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Junger Riesen-Gasplanet Beta Pic b verweigert Einblicke in seinen Ursprung

(openPR) Das junge und unfertige Planetensystem des 23 Millionen Jahre alten Sterns Beta Pictoris (kurz: Beta Pic) hat sich zu einem Paradebeispiel für zirkumstellare Staubscheiben entwickelt und beherbergt mindestens drei Riesen-Gasplaneten. Beta Pic b wurde bereits 2008 mittels direkter Bildgebung entdeckt und ist mit etwa 11 Jupitermassen der massereichste dieser Planeten. Er umkreist seinen Zentralstern auf einer weiten Umlaufbahn und benötigt dafür etwa 23 Jahre.

Astronominnen und Astronomen des Max-Planck-Instituts für Astronomie (MPIA) in Heidelberg, Deutschland, des Observatoire de la Côte d’Azur (OCA) in Nizza, Frankreich, sowie weiterer Partner haben Beta Pic b beobachtet. Mit dem kürzlich modernisierten Instrument GRAVITY+ untersuchten sie den Ursprung des Planeten sowie eine mögliche atmosphärische Variabilität. Das Instrument ist an das Very Large Telescope Interferometer (VLTI) angeschlossen, das von der Europäischen Südsternwarte (ESO) am Paranal-Observatorium in Chile betrieben wird. Antonia von Stauffenberg, Doktorandin am MPIA, ist die Hauptautorin der Studie, die als Letter in der Fachzeitschrift Astronomy & Astrophysics erschienen ist.

„Das interferometrische Instrument GRAVITY+ ist extrem stabil [...], was es einzigartig macht, um die Eigenschaften von direkt abgebildeten Exoplaneten mit hoher Genauigkeit zu bestimmen“, sagt Co-Autor und MPIA-Wissenschaftler Jonas Sauter. GRAVITY+ ist eine Erweiterung des ursprünglichen GRAVITY-Instruments und verfügt über eine verbesserte adaptive Optik

Was lässt sich über die Atmosphäre und den Ursprung von Beta Pic b lernen?

Das Team wendete eine Methode an, die vor einigen Jahren vorgeschlagen wurde, um den Geburtsort von Planeten in planetenbildenden Scheiben zu bestimmen. Durch die Messung des relativen Häufigkeitsverhältnisses zwischen zwei verschiedenen Varianten von Kohlenstoff (C), die im Kohlenmonoxidgas (CO) der Atmosphäre von Beta Pic b gebunden sind, sollte sich ableiten lassen, ob der Planet außerhalb oder innerhalb einer Region der Scheibe entstand, in der Kohlenmonoxid als Eis vorlag. Unter Berücksichtigung der Strahlung des Zentralsterns, der die Scheibe von innen aufheizt, ließe sich dies direkt in die Entfernung zum Stern übersetzen, in der der Planet entstand.

Der Radius, an dem die Temperatur niedrig genug ist, damit Gas zu Eis gefriert, wird im Allgemeinen als Schneelinie bezeichnet. Der Fachbegriff für die Varianten eines Atoms, etwa bei Kohlenstoff, lautet Isotop. Isotope besitzen die gleiche Anzahl an positiv geladenen Protonen im Atomkern, unterscheiden sich jedoch in der Anzahl der neutralen Neutronen – wie bei den beiden Kohlenstoff-Isotopen 12C und 13C. Infolgedessen haben sie leicht unterschiedliche Massen, weisen jedoch ähnliche chemische Eigenschaften auf. Im Weltall verbindet sich Kohlenstoff häufig mit Sauerstoff und bildet dabei 12CO- und 13CO-Moleküle.

Ein spannendes, vorläufiges Szenario

Interessanterweise nutzte der MPIA-Wissenschaftler Matthieu Ravet bei einem früheren Versuch zur Bestimmung des Diagnoseverhältnisses zwischen 12CO und dem etwas schwereren 13CO das ursprüngliche GRAVITY-Instrument noch vor dessen Modernisierung. Dabei ergab sich ein vergleichsweise niedriges Verhältnis. Die Forschenden vermuteten bereits damals, dass GRAVITY eventuell unzureichend war, um die entscheidenden Signale in diesem Datensatz sauber aufzulösen, und mahnten zur Vorsicht bei der Interpretation.

Folgt man dennoch der Logik des oben genannten Szenarios, so deutet dieser Wert darauf hin, dass Beta Pic b in der äußeren Scheibe jenseits der Schneelinie gewachsen sein könnte, indem er eher CO-Eis statt CO-Gas ansammelte. Mit einer Entfernung von etwa 10 AE (Astronomische Einheit = der mittlere Abstand zwischen Sonne und Erde; 1 AE = 149,6 Millionen Kilometer) von seinem Zentralstern zieht Beta Pic b seine Bahn derzeit jedoch eindeutig weiter innen, zwischen dem Stern und der Schneelinie, wo CO vorwiegend als Gas hätte vorliegen sollen. Unter der Annahme, dass das Ergebnis korrekt ist, hätte dieser Befund darauf hingewiesen, dass Beta Pic b durch die Scheibe gewandert sein könnte (Planetenmigration).

Neue und bessere Ergebnisse mit GRAVITY+

Mithilfe von GRAVITY+ leiteten von Stauffenberg und ihre Mitarbeitenden nun ein aktualisiertes und präziseres 12CO/13CO-Häufigkeitsverhältnis in der Atmosphäre von Beta Pic b ab, das deutlich höher liegt als der frühere Wert. Während 12CO klar nachgewiesen wurde und dessen Anteil vergleichsweise einfach zu bestimmen ist, erfordert die Messung von 13CO einen wesentlich komplexeren Ansatz.

Interessanterweise stimmt das Verhältnis mit dem Wert überein, der im Begleitartikel von González Picos et al. (2026) veröffentlicht wurde. Jene Studie nutzte ein anderes Instrument, was die verbesserte Datenqualität unterstreicht, die GRAVITY+ im Vergleich zu seinem ursprünglichen Design liefert. Das vorherige GRAVITY-Ergebnis war eindeutig durch systematische Unsicherheiten beeinträchtigt.

Zudem fanden die Astronominnen und Astronomen subtile Hinweise darauf, dass die vom Planeten empfangene Strahlung im Laufe der Zeit schwankt. Trotz der geringen statistischen Signifikanz scheinen die vorherrschenden Veränderungen mit der Rotationsperiode des Planeten von etwa 8,7 Stunden verknüpft zu sein. Sollte sich dies bestätigen, könnte es auf Wolken oder chemische Prozesse in der Atmosphäre von Beta Pic b hindeuten. Weitere empfindlichere Beobachtungen sind jedoch erforderlich, um das Ergebnis abzusichern.
Antonia von Stauffenberg sagt dazu: „Die Fähigkeit, sowohl Isotopologe als auch eine potenzielle rotationsbedingte Variabilität mithilfe bodengebundener Beobachtungen eines Planeten wie Beta Pictoris b präzise einzugrenzen, demonstriert die außergewöhnliche Datenqualität, die mit dem modernisierten Instrument GRAVITY+ erreicht wird.“

Zweifel an der Aussagekraft von Häufigkeitsverhältnissen

Im vorgeschlagenen Modell zur Bestimmung des Geburtsortes rückt das neue, präzisere 12CO/13CO-Häufigkeitsverhältnis Beta Pic b nun eindeutig in den wärmeren, inneren Bereich der ursprünglichen protoplanetaren Scheibe. Dies stimmt auch mit dem aktuellen Standort des Planeten überein. Weiterhin deckt sich das Verhältnis weitgehend mit Werten, die üblicherweise im Sonnensystem und im interstellaren Medium (ISM) zu finden sind, welches den Raum zwischen den Sternen in der Milchstraße erfüllt. Die überwältigende Mehrheit von etwa einem Dutzend junger Riesen-Gasplaneten, die hinsichtlich ihres CO-Verhältnisses untersucht wurden, weist ähnliche Werte auf.

Diese Übereinstimmung könnte allerdings eine schlechte Nachricht sein. Denn das Kohlenstoff-Isotopenverhältnis verliert damit seine erhoffte Aussagekraft für die Bestimmung des Geburtsorts eines Planeten. Die wahrscheinlichste Erklärung dafür ist, dass mögliche Unterschiede während der Planetenentstehung schlicht zu gering sind, um mit dieser Methode erfasst zu werden. Damit ist das 12CO/13CO-Verhältnis derzeit nicht aussagekräftig genug, um spezifische Rückschlüsse auf die jeweilige Entstehungsumgebung eines Planeten zu ziehen.

„Es ist nach wie vor schwierig, 13CO als Indikator für die Entstehung von Riesenplaneten zu nutzen, da in den Modellen und Messungen immer noch Unsicherheiten fortbestehen.“ – Antonia von Stauffenberg, MPIA

Es ist aber durchaus wahrscheinlich, dass die aktuelle Theorie die chemischen Prozesse im CO-Eis in solchen Staubscheiben noch nicht vollständig erfasst. Dann würde das 12CO/13CO-Verhältnis schlicht keinen messbaren Unterschied zwischen der milderen Gasumgebung und den eiskalten Außenbereichen abbilden. Vorerst behalten die Riesenplaneten mit ausgedehnten Umlaufbahnen das Geheimnis ihrer Entstehung also für sich. Um die verschiedenen Entstehungsszenarien künftig sauber voneinander zu trennen, braucht die Astronomie neue Analysemethoden – und GRAVITY+ dürfte bei deren Entwicklung und Überprüfung eine Schlüsselrolle spielen.

Weitere Informationen

Am MPIA an dieser Studie beteiligte Astronominnen und Astronomen waren Antonia von Stauffenberg, Jonas Sauter, Paul Mollière, Matthieu Ravet (auch am Observatoire de la Côte d’Azur, Nizza, Frankreich [OCA] und an der Université Grenoble Alpes, Grenoble, Frankreich), David Trevascus, Wolfgang Brandner, Gaël Chauvin (auch am OCA), Laura Kreidberg und Elisabeth Matthews.

Weitere Forschende waren: A. Berdeu (Observatoire de Paris, Meudon, Frankreich), M. Bonnefoy (Institut de Planétologie et d’Astrophysique de Grenoble, Frankreich), G. Bourdarot (Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, Garching bei München, Deutschland [MPE]), J.-B Le Bouquin (Université Grenoble Alpes: Saint-Martin-d’Hères, Auvergne-Rhône-Alpes, Frankreich [UGA]), F. Eisenhauer (MPE), M. Houllé (UGA), F. Millour (OCA), J. Scigliuto (OCA), J. Wang (Center for Interdisciplinary Exploration and Research in Astrophysics (CIERA) und Department of Physics and Astronomy, Northwestern University, Evanston, USA), J. W. Xuan (Department of Astronomy, California Institute of Technology, Pasadena, USA [Caltech] und Department of Earth, Planetary, and Space Sciences, University of California, Los Angeles, USA), Y. Zhang (Caltech) sowie die GRAVITY+ Kollaboration.

Das von der Europäischen Südsternwarte (ESO) betriebene Very Large Telescope Interferometer (VLTI) ist ein Infrarot-Interferometer. Es kombiniert das Licht der vier ortsfesten 8,2-Meter-Hauptteleskope (Unit Telescopes, UTs) oder der vier beweglichen 1,8-Meter-Hilfsteleskope (Auxiliary Telescopes, ATs) des Very Large Telescope (VLT). Das VLTI befindet sich am Paranal-Observatorium der ESO in Chile.

GRAVITY+ ist eine Erweiterung des VLTI und seines ursprünglichen GRAVITY-Instruments. Es ermöglicht die Abbildung lichtschwächerer und weiter entfernter Himmelsobjekte als zuvor und verbessert gleichzeitig die kontrastreiche Präzision bei hellen Objekten. Das Konsortium besteht aus 15 Forschungsinstituten aus sieben europäischen Ländern, darunter das MPIA und die ESO.

Für die deutsche Version kam in einem Zwischenschritt ein Sprachmodell zum Einsatz, das bei der Übersetzung der englischen Vorlage des Autors half.

Medienkontakt

Dr. Markus Nielbock
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Astronomie
Heidelberg, Deutschland
Tel.: +49 6221 528-134
E-Mail:
Homepage: https://www.mpia.de/outreach/team

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Antonia von Stauffenberg
Max-Planck-Institut für Astronomie
Heidelberg, Deutschland
E-Mail:

Originalpublikation:
A. von Stauffenberg et al., “13CO and potential variability in β Pictoris b with GRAVITY+” in Astronomy & Astrophysics (2026). DOI: 10.1051/0004-6361/202660275

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