openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Studie: Arbeitsmarktpotenzial von Migranten wird vergeudet

20.12.200712:54 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft

(openPR) Ingenieure aus dem Iran verdingen sich als Hausmeister, Ärztinnen aus Russland jobben als Putzfrauen. Der Grund: In Deutschland fehlen eindeutige und bundesweite Regelungen für die Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen. Zu diesem Ergebnis kommen die beiden Wissenschaftlerinnen Dr. Bettina Englmann und Dr. Martina Müller aus Augsburg.



In "Brain Waste – Die Anerkennung von ausländischen Qualifikationen in Deutschland" wird nun erstmals die derzeitige Anerkennungspraxis ausländischer Abschlüsse wissenschaftlich untersucht. In ihrer Pilotstudie haben die Autorinnen 230 Mitarbeiter von Anerkennungsstellen und 152 Migranten befragt, die über ihre individuellen Anerkennungserfahrungen berichteten. Demnach verfügen über 86 % der befragten Migranten über eine berufliche Qualifikation, doch nur knapp 16 % arbeiten im erlernten Beruf.

"Dass die begehrten Fachkräfte eher nach Großbritannien oder in nordeuropäische Länder einwandern, verwundert kaum. Die Arbeitsmarktdynamik, die durch den Zuzug von Migranten in Irland oder Spanien entstand, ging an Deutschland vollständig vorbei", schreiben Englmann und Müller, Mitarbeiterinnen der "Tür an Tür Integrationsprojekte gGmbH" in Augsburg, die sich im Rahmen EU-geförderter Projekte mit der Integration von Migranten beschäftigt. Erste Konsequenz aus der Studie: Künftig wird ein Internetportal Zuwanderern und Beratern Fragen rund um das Anerkennungsverfahren beantworten und zuständige Stellen benennen. Als Schlussfolgerung aus ihrer Studie formulierten Englmann/Müller zudem Standards für bundesweit einheitliche Verfahren. Das Ziel: Chancengleichheit für Migranten und eine bessere Integration in den Arbeitsmarkt.

Gerade Deutschland wäre aufgrund des demografischen Wandels und des prognostizierten Fachkräftemangels in Zukunft verstärkt auf qualifizierte Migranten angewiesen. Andere europäische Länder wie Dänemark hätten darauf schneller reagiert und ihre Integrationsprogramme reformiert – ein Schritt, der in Deutschland noch ausstehe, sagen Dr. Bettina Englmann und Dr. Martina Müller.

Hierzulande wird die Anerkennung ausländischer Abschlüsse durch zahlreiche Gesetze auf Europa-, Bundes- und Länderebene geregelt. "Entstanden ist so ein bürokratisches Labyrinth, das für Antragsteller, Arbeitsvermittler und Berater kaum überblickbar ist." Das föderale System führe hierbei zu einer Zersplitterung der Ziele und Zuständigkeiten. "Sogar wenn Bundesgesetze vorliegen, wie im Bereich der Heilberufe, werden diese durch die Länder unterschiedlich ausgelegt und angewendet." Ein Beispiel: Während in Bayern die Bezirksregierungen für die Anerkennung von Ingenieuren zuständig sind, ist dies in Sachsen-Anhalt die Aufgabe der Ingenieurskammer.

Bundesweit sind hunderte von Stellen in die Anerkennung von Abschlüssen involviert: Behörden und Bildungsministerien der Länder, Berufsorganisationen und Kammern. Ein Zustand, mit dem laut Befragung nicht nur Zuwanderer unzufrieden sind, sondern auch Mitarbeiter in den Behörden und Anerkennungsstellen. Weitere gravierender Missstand: die ungleiche Behandlung der Zuwanderer. Bislang genießen nur Spätaussiedler ein Recht auf ein Anerkennungsverfahren in allen Berufsbereichen. Andere Migrantengruppen, wie zum Beispiel jüdische Zuwanderer und andere Drittstaatsangehörige (Länder außerhalb der EU), haben weit schlechtere Voraussetzungen: Die Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen beruflichen Ausbildung ist in Deutschland nicht vorgesehen. Gut qualifizierte Migranten, darunter auch Akademiker, werden als Ungelernte beschäftigt – und (entsprechend schlecht) bezahlt. "Je höher die Qualifikation, desto tiefer der mögliche Fall", lautet das ernüchternde Ergebnis. Die Tatsache, dass Anerkennung hierzulande weniger vom Wert der Qualifikation und mehr vom Status des Inhabers abhängt, wirkte sich auch auf die Wirtschaft negativ aus.

Die Autorinnen vermissen ein nationales Anerkennungsgesetz wie in Dänemark, das festlegt, dass nicht nur Migranten, sondern auch Arbeitgeber ein Recht auf ein Anerkennungsgutachten haben.

Die Studie ist erhältlich:
Tür an Tür Integrationsprojekte gGmbH
TP Global Competences
Werderstr. 2
86152 Augsburg
E-Mail

DOWNLOAD unter www.berufliche-anerkennung.de

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 178873
 192

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Studie: Arbeitsmarktpotenzial von Migranten wird vergeudet“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Tür an Tür Integrationsprojekte gGmbH, Augsburg

Bild: Neues Informationsportal im Internet - berufliche-anerkennung.deBild: Neues Informationsportal im Internet - berufliche-anerkennung.de
Neues Informationsportal im Internet - berufliche-anerkennung.de
Bundesweiter Überblick zu Anerkennungsmöglichkeiten für ausländische Berufsabschlüsse Rund 400 unterschiedliche Stellen befassen sich in Deutschland mit der Anerkennung von ausländischen Qualifikationen. Hinzu kommt, dass sich die Verfahren von Bundesland zu Bundesland unterscheiden können. Der Anerkennungsprozess ist also nicht nur für Migranten/innen, sondern auch für Berater/innen und Arbeitsvermittler/innen schwer zu durchschauen. Das neu eingerichtete Online-Portal www.berufliche-anerkennung.de will hier Abhilfe schaffen. „Berufliche I…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Medienpreis zu Migration, Integration und Bildung ausgeschriebenBild: Medienpreis zu Migration, Integration und Bildung ausgeschrieben
Medienpreis zu Migration, Integration und Bildung ausgeschrieben
… Bereich Migration, Integration und Bildung beitragen. Nachwuchsjournalisten können sich bis zum 16. September 2011 mit Print/Online-, Hörfunk- oder TV-Beiträgen über „Bildungswege von Migrantinnen und Migranten“ bewerben. Der Preis ist mit insgesamt 30.000 Euro dotiert und wird an neun Preisträgerinnen und Preisträger verliehen. In den Medien wird die …
Bild: Migranten nehmen gesundheitliche Vorsorgeuntersuchungen selten wahrBild: Migranten nehmen gesundheitliche Vorsorgeuntersuchungen selten wahr
Migranten nehmen gesundheitliche Vorsorgeuntersuchungen selten wahr
… Krebsvorsorgeuntersuchungen Anspruch nehmen unterdurchschnittlich im Vergleich zu deutschen Frauen. Hier beträgt die Quote über 80 % und bei Türkinnen nur 57,6 %. Bei männlichen Migranten hat vor allem auch der soziale Status Auswirkungen auf die Gesundheit. Obwohl der Anteil ausländischer Patienten in Großstädten inzwischen bei einem Drittel liegt, …
„Ungenutzte Potenziale“ der Migranten? Umstrittene Studie zur Lage der Integration vom Berlin Institut
„Ungenutzte Potenziale“ der Migranten? Umstrittene Studie zur Lage der Integration vom Berlin Institut
… präsentieren, aber zumindest einige sollten hier angerissen werden: 1. In der Studie wurden acht verschiedene Zuwanderergruppen untersucht, Aussiedler als größte Gruppe, Türkischstämmige, Migranten aus der EU25 ohne Südeuropa, Südeuropäer (Griechen, Italiener, Portugiesen, Spanier), Migranten aus dem ehemaligen Jugoslawien, Nahen Osten, Fernen Osten und …
Studie: Migranten kurbeln die Münchner Wirtschaft an
Studie: Migranten kurbeln die Münchner Wirtschaft an
… Management durchgeführt hat. Ethnische Ökonomien verkörpern ein enormes Beschäftigungspotenzial. Denn Ausländer in Bayern machen sich generell 3,6-mal häufiger selbstständig als Deutsche. Münchens Migranten sind am häufigsten in der Gastronomie, im Handel und im Dienstleistungsgewerbe tätig. 54 % der Befragten nannten den Wunsch nach Unabhängigkeit …
Bild: QUAPI: Vorstellung an Türkisch-Deutscher Universität in Istanbul und Türkischem Generalkonsulat in KarlsruheBild: QUAPI: Vorstellung an Türkisch-Deutscher Universität in Istanbul und Türkischem Generalkonsulat in Karlsruhe
QUAPI: Vorstellung an Türkisch-Deutscher Universität in Istanbul und Türkischem Generalkonsulat in Karlsruhe
… und Monika Schwab M.A. betreut. „Im weiteren Sinne geht es hier um die Entwicklung eines Konzeptes zum lebenslangen Lernen, dass ausdrücklich die Bedürfnisse der Migranten berücksichtigt. Das Forschungsprojekt wird voraussichtlich im Jahre 2020 veröffentlicht und kann ab diesem Zeitpunkt erworben werden“, sagt Prof. Pinar. Dem Studententeam sei es vor …
Bild: Engagiert im Sportverein oder der Moschee? SPD lädt zur Tagung "Migration und Ehrenamt"Bild: Engagiert im Sportverein oder der Moschee? SPD lädt zur Tagung "Migration und Ehrenamt"
Engagiert im Sportverein oder der Moschee? SPD lädt zur Tagung "Migration und Ehrenamt"
Migranten und ihr freiwilliges Engagement stehen im Mittelpunkt einer Tagung des SPD-Bezirks Hessen-Süd am 8. Oktober in Frankfurt. Dabei geht es um unterschiedliche „Ehrenamtskulturen“ und die Frage, wie und in welchen Bereichen sich Migranten sowohl in „deutschen“ Vereinen als auch in Migrantenorganisationen verschiedenster Art engagieren. Experten …
Mehr innovative Gründungen durch Zuwanderung
Mehr innovative Gründungen durch Zuwanderung
Migrantinnen und Migranten gründen vermehrt innovativ und in wissensintensiven Branchen, das ist eines der neuesten Ergebnisse einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung an der Universität Mannheim. Doch ihr Gründungspotenzial ist noch nicht ausgeschöpft. --- Die Zahl neuer Unternehmen in Deutschland sinkt, doch dafür gründen Zugewanderte immer …
Bild: Michael Oehme: Laut OECD zu viele Migranten im Niedriglohnsektor beschäftigtBild: Michael Oehme: Laut OECD zu viele Migranten im Niedriglohnsektor beschäftigt
Michael Oehme: Laut OECD zu viele Migranten im Niedriglohnsektor beschäftigt
Leider sind laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) überdurchschnittlich viele Migranten in Deutschland im Niedriglohnsektor beschäftigt St.Gallen, 17.12.2018. Kommunikationsexperte Michael Oehme macht diese Woche auf eine Integrationsstudie der von der EU und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit …
vhw-Symposium - Wie wollen Migranten wohnen - Ergebisvorstellung einer repräsentativen Studie
vhw-Symposium - Wie wollen Migranten wohnen - Ergebisvorstellung einer repräsentativen Studie
… Migrationshintergrund stellen bereits ein Fünftel der Bevölkerung in Deutschland, in einigen Städten sind es sogar 40%. Erfolgreiche Integration und bedürfnisgerechte Wohnangebote für Migranten werden noch stärker zu zentralen Herausforderungen für Kommunen und Wohnungswirtschaft. Doch belastbare Erkenntnisse über diese stetig wachsende Gruppe sind rar. An …
Studie: Audience Development - Migranten als Publikum? Status quo in (Hoch-)Kultureinrichtungen in Österreich
Studie: Audience Development - Migranten als Publikum? Status quo in (Hoch-)Kultureinrichtungen in Österreich
… Die Agentur brainworker hat in Kooperation mit dem Institut für Höhere Studien (IHS) die erste österreichweite Studie über die Teilhabe von Migranten am heimischen Kulturangebot aus Anbietersicht durchgeführt. Die Studie zeigt welche vielfältigen Kommunikationsstrategien eingesetzt werden um eine zielgruppenspezifische Ansprache zu erreichen. Wien, 6. …
Sie lesen gerade: Studie: Arbeitsmarktpotenzial von Migranten wird vergeudet