(openPR) Diese Frage muss erlaubt sein, auch wenn es nicht gerade opportun ist, in Zeiten der Generaldebatte um die anstehende Pflegereform Kritik an den Kritikern der defizitären Pflegezustände zu üben.
Ein weiteres neues Buch enthüllt die katastrophalen Zustände in bundesdeutschen Pflegeheimen und abermals entsteht in der Öffentlichkeit der Eindruck, als seien Pflegeheime nur noch Wartesäle auf den Tod. Nach „Abgezockt und todgepflegt“ und „Alt und abgeschoben“ wird seit Februar diesen Jahres die Gesellschaft mit der Frage konfrontiert „Wohin mit Vater? “ und es scheint nur noch einen Ausweg zu geben: der Weg in die Illegalität, in dem man/frau Pflegekräfte „schwarz“ beschäftigt. Der „Mord auf Raten“ wird also in den Pflegeheimen aktiv weiterbetrieben und es stellt sich die Frage, ob unsere Gesellschaft ein Heer an pathologischen Straftätern beherbergt, die im Schutze von Alteneinrichtungen unbehelligt ihr „Handwerk“ nachgehen können. Nur vereinzelt wenden sich Verbände und Institutionen gegen eine Pauschalkritik, mit der eine gesamte Profession unter Generalverdacht gestellt wird.
Vgl. dazu etwa die Pressemitteilung vom Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe e.V. v. 22.03.07 >>> http://www.vdab.de/web/_data/06-07-Buchveroeffentlichung.pdf
Die Stigmatisierung des Pflegeberufes und vor allem auch die damit einhergehende Kriminalisierung der Pflegenden scheint mehr und mehr in Mode zu kommen. Das Thema wird massenmedial aufbereitet und allseits beliebte und mit hoher Reputation ausgezeichnete Moderatoren und Journalisten (freilich auch Damen) nehmen sich des Themas an und erproben sich im investigativen Journalismus. Mitarbeiter in Pflegeeinrichtungen werden zum aktiven whistleblowing aufgerufen, auch wenn es ihren Arbeitsplatz kosten sollte. Und der mit einem kritischen Zeitgeist ausgestattete Bürger nimmt Anteil an den Feldzügen der Engel der Alten, die sich zusammenfinden und ein gemeinsames Klagelied anstimmen. Hiergegen ist nichts einzuwenden, aber zu fragen bleibt allemal, warum das Lied nicht vernommen wird? Die ohne Frage bedauerlichen und nicht hinnehmbaren Einzelschicksale sind seit Jahrzehnten bekannt und hiergegen wird eben auch seit Jahrzehnten Klage geführt. Vielleicht mag es daran liegen, dass das Thema insgesamt mehr als eine Schlagzeile, eine hohe Einschaltquote oder eines schlagkräftigen Buchtitels bedarf, um zu Veränderungen in einzelnen Pflegeheimen zu gelangen. Sollte sich der Generalverdacht, unter dem die Pflege mittlerweile steht, bestätigen, haben wir ernsthaft einen echten Pflegenotstand zu beklagen, da dann die Straftäter und Täterinnen ihr Dasein in den Justizvollzugsanstalten werden fristen müssen und sich kein Pflegepersonal mehr finden lässt.
Vgl. dazu auch „Die Macht des geschriebenen Wortes und seine/ihre Bedeutung für die professionelle Pflege“ >>>
http://www.iqb-info.de/Sprache%20und%20Medien.pdf
Es dürfte nicht ausreichend sein, stereotyp gegen die Zustände Klage zu führen und sich hierbei einer Argumentation zu bedienen, die nahezu ausschließlich ein Szenario von einem Wartesaal in den Tod skizziert. Die Theorie von der kognitiven Dissonanz zeigt uns sehr schnell die Grenzen auf, denn die mittelbare Betroffenheit in einer logischen Sekunde wird als dissonante Medieninformation gewertet, so dass hinterher der Bürger bemüht sein wird, eben diese Information zu verdrängen. Es steht nicht in Abrede, Kritik zu üben, aber oftmals macht auch der „Ton die Musik“ und es geht nicht an, einen gesamten Berufsstand zu diskreditieren.
Lutz Barth













