(openPR) Frankfurt am Main, 1. Oktober 2008. Die Herausforderungen für Europa in einer Phase tief gehenden und rasanten Wandels standen im Mittelpunkt eines Vortrags des britischen Botschafters vor Mitgliedern der Britischen Handelskammer in Deutschland (BCCG) und der Deutsch-Britischen Gesellschaft in Frankfurt am Main.
Sir Michael Arthur, seit Oktober 2007 britischer Botschafter in Deutschland, warnte davor, angesichts der Krise der Finanzmärkte den Blick nur auf dieses aktuelle Problem zu richten. Das Vertrauen in die Fähigkeit der internationalen Finanzinstitutionen, auf die Verwerfungen angemessen zu reagieren, sei erschüttert. Niemand könne zu diesem Zeitpunkt jedoch sagen, wie lange die Krise noch andauere, wer die Verlierer sein werden und wer die Gewinner.
Die augenblicklichen Probleme seien lediglich Symptome von tiefer liegenden Wandlungsprozessen. Zum einen sei da eine Hinwendung zu marktwirtschaftlich organisierten Demokratien. Gerade in Europa sei dies am deutlichsten sichtbar. Aber es gebe auch signifikante Ausnahmen, etwa China und einige afrikanische Staaten. Die Machtverschiebung nach Asien und die zunehmende Vernetzung stellten eine ernste Herausforderung dar, auf die Europa reagieren müsse. Arbeitsmärkte seien nicht länger abgeschottet. Viele Tätigkeiten könnten mittlerweile von erheblich billigeren Arbeitskräften in weit entfernten Regionen übernommen werden.
Der Botschafter forderte auf, den Blick auf die globalen Herausforderungen zu richten: Klimawandel, internationaler Terrorismus und die Bedrohung durch zerfallende Staaten, Wanderungsbewegungen, und nicht zuletzt die globale Finanzspekulation, die anders als früher sofortige weltweite Auswirkungen habe.
All diese Herausforderungen überstiegen die Möglichkeiten der Nationalstaaten. Dennoch sei der Nationalstaat nach wie vor die vorherrschende Organisationsform. Lediglich die in der Europäischen Union organisierten Staaten bildeten da eine Ausnahme. Insgesamt betrachtet gebe es jedoch ein Missverhältnis zwischen den Herausforderungen und den Werkzeugen, die wir besitzen, um auf diese Herausforderungen zu reagieren.
Die Antwort könne jedoch nicht in Abschottung liegen. Globalisierung und der freie Austausch von Gütern, Kapital, Menschen und Ideen seien nach wie vor Garanten dafür, dass am Ende alle profitierten. Deutschland, wo Globalisierung manchmal unter negativen Vorzeichen diskutiert werde, profitiere als Exportweltmeister in ganz besonderer Weise von der zunehmenden wirtschaftlichen Verflechtung.
Auch Europa sei gut positioniert, um von der Globalisierung der Wirtschaft zu profitieren. Die Europäische Union besitze gemeinsame Institutionen und habe viel Erfahrung darin, Probleme über nationale Grenzen hinweg zu lösen. Hoch qualifizierte Arbeitskräfte, freie Märkte und starke Institutionen, die der Demokratie und Werten wie sozialer Gerechtigkeit verpflichtet sind, seien eine hervorragende Grundlage, um auch weiterhin mit Optimismus in die Zukunft zu blicken.
Allerdings müsse Europa mehr tun, um die Herausforderungen zu bewältigen. Nach wie vor seien gemeinsame Antworten Europas gefordert. Nur über gemeinsames Handeln könne die Europäische Union nationalen Bemühungen mehr Gewicht verleihen und verbindliche Standards entwickeln. Weiter gelte: Wir müssen die wirtschaftlichen Reformen weiter vorantreiben, Investitionen in Forschung und Entwicklung müssen erhöht und die Arbeitsmärkte weiter flexibilisiert werden. Sir Michael Arthur: „Wir brauchen ein nach außen orientiertes Europa, das Führungskraft bei der Bewältigung globaler Herausforderungen zeigt."
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