(openPR) Alle Welt redet derzeit vom Datenschutzskandal bei der Bahn AG. Die Gewerkschaftsvertreter erwarten eine Entschuldigung vom Vorstandsvorsitzenden Mehdorn. Dieser beschreibt die Notwendigkeit, Korruption zu bekämpfen und erklärt, dass man übereifrig war. Was soll das? Was bringt es? Geht das nicht auch anders?
Dieser so genannte Skandal dürfte sich in Deutschland wohl fast täglich ereignen. Jedes größere Unternehmen macht regelmäßig verschiedene Arten von Datenabgleichen, um Korruption, Diebstahl, Veruntreuung und andere geschäftsschädigende Praktiken im Unternehmen selbst aufzudecken. Dass der größte Schaden durch die eigenen Mitarbeiter verursacht wird, ist seit Jahren bekannt.
Unsere Regierung macht es uns doch vor: Einen Generalverdacht zu hegen, scheint doch völlig legitim zu sein. So, wie jeder Bürger zum potenziellen Straftäter wird und deshalb seine Kommunikation und vieles mehr überwacht werden muss, wird eben jeder Mitarbeiter zum potenziellen Schadensverursacher des Unternehmens, welches ihn beschäftigt. Unsere Regierung schafft das Klima, das es möglich macht, dass ein solches Denken um sich greift.
Auf der Suche nach einer Lösung bietet es sich an, im Unternehmen ein Klima zu schaffen, welches auf Missbrauch ausgerichtetes Verhalten massiv erschwert. Eine wirklich gelebte Unternehmenskultur, die sich nicht nur auf ‚Mission Statements’ in Hochglanzbroschüren beschränkt, ist dafür die Grundlage. Die Definition von Grundwerten des täglichen Miteinanders, wie Toleranz, Wertschätzung, Vertrauen, Offenheit und Respekt kann ein Anfang sein. Sie umzusetzen ist ein langer aber lohnender Weg. Das mittlere Management ist bekanntermaßen die größte Hürde, aber sie zu überwinden birgt unermessliche Chancen.
In einem guten Klima mit funktionierender Personalführung, einem kooperativen Führungsstil, der Beachtung der beschriebenen Grundwerte und der Förderung von allen Beteiligten fallen Missbräuche ungleich schwerer und treten demzufolge erheblich seltener auf. Gelingen wird das jedoch nur, wenn es auf allen Ebenen gewollt ist. Die Abkehr von Ellenbogenkarrieren, das Negieren von Hierarchie als Argument und letztlich die Erkenntnis, dass die Gier nach Gehalt, Bonus und Machtposition allein keinen guten Mitarbeiter formt, fällt schwer – besonders im Management.
Paradoxerweise führt eine Unternehmenskultur, die derartige Verhaltensweise ablehnt zu besseren Ergebnissen, zu einem wirtschaftlicheren Handeln und zu weniger Reibungsverlusten. Eine gute Unternehmenskultur zahlt sich aus. Im Falle eines Korruptionsverdachts kann dann gezielt vorgegangen werden. Das wird zum einen deutlich seltener notwendig sein und zum anderen achtet ein präzises zielgerichtetes Vorgehen die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen. Und am wertvollsten: Ein solches Vorgehen wird von den Mitarbeitern und in der Öffentlichkeit getragen.
Es zeigt sich bei diesem Beispiel deutlich: Die Missachtung von Persönlichkeitsrechten, die unseren Gesetzgeber umtreibt, zieht weite Kreise. Ein Staat kann nicht glaubhaft von den in seinem Wirtschaftsraum angesiedelten Unternehmen ein Verhalten einfordern, welches er selber mit Füßen tritt. Der Skandal bei der Bahn AG ist ein trauriges Beispiel – eines unter Tausenden.










