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Ungebildet, faul und verbohrt - Warum Hartz-IV-Empfänger besser sind als ihr Ruf

29.10.200814:30 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Hartz-IV-Empfänger haben ein schlechtes Ansehen. Personalverantwortliche beachten sie deshalb bei der Auswahl oft gar nicht erst. Dabei würden Unternehmen davon profitieren: Denn arbeitslose Bewerber sind oft viel besser als ihr Ruf. Sie müssten sich nur gut verkaufen. Aber genau daran hapert es.



„In der Bäckerei waren viele Kunden traurig, als ich in den Verkauf von Deko-Artikeln wechselte“, berichtet Jasmin Wagner*. Womit die zierliche 37-jährige erst auf Nachfrage rausrückt: Der Geschäftsführer eines renommierten Nürnberger Unternehmens hatte sie damals abgeworben. Sie windet sich. „Er kam regelmäßig in die Bäckerei und fragte mich eines Tages, ob ich für ihn arbeiten möchte, weil er von mir als Verkäuferin begeistert war.“

Alles änderte sich, als der Senior das Geschäft an seinen Sohn übergab. Die Chemie stimmte nicht, Yvonne wurde arbeitslos. Dann starb ihr Mann vor ihrem Augen und sie fiel in ein tiefes Loch. Sämtliche Vitalität schien verflogen. Jetzt lebt sie von Hartz IV und sucht einen Weg zurück in den Erfolg.

Krankheit, Unglück und Fehlentscheidungen…
„Früher gehörten wir zum gehobenen Mittelstand“, sagt Elke Gernath* (53). „Ich war unkündbar, hatte eine gut bezahlte Stellung.“ Bis sie nach der Scheidung von ihrem Mann ihrer Jugendliebe von Jena nach Nürnberg folgte und seitdem arbeitslos ist. Als ihr zweiter Mann seine Stellung aufgab („Wahrscheinlich war es nicht richtig, dass er alles einfach hingeworfen hat.“) fand sich das Paar plötzlich am unteren Ende der Gesellschaft wieder.

Wie Jasmin und Elke geht es vielen Hartz-IV-Empfängern: Durch Krankheit und Unglück oder Fehlentscheidungen aus der Bahn geworfen, gelten sie abwechselnd als ungebildet, faul oder verbohrt – manchmal auch als alles zusammen. Das Bild vom Ripphemd tragenden, Bier trinkenden Dauer-RTL-2-Gucker konnte sich nichtmal Thomas Gottschalk verkneifen, als er in Wetten dass…? Bierdosen als Hartz-IV-Stelzen bezeichnete.

…treffen auch Akademiker und Fachkräfte
So machtvoll Klischees sind, sie sind nie die ganze Wahrheit. Deshalb lohnt es sich für Unternehmen, Bewerbungen von Hartz-IV-Empfängern näher zu betrachten. Viele dieser Bewerber sind durchaus nicht ungebildet, es gibt Akademiker unter ihnen und Fachkräfte mit jahrzehntelanger Berufserfahrung. Sie zeichnen sich durch hohe Einsatzfreude aus – wenn man sie lässt. Durch ihre Erfahrungen sind sie hart im Nehmen, können sich durchbeißen und geben nicht so schnell auf. Ein weiterer Vorteil: Die Älteren sorgen im Unternehmen für eine gesunde Mischung aus Jung und Alt.

BMW und Saturn machen es vor
So wie zum Beispiel im BMW-Werk Leipzig, das ältere Bewerber aus der Arbeitslosigkeit heraus eingestellt und damit gute Erfahrungen gemacht hat. „Das ist nicht nur vorteilhaft für das Unternehmen, sondern auch für den Standort Deutschland. Und es wäre gut, wenn auch andere Unternehmen diese Potenziale entdecken würden,“ sagte Werkssprecher Hubert Bergmann 2004 vor Eröffnung des Werkes.

Auch der Elektrofachmarkt Saturn hat unlängst bei seiner Filial-Eröffnung in Fürth auf Hartz-IV-ler gesetzt: Monate im voraus wurden die zukünftigen Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur für ihren neuen Job ausgebildet.

Mut und Können, um sich zu präsentieren
Auf zwei Dinge kommt es an:

Erstens müssen sich Hartz-IV-Empfänger trauen sich zu bewerben. Im BMW-Werk Leipzig hätte man zur Eröffnung im Jahr 2005 noch mehr Arbeitslose angenommen, wenn sich mehr beworben hätten.

Zweitens müssen sich Bewerber darüber im Klaren sein, was sie draufhaben und wie sie sich effektvoll mitteilen. So macht es einen großen Unterschied, ob Jasmin Wagner kurz erwähnt, sie hätte von der Theke einer Bäckerei in den Verkauf von Deko-Artikeln gewechselt. Oder ob sie hervorhebt, dass ihr neuer Chef sie persönlich abgeworben hat, weil er begeistert von ihr war und wie gut sie mit ihm zusammen gearbeitet hat.

Viele arbeitslose Bewerber wagen es häufig nicht, ihre Fähigkeiten und Leistungen mitzuteilen, aus Angst sich lächerlich zu machen. Besonders Hartz-IV-Empfänger empfinden sich oft von vornherein als unterlegen, können an ihren Lebensläufen nichts Gutes erkennen und reiten lieber auf vermeintlichen Schwächen herum.

Trainieren wie die Führungskraft
Vielen sind ihre Besonderheiten aber auch gar nicht bewusst. Trainer und Berater, die Arbeitslosen bei der Jobsuche helfen und mit ihnen Bewerbungen trainieren, machen immer wieder die gleiche Erfahrung: Die Bewerber sind nicht in der Lage, einem Gesprächspartner ihre großen Pluspunkte mitzuteilen. Statt dessen leiern sie auswendig gelernte Allgemeinplätze herunter: „Ich bin flexibel, teamfähig und kann gut organisieren.“ Daraus zu schließen, dass sie schlechter sind als andere, wäre allerdings ein Fehler.

Angestellte und Führungskräfte erlernen die Fähigkeit sich gut darzustellen, in zahllosen Präsentations-, Kommunikations- und Rhetoriktrainings. Auch Hartz-IV-Empfänger haben viele Möglichkeiten, in geförderten Lehrgängen den eigenen Stärken auf den Grund gehen. Dort können sie lernen, sich so zu verkaufen, dass sich Personalverantwortliche für sie interessieren. Zu beiderseitigem Nutzen.

*Namen von der Redaktion geändert.

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