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Giftigkeitstests an Ratten: Verabreichung per Schlundsonde als Todesursache

18.11.202510:22 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
Ratte mit Schlundsonde (© Urheber unbekannt)
Ratte mit Schlundsonde (© Urheber unbekannt)

(openPR) Studie deckt hohe Zahl an Todesfällen und Verletzungen auf

Eine neue wissenschaftliche Untersuchung zeigt, dass die Verabreichung von Testsubstanzen per Schlundsonde bei Ratten deutlich häufiger zu schweren Verletzungen und Todesfällen führt als bisher angenommen. Die im Fachjournal Alternatives to Laboratory Animals veröffentlichte Studie von Dr. Katy Taylor und Kolleginnen analysierte 300 Giftigkeitsprüfungen, die zwischen 2004 und 2023 unter der europäischen Chemikalienverordnung REACH durchgeführt wurden.

In 21 Prozent der untersuchten Studien traten Todesfälle oder klinische Auffälligkeiten wie Atemnot auf, die direkt auf die Schlundsonde zurückzuführen waren. Weitere 16 Prozent wiesen Symptome auf, die mit dieser Methode in Zusammenhang stehen könnten. Für das einzelne Tier bedeutet dies ein Sterberisiko von 1 zu 250 bei der Verabreichung – in längeren Studien (90 Tage) sogar dreimal häufiger als in 28-Tage-Studien.

Die Schlundsonde – ein Metallrohr, das täglich ohne Betäubung über Rachen und Speiseröhre in den Magen eingeführt wird – kann gravierende Schäden verursachen: perforierte Luftröhre, verletzte Organe und Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge wurden regelmäßig dokumentiert. Darüber hinaus löst die Methode massiven Stress aus: erhöhte Körpertemperatur, gesteigerte Cortisolwerte, Gewichtsverlust und Leberschäden wurden beobachtet.

Neben den tierschutzrelevanten Aspekten zweifeln die Autorinnen auch die wissenschaftliche Aussagekraft solcher Tests an. Komplikationen, die durch die Schlundsonde entstehen, können leicht mit den Effekten der getesteten Substanz verwechselt werden. Dadurch besteht das Risiko, dass Chemikalien fälschlich als giftig oder reizend eingestuft werden. Auch Stressreaktionen der Tiere können die Ergebnisse verfälschen.

„Die Untersuchung zeigt, dass diese Methode nicht nur enormes Tierleid verursacht, sondern auch die Aussagekraft toxikologischer Studien gefährdet“, so Dr. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. „Die ohnehin fehlende Übertragbarbeit von Tierversuchsergebnissen auf den Menschen wird durch die Schäden, die allein die Applikationsart hervorruft, noch mal unterstrichen. Zudem gibt es bereits eine Fülle an tierversuchsfreien Methoden, um Substanzen zu testen.“

Weitere Informationen

Zusammenfassung: Schäden durch Verabreichung von Substanzen per Schlundsonde bei Ratten. Ärzte gegen Tierversuche, 03.11.2025 >>

Quelle

Taylor K., Rego Alvarez L. & Grange E. The prevalence of reported gavage incidents in repeated dose toxicity studies involving rats conducted between 2004–2023. Alternatives to Laboratory Animals 2025; 53(3): 154-167

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