openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Gravitationswellen im summenden Universum

04.06.202614:46 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Gravitationswellen sind winzige Kräuselungen in der Raumzeit. Die erste direkte Messung im Jahr 2015 war ein Meilenstein für die Astronomie. Heute verfügen wir über ein umfassendes Verständnis von Signalen, die sich fernab ihrer Quellen durch den ruhigen, nahezu leeren Weltraum ausbreiten – etwa bei verschmelzenden Schwarzen Löchern. In diesem Fall kann die Welle als kleine Störung auf einem ruhigen Hintergrund betrachtet werden. Die Trennung zwischen „Hintergrund“ und „Welle“ ist eindeutig und die vom Detektor gemessene Größe – eine winzige Ausdehnung und Verkürzung – ist klar definiert.

In der Kosmologie ist die Situation jedoch etwas differenzierter. Der Fokus liegt hier auf dem Universum als Ganzes – einschließlich der Raumzeit und allem, was sich darin befindet, wie beispielsweise Sterne, Schwarze Löcher und Galaxien. Der Hintergrund selbst ist dynamisch. Durch kleine Schwankungen in Dichte und Geschwindigkeit gerät die Raumzeit überall sanft in Bewegung, sodass die Grenze zur Welle verschwimmt. Doch was genau misst ein Gravitationswellendetektor, wenn das gesamte Universum leicht schwingt? Bisher waren theoretische Vorhersagen ausschließlich von der Wahl der mathematischen Koordinaten abhängig. Aussagekräftig ist jedoch nur, was ein echtes Messgerät aufzeichnet. Dies muss koordinatenunabhängig erfolgen.

Dr. Guillem Domènech und sein Team vom Institut für Theoretische Physik der Leibniz Universität Hannover (LUH) haben nun einen präzisen, detektorbasierten Ansatz entwickelt. Anstatt die Bestandteile eines abstrakten Feldes zu erörtern, modellieren die Forscher ein realistisches Experiment mit zwei frei fallenden Testmassen oder Atomuhren, die durch einen Lichtstrahl miteinander verbunden sind. Eine vorbeiziehende Gravitationswelle kann die Lichtlaufzeit geringfügig verändern und somit das gemessene Zeit- oder Frequenzsignal beeinflussen. Die Autoren leiten diese Größe vollständig und koordinatenunabhängig bis zur zweiten Ordnung der kosmischen Fluktuationen her.

„Gravitationswellendetektoren messen die Unterschiede in den Frequenzen und Ankunftszeiten von Lichtstrahlen“, erklärt Erstautor Guillem Domènech. „Wir berechnen diese Größen exakt innerhalb einer expandierenden Raumzeit und unterscheiden deutlich zwischen dem, was tatsächlich messbar ist, und Effekten, die auf der mathematischen Beschreibung beruhen. Dadurch wird sichergestellt, dass theoretische Vorhersagen für künftige Experimente präzise und zuverlässig sind.

Dieser Ansatz liefert eine gemeinsame Sprache für Theorie und Praxis. Im Grenzfall „ruhiger Raum“ reduziert er sich auf die bekannte Messung mit bodengebundenen Interferometern. Im kosmologischen Kontext bleibt er jedoch eindeutig und belastbar. Damit entsteht ein verlässlicher theoretischer Rahmen für die Suche nach primordialen Gravitationswellen im Universum – mit direkter Relevanz für aktuelle und zukünftige Messungen, wie sie beispielsweise mit sogenannten Pulsar Timing Arrays und dem Weltraum-Observatorium LISA durchgeführt werden.

Originalveröffentlichung:
Observable Gravitational Wave Strain at Second Order
Guillem Domènech and Shi Pi and Ao Wang
Phys. Rev. Lett.
DOI:

Hinweis an die Redaktion:
Für weitere Informationen steht Ihnen Dr. Guillem Domènech, Institut für Theoretische Physik der Leibniz Universität Hannover, unter Telefon 0511 762-3886 oder per E-Mail unter gern zur Verfügung.

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1313738
 139

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Gravitationswellen im summenden Universum “ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von idw - Informationsdienst Wissenschaft

Forschung trifft Businessplan: Carl-Zeiss-Stiftung stärkt Technologietransfer und  Gründungen aus der Wissenschaft
Forschung trifft Businessplan: Carl-Zeiss-Stiftung stärkt Technologietransfer und Gründungen aus der Wissenschaft
Kern des neuen Förderansatzes sind das Programm CZS Innovation Teams für Gründungsteams aus der Wissenschaft sowie das Zusatzmodul CZS Transfer für aktuelle Förderprojekte. Daneben fördert die Carl-Zeiss-Stiftung mehrere Transfer-Ökosysteme an ausgewählten Hochschulstandorten mit dem Ziel, Wissenschaft und Wirtschaft vor Ort zu vernetzen. „Wissenschaftliche Erkenntnisse sind vor allem dann sinnvoll, wenn sie verbreitet und genutzt werden: von anderen Wissenschaftler:innen, von der Zivilgesellschaft, der Politik und der Wirtschaft. Deshalb…
Bild: Prisca Merz wird neue Geschäftsführerin der TU9-AllianzBild: Prisca Merz wird neue Geschäftsführerin der TU9-Allianz
Prisca Merz wird neue Geschäftsführerin der TU9-Allianz
Prisca Merz ist eine erfahrene Politikmanagerin mit ausgewiesener Expertise im Wissen-schaftsmanagement. Zuletzt war sie als Teamleiterin und Referentin im Bereich Wirtschafts- und Sozialpolitik für die Britische Botschaft in Berlin tätig. Am Imperial College London, einer der führenden britischen Universitäten, war sie zuvor für die Zusammenarbeit mit Europa und Lateinamerika zuständig. Prisca Merz hat in Passau und Italien European Studies studiert und an der Universität Maastricht einen Master in Public Policy abgeschlossen. Darüber hinaus…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Vorhersagen bestätigt: Schwere Elemente bei Neutronensternverschmelzungen nachgewiesen
Vorhersagen bestätigt: Schwere Elemente bei Neutronensternverschmelzungen nachgewiesen
… Vorhersagen von GSI-Wissenschaftler zur Entstehung schwerer Elemente wie Gold und Platin im Universum sind nun astrophysikalisch beobachtet worden. Erstmals konnten Gravitationswellen von verschmelzenden Neutronensternen nachgewiesen werden. Damit rückt auch das künftige Beschleunigerzentrum FAIR noch stärker in den wissenschaftlichen Fokus, da dort …
Bild: Die Verschmelzung von Neutronensternen besser verstehen
Die Verschmelzung von Neutronensternen besser verstehen
… Schwarze Löcher und Neutronensterne aufeinanderprallen, dann bebt die Raumzeit: Die Verschmelzung dieser Himmelskörper setzt nicht nur riesige Energiemengen frei, die sich als Gravitationswellen mit Lichtgeschwindigkeit durch das Universum ausbreiten und von Gravitationswellenobservatorien wie LIGO und Virgo – und in Zukunft auch mit dem Einstein-Teleskop …
Bild: ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-QuelleBild: ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-Quelle
ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-Quelle
Pressemitteilung der Europäischen Südsternwarte (Garching) - Teleskope der ESO in Chile haben zum ersten Mal im sichtbaren Licht eine Quelle von Gravitationswellen vermessen können. Diese geschichteschreibenden Beobachtungen deuten auf die Verschmelzung zweier Neutronensterne hin — seit langem vorhergesagte Ereignisse, die als Kilonovae bezeichnet werden, …
Bild: Forschung zu extremer Materie wird fortgesetzt
Forschung zu extremer Materie wird fortgesetzt
… des SFB und künftig stellvertretender Sprecher. „Das ist entscheidend für die großen internationalen Messkampagnen, die derzeit laufen oder geplant sind.“Quantencomputer und GravitationswellenIn der neuen Förderphase untersucht der Verbund etwa, wie sich extrem dichte Materie verhält und welche Zustandsänderungen dabei auftreten. Die Forschenden erproben …
Bild: Leybold Mess- und Vakuumtechnik ermöglicht Nachweis von Einsteins GravitationswellenBild: Leybold Mess- und Vakuumtechnik ermöglicht Nachweis von Einsteins Gravitationswellen
Leybold Mess- und Vakuumtechnik ermöglicht Nachweis von Einsteins Gravitationswellen
… rund 100 Jahren steht nun fest: Albert Einstein hatte auch in diesem Fall Recht. Ein Jahrhundert nachdem der Physiker das Bestehen von Gravitationswellen im Rahmen seiner Allgemeinen Relativitätstheorie prognostiziert hat, ist deren Existenz jetzt wissenschaftlich belegt worden. Einen wichtigen Beitrag zu dieser nobelpreisverdächtigen Erkenntnis amerikanischer …
Nobelpreis für Physik geht an Gravitationswellenforscher
Nobelpreis für Physik geht an Gravitationswellenforscher
… S. Thorne zum Nobelpreis für Physik 2017: „Wir gratulieren unseren Kollegen von Herzen und freuen uns sehr über diese Auszeichnung für drei Pioniere der Gravitationswellenforschung. Sie haben ihr Ziel nie aus den Augen verloren und Generationen junger Wissenschaftler inspiriert,“ erklären Prof. Bruce Allen (Professor an der Leibniz Universität), Prof. …
Bild: Kosmische Kartographie - Das Gesicht des GravitationswellenhintergrundsBild: Kosmische Kartographie - Das Gesicht des Gravitationswellenhintergrunds
Kosmische Kartographie - Das Gesicht des Gravitationswellenhintergrunds
… nutzt die äußerst regelmäßigen Pulse von sogenannten Pulsaren (pulsierenden Neutronensternen), um schwache Abweichungen von der Regelmäßigkeit der Pulse aufzuspüren, die durch Gravitationswellen verursacht werden - winzige Wellen im Gewebe der Raumzeit. Im Rahmen einer internationalen Kollaboration von Radioastronomen aus Australien, Deutschland, dem …
Bild: Die Zukunft der Radioastronomie: SKA-Konferenz in Görlitz 2025Bild: Die Zukunft der Radioastronomie: SKA-Konferenz in Görlitz 2025
Die Zukunft der Radioastronomie: SKA-Konferenz in Görlitz 2025
… seine Sichtbarkeit innerhalb der SKA-Partnerschaft.Auf der Konferenz werden über 200 wissenschaftliche Vorträge zu acht zentralen Themenbereichen gehalten, darunter Galaxienentwicklung, Kosmologie, Gravitationswellen und die Suche nach bewohnbaren Welten. Renommierte internationale Sprecher werden die Rolle des SKA zur Erforschung der Kosmologie, der …
Einstein wäre überaus bewegt
Einstein wäre überaus bewegt
… über 100 Jahre nachdem Albert Einstein die allgemeine Relativitätstheorie ausgearbeitet hat, gelang es Forscherinnen und Forschern erstmals, die von ihm vorhergesagten Gravitationswellen nachzuweisen. Auch die Diagnose, dass die Gravitationswellen von zwei schwarzen Löchern aus einer Entfernung von 1,3 Milliarden Lichtjahren stammten, die jeweils etwa …
Bild: Dem Ursprung des Goldes auf der Spur
Dem Ursprung des Goldes auf der Spur
… Neutronensternen besser zu verstehen. Diese gelten als Kandidaten für die Entstehung schwerer Elemente wie Gold, Silber und Uran. Die in diesem Sommer gemessenen Gravitationswellen bei der Verschmelzung zweier Neutronensterne spielen dabei eine zentrale Rolle. --- Der Astrophysiker Dr. Andreas Bauswein vom Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS) hat …
Sie lesen gerade: Gravitationswellen im summenden Universum