle der Risikoeinschätzung. Schon gibt es bereits CDOs die sich in der dritten Bündelungsstufe befinden.
Sehen wir davon ab, wie es zu den Ratings der großen Ratingagenturen gekommen ist, aber stellen wir fest, dass viele dieser Papiere erstklassig bewertet sind. Selbst ein vorsichtiger Käufer kennt an dieser Stelle sein Risiko nicht mehr. Nun ist man geneigt, mit den Schultern zu zucken und zu meinen: “Gut, dann verliert der eine oder andere eben sein Geld…” - aber das gesellschaftliche Risiko erkennt man erst bei der Betrachtung der Werte.
2004, das Jahr, in dem das Spiel mit den CDOs in marktrelevanten Umfängen begann, wurden gut 6.000 Milliarden US-Dollar emittiert. Der Gesamtbestand hat sich bis heute weltweit auf etwa 60.000 Milliarden (60 Billionen) US-Dollar summiert. Ein Vergleich mit den angekündigten Rettungspaketen der Regierungen lockt einem ein zynisches Schmunzeln auf die Lippen. Nicht einmal alle Regierungen zusammen wären in der Lage einen nennenswerten Teil dieser Risiken zu tragen, zumal die CDOs zwischenzeitlich in ihren Ratings allesamt herabgestuft wurden – es gibt demnach überhaupt keinen nennenswerten Markt mehr, mit diesen Papieren zu handeln. Die Papiere liegen nun bei den Banken und warten. Risiko: nicht bewertbar.
Diese Meldung http://mobile.godmode-trader.de/artikel.html?id=679435 nimmt Bezug auf eine Bank in Singapur.
An dieser Stelle stoppen wir das Thema Kreditkrise, denn alles andere, was jetzt noch folgen könnte, wäre pure Spekulation. Zurück zu unserem Kernthema, zu dem mir an dieser Stelle viele Fragen bleiben: Wie reagiert ein Staat, der solches vor Augen hat? Wer setzt sich angesichts der anstehenden Krise für eine freiheitliche Gesellschaft ein, wer für Bürgerrechte? Gibt es ein nennenswertes Potenzial an Menschen in unserem Lande, die auch in wirtschaftlich schweren Zeiten für die Ideale kämpfen, die wir vertreten? Unsere gemeinsame Stütze, unsere Plattform, die Technologie, die wir für die Arbeit für unsere Werte nutzen – all das setzt ein wirtschaftliches Funktionieren unserer Gemeinschaft voraus. Fänden wir auch ohne das Internet zueinander? Ist das Internet nicht sogar die größte Gefahr für eine Regierung, die unter Druck steht – oder andersherum: Ist es nicht ein Leichtes, die Interessengruppen zu zerschlagen, indem man Ihnen die Plattform entzieht?
Es gibt keine sicheren Antworten auf alle diese Fragen, aber es gibt eine Schlussfolgerung für uns alle, die hier schreiben und alle, die hier lesen. Es ist umso wichtiger geworden, unsere Freiräume und insbesondere das freie Internet zu verteidigen. Umso schwieriger das wirtschaftliche Umfeld wird, desto schwerer wird es, unsere Vorstellung einer freiheitlichen Gesellschaft zu vertreten. Kenntnis zu verbreiten ist wichtiger denn je.
Uwe Schreiber
www.freiesinternet.com







