(openPR) Beim 14. interdisziplinären Pflegekongress Anfang April 2008 in Dresden haben neben der Ärzteschaft auch die Pflegeverbände erneut die Möglichkeit genutzt, ihre Positionen mit Blick auf die Neuordnung der Gesundheitsfachberufe darzustellen. Der Ruf und die Forderung nach der Etablierung einer Pflegekammer erhallt alle Jahre wieder und selbstbewusst wird ein Berufsgesetz für die Pflege gefordert, dass die Kernkompetenzen regeln soll.
Das berufspolitische Ziel bestehe aber nicht darin, der Ärzteschaft die „Hoheit“ über medizinische Fragen zu nehmen. Dies dürfte einstweilen den Patienten beruhigen, denn in erster Linie geht es bei der Neuordnung der Aufgaben auch um Fragen der Patientensicherheit. Eine Light-Medizin, welche durch ambitionierte Pflegekräfte geleistet wird, kann nicht das Ziel einer Neustruktierung sein. Dies gilt insbesondere mit Blick auf die geriatrischen Patienten und solche mit chronischen Krankkeiten, die in stationären Pflegeeinrichtungen umfassend betreut und therapiert werden. Das Krankheitspanorama des multimorbiden geriatrischen Patienten ist höchst komplexer Natur und allein hieraus ergibt sich die Forderung nach einer unbestreitbare Fachkompetenz mit Blick auf die anamnestischen und diagnostischen Prozesse. Ob dies die Pflege zu leisten imstande sein wird, ist derzeit noch eine offene Frage, wobei es zur Nachdenklichkeit stimmen muss, dass aufgrund der "Modell-Klausel" im Pflege-Weiterentwicklunggesetz offensichtlich auch Geriatriepatienten sich eben in den Dienst von (Forschungs-)Modellen zu stellen haben. Fragen der Bedarfsmedikation und der Verordnung (auch im Sinne einer Dauermedikation bei chronischen Krankheiten) durch Pflegekräfte begründen aus der Sicht der Patienten zusätzliche Risiken, die unbedingt zu vermeiden sind. Modellprojekte können nicht auf dem "Rücken der Patienten" ausgetragen werden!
Das Thema hat insgesamt Hochkonjunktur, wie sich derzeit aus den einzelnen Veranstaltungskalendern verschiedener Anbieter ablesen lässt. Es bleibt abzuwarten, ob sich eine nachhaltige Diskussion hierzu entwickeln wird, oder ob letztlich nur „traditionelle Positionen“ gebetsmühlenartig wiederholt werden.
Lutz Barth













