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Martin Papapol: Geldströme im digitalen Kapitalismus

05.05.200710:13 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft

(openPR) In welcher Gesellschaftsform leben wir heute? Die meisten Menschen in der westlichen Welt werden auf diese Frage antworten: Im Kapitalismus. Das ist jedoch irreführend und falsch. Wir leben bereits im digitalen Kapitalismus.

Seit den neunziger Jahren können wir von dieser neuen Form des Kapitalismus sprechen, welche zu der vorherigen Form des Fordismus erhebliche Unterscheide zeigt. Diese Unterschiede werden häufig von Politik und Wissenschaft nicht genügend wahrgenommen, die Folge sind irrtümliche Entscheidungen und Behauptungen.

Durch die Individualisierung der Produktion und die damit verbundenen Risiken wurde weltweit der Schwerpunkt der Finanzierung der Unternehmen von den Banken auf die Finanzmärkte übertragen. Wenn die Unternehmen Geld brauchen, müssen sie die Finanzmärkte mit ihren Leistungen und Daten überzeugen. Kennzahlen wie der Cash-Flow (Shareholder Value) spielen dabei die zentrale Rolle. Durch die technische Entwicklung der Datenvermittlung und das Verlangen der Finanzmärkte ist die Kontrolle und Transparenz der Unternehmen enorm gestiegen. Jedes Unternehmen spielt den Kampf der Gladiatoren in einer unerbittlichen Konkurrenz zu den Anderen. Der Cash-Flow (einfach gesagt die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben) lässt sich am besten mit der Senkung von Ausgaben wie Steuern und Lohnkosten verbessern. Oder noch einfacher ausgedrückt: Je niedriger die Löhne und Steuern, desto besser die Position an den Finanzmärkten und desto mehr steigt die Chance auf einen höheren Wert der Firma (Shareholder Value).

Diese Strategie zieht zwangläufig immer mehr Geld vom Staat ab, was dann zum Abbau der Leistungen des ehemaligen Sozialstaates führen muss. Durch Senkung oder Stagnation der Löhne wird das Geld immer mehr aus den Taschen der Arbeiter und Angestellten gezogen.

Und die Moral von der Geschichte? Zum Schluss haben nur noch die Shareholder das Geld, aber die Massen können nichts mehr kaufen und die Unternehmer nichts mehr verkaufen. Damit sind dann auch die Shareholder pleite.

Informationen und Anregungen zum Thema digitaler Kapitalismus in:
Martin Papapol: Der digitale Kapitalismus - Zu einem Manifest der Neuen Linken, 2005, BoD, Norderstedt

Weitere Informationen und Leseproben unter:
www.papapol.de

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