(openPR) Der Begriff ‘Marketing’ ist in aller Munde und selbst der wirtschaftsferne Bereich der Geisteswissenschaften kommt offenbar an einer gut durchdachten Marketingstrategie nicht mehr vorbei. Schon lange sind es nicht mehr nur gegenständliche Produkte die repräsentiert und popularisiert werden, um Einnahmen zu erzielen und zu erhöhen. Aber darf das auch für das vermeintlich höchste menschliche Gut gelten, das Wissen?
“Viele Geisteswissenschaftler fürchten bei dem Versuch der Vermarktung ihrer Disziplin einen Verlust von wissenschaftlichen Traditionen. [...] Stehen nicht gerade die Geisteswissenschaften für das ehrenhafte Bewahren der Traditionen wissenschaftlicher Denk- und Gesprächskultur? Und steht nicht der Begriff ‘Marketing’ für das geistlose Überreden zum Unehrenhaften und Nicht-Gewollten, und im Hochschulkontext für die Überwindung statt für die Bewahrung wissenschaftlicher Traditionen?”
Die Autorin Insa Gülzow, selbst Geisteswissenschaftlerin, fragt in ihrem neuen Buch, ob der Geist zum Nutzen der Gesellschaft ökonomisierbar ist und liefert eine aus klassischen Marketingkonzepten abgeleitete Definition von ‘Wissenschaftsmarketing’.
Sie zeigt, dass die verhärteten Positionen in der Nützlichkeitsdebatte um die Geisteswissenschaften überwunden werden können und überwunden werden müssen. Moderne Hochschulkommunikation muss in der Lage sein, auf Wettbewerbsdruck zu reagieren, ohne in diesem Prozess Forschungsziele dem Geldgeber anzupassen oder die Autonomie der Hochschulen in Frage zu stellen. Wird Wissenschaftsmarketing im Sinne strategischer Kommunikationsplanung angewendet, können Marketingkonzepte dazu dienen, ökonomisch relevante Vorgänge an Hochschulen sichtbar zu machen. Konsequent verfolgt und entgegen vielfach geäußerter Ängste, sichern für den Wissenschaftsbereich abgeleitete Marketinginstrumente den Bestand gewachsener Institutionen, ohne wissenschaftliche Traditionen aufzugeben.
Die derzeitige Entwicklung von Studiengängen und Weiterbildungsangeboten im Bereich Wissenschaftsmarketing lässt erkennen, dass eine Verbindung beider Disziplinen als sinnvoll und notwendig erscheint. Auch der Wandel der Bildungslandschaft insgesamt führt dazu, dass sich neben den privaten Institutionen nun auch die öffentlichen Hochschulen Gedanken um ihre Finanzierbarkeit machen müssen. Entgegen den praxisbezogenen Naturwissenschaften bieten jedoch Begriffe wie ‘Produkt’, ‘Marketer’, ‘Kunde’ und ‘Markt’ in den Geisteswissenschaften scheinbar wenige Anwendungsmöglichkeiten. Insa Gülzow leitet diese Begriffe für den ökonomiefernen wissenschaftlichen Alltag ab, ohne dabei äußere Sachzwänge aus den Augen zu verlieren.
Insa Gülzow
Sind Geisteswissenschaften nützlich?
Die Geisteswissenschaften im Diskurs der Marktfähigkeit
2008, 112 S., 9 Abb., - Tab., Broschur, 190 x 120 mm
ISBN 978-3-938258-80-4











