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ESF+ in Mecklenburg-Vorpommern: Das Ende der Sackgasse

Bild: ESF+ in Mecklenburg-Vorpommern: Das Ende der Sackgasse
Symbol für den drohenden Förder-Gap und den unsicheren Übergang nach 2027 in Mecklenburg-Vorpommern. (© DREIFISCH)
Symbol für den drohenden Förder-Gap und den unsicheren Übergang nach 2027 in Mecklenburg-Vorpommern. (© DREIFISCH)

(openPR)

Kapitel 1: Warum der ESF+ für MV mehr ist als nur ein Förderprogramm

Wenn man über Zukunft spricht – über Arbeit, Zusammenhalt, über Teilhabe – dann führt in Europa kaum ein Weg am Europäischen Sozialfonds Plus, kurz ESF+, vorbei. Das klingt erstmal nach schwerem Brüssel-Beton, nach EU-Jargon, nach Paragraphenketten. Aber dahinter steckt etwas zutiefst Menschliches: Der Versuch, Menschen zu stärken. Ihnen Türen zu öffnen, wo sie sonst oft nur Mauern sehen.

Was der ESF+ wirklich bedeutet

Der ESF+ ist seit 2021 das zentrale soziale Förderinstrument der Europäischen Union. Ein dickes Wort, gewiss – aber was bedeutet das eigentlich? Es bedeutet, dass hier Milliarden Euro aus dem gemeinsamen EU-Haushalt gezielt dorthin fließen, wo soziale Ungleichheit besonders spürbar ist. Wo Armut nicht nur Statistik, sondern Alltag ist. Wo Qualifikation fehlt – nicht aus Desinteresse, sondern weil der Zugang fehlt.

Drei Ziele, die tragen

Konkret: Drei große Ziele trägt dieser Fonds in sich wie Herzschläge – soziale Inklusion, Armutsbekämpfung und Qualifizierung. Drei Wörter, oft benutzt, aber selten durchbuchstabiert.
Inklusion meint hier nicht bloß Barrierefreiheit im Treppenhaus, sondern: Teilhabe an Gesellschaft, Bildung, Arbeitunabhängig von Herkunft, Einschränkung oder Lebensweg.
Armutsbekämpfung heißt: aktiv Wege aus prekären Verhältnissen schaffen, nicht bloß Lücken notdürftig flicken.
Und Qualifizierung? Sie ist heute mehr denn je der Schlüssel, um in einer sich wandelnden Arbeitswelt überhaupt noch den Anschluss zu finden.

Verankert im europäischen Finanzrahmen

Dass dieser Fonds nicht irgendwo am Rand läuft, sondern fest eingebunden ist in den mehrjährigen EU-Finanzrahmen 2021 bis 2027, zeigt: Die soziale Frage ist keine Fußnote in der europäischen Politik – sie ist Teil ihres Fundaments.

Was bedeutet das für Mecklenburg-Vorpommern?

Aber was heißt das alles nun für Mecklenburg-Vorpommern? Für ein Bundesland, das oft als Randregion gesehen wird – geografisch, strukturell, wirtschaftlich? Die Antwort ist klar: Für MV ist der ESF+ kein Nebenschauplatz – er ist tragende Säule.
556,3 Millionen Euro umfasst das Gesamtpaket für die aktuelle Förderperiode. 333,8 Millionen Euro davon kommen direkt aus Brüssel – der Rest: Kofinanzierung durch das Land, teils ergänzt durch Mittel des EFRE, des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.
Eine solche Konstruktion erfordert Zusammenarbeit – und die Bereitschaft, Fördermittel nicht bloß zu verwalten, sondern sie strategisch zu nutzen.

Beispiele, die greifen

Und genau das geschieht. Mit dem ESF+ entstehen in MV Programme, die ganz konkret Menschen erreichen.
Zum Beispiel das Mentoring für Jugendliche und junge Erwachsene – oft diejenigen, die durch jedes Raster zu fallen drohen.
Oder das Programm „Aufstieg in Unternehmen“, das geringqualifizierten Beschäftigten Perspektiven eröffnet – intern wie extern.
Oder die Freiwilligendienste, die jungen Menschen nicht nur ein Jahr Struktur geben, sondern oft auch den ersten realen Kontakt mit einer Berufswelt, die mehr ist als nur Theorie.

Regionale Verankerung mit System

Diese Programme sind keine zufällige Sammlung netter Ideen – sie greifen gezielt in die regionalen Besonderheiten ein.
Wer genauer hinschaut, erkennt:
– Da ist die Förderung in der Biotechnologie Greifswalds, die das Aushängeschild für Region A bildet.
– Da ist die Logistik in Rostock, Region B, die nicht nur Brücken, sondern auch Brötchen liefert.
– Und da ist der Tourismus, Region C, wo Inklusion nicht nur in Hotels, sondern in Haltungen sichtbar werden soll.

Daten statt Bauchgefühl

Der vorliegende Bericht stützt sich dabei nicht auf Bauchgefühl oder wohlklingende Projektbroschüren, sondern auf belastbare Daten.
EU-Berichte, interne Zahlen aus LAIV MV, die Halbzeitbilanz 2025 – sie alle bilden die Grundlage für eine fundierte Rückschau und Vorausschau.
Ein geplanter Zeitstrahl von 2021 bis 2027 soll dabei helfen, nicht nur Meilensteine zu erkennen, sondern auch Lücken sichtbar zu machen. Denn die Zeit rennt – und mit ihr die Verantwortung, diese Mittel bis zum letzten Cent nicht nur auszugeben, sondern sinnvoll zu investieren.

Schlussgedanke zum Abschnitt

Wer heute über Fördermittel spricht, spricht nicht nur über Zahlen, sondern über Lebensrealitäten.
Der ESF+ in Mecklenburg-Vorpommern ist ein Beispiel dafür, wie europäische Solidarität lokal wirken kann – konkret, nachhaltig, menschlich.
Aber diese Wirkung braucht Planung. Voraussicht. Und die Bereitschaft, nicht nur abzuwarten, was aus Brüssel kommt – sondern selbst aktiv zu gestalten, bevor sich das Fenster 2027 endgültig schließt.
Denn was dann geschieht, entscheidet nicht allein die EU – sondern auch wir vor Ort.

Kapitel 2: Zwischen Wirkung und Wirklichkeit – Die Förderjahre 2021–2025 im Rückblick

Von 2021 bis 2025 flossen Millionen aus dem ESF+ nach Mecklenburg-Vorpommern. Dieses Kapitel zeigt, wie die Mittel verteilt wurden, welche Programme besonders profitierten – und wo Erfolge, Lücken und Lehren für die Zukunft sichtbar werden.

2.1 Verteilung der Mittel

Wenn wir einen Moment innehalten und auf die vergangenen Jahre zurückblicken – auf die Zeit seit dem Start der ESF+-Förderperiode 2021 – dann lässt sich eines mit Gewissheit sagen: Die Mittel sind nicht nur geflossen, sie wurden auch mit Bedacht gelenkt. Denn Mittelverteilung ist mehr als das Ziehen von Linien in einem Budgetplan. Es ist ein politischer Kompass, der zeigt, welche Themen ein Land als dringlich betrachtet. In Mecklenburg-Vorpommern zeigt dieser Kompass sehr klar in Richtung Bildung, Teilhabe und soziale Sicherheit.

Etwa 40 Prozent aller bisher eingesetzten Gelder – das entspricht einem Löwenanteil – sind in Qualifizierungsmaßnahmen geflossen. Und das aus gutem Grund. In einem Land, in dem der Fachkräftemangel keine abstrakte Statistik ist, sondern eine spürbare Realität in Pflegeeinrichtungen, Werkhallen und Schulen, ist Weiterbildung mehr als nur ein Bildungsauftrag. Sie ist eine Überlebensstrategie für Wirtschaft und Gesellschaft. Ob es sich um Umschulungen handelt, um digitale Kompetenztrainings oder um arbeitsplatzbezogene Weiterbildung – überall dort, wo Menschen durch Wissen neue Wege betreten können, ist der ESF+ zur Stelle.

Weitere 30 Prozent der Mittel wurden für Maßnahmen zur sozialen Inklusion bereitgestellt. Das klingt vielleicht technisch, aber im Kern geht es hier um die Frage: Wie schaffen wir es, dass niemand zurückbleibt? Ob Menschen mit Behinderung, mit Migrationsgeschichte, mit psychischen Erkrankungen oder mit langen Erwerbslücken – diese Programme öffnen Türen, die sich sonst oft verschlossen halten. Inklusion ist dabei nicht bloß ein pädagogisches Ideal, sondern ein ökonomischer und sozialer Gewinn.

Die restlichen 20 Prozent der bisher verteilten Fördergelder flossen in die Armutsbekämpfung – in Projekte, die Menschen helfen sollen, stabile Lebensverhältnisse aufzubauen: mit Beratung, Unterstützung, strukturierten Übergängen aus Arbeitslosigkeit oder Abhängigkeit. Armut wird hier nicht als individuelles Versagen gesehen, sondern als gesamtgesellschaftliches Problem, das aktives Gegensteuern erfordert.

Diese Zahlen allein sagen natürlich noch nicht alles. Interessant wird es, wenn man sie in den räumlichen und wirtschaftlichen Kontext Mecklenburg-Vorpommerns einbettet. Die Förderstrategie folgt einem klaren Muster, das sich an den drei Wirtschafts- und Förderbereichen orientiert, die oft schlicht mit den Buchstaben A, B und C benannt werden.

Bereich A umfasst die Biotechnologie – mit einem deutlichen Schwerpunkt in Greifswald. Hier wurde gezielt in forschungsnahe Projekte investiert, etwa in die Kooperation mit Hochschulen oder in die Fortbildung technischer Fachkräfte. Ein Gebiet, das nicht nur Zukunftstechnologie verspricht, sondern bereits heute zur Innovationskraft der Region beiträgt.

Bereich B steht für die Logistik, insbesondere in der Region Rostock, wo Umschlag, Transport, maritime Wirtschaft und Digitalisierung Hand in Hand gehen. Auch hier hat der ESF+ unterstützt – nicht nur bei der Fachausbildung, sondern auch bei der Qualifizierung im Bereich nachhaltiger Mobilität und smarter Transportlösungen.

Bereich C, der dritte große Fokus, widmet sich dem Tourismus – mit einem besonderen Blick auf Inklusionsangebote. In einem Land wie MV, das vom Küsten- und Naturtourismus lebt, ist es nur konsequent, auch barrierefreie Angebote zu fördern. Das betrifft sowohl die bauliche Infrastruktur als auch die Schulung von Personal, damit der „Urlaub für alle“ nicht nur eine schöne Idee bleibt, sondern gelebte Realität wird.

Auch bei der regionalen Verteilung zeigt sich ein durchdachtes Bild. Während in Vorpommern – beispielsweise in Greifswald oder Anklam – verstärkt in kleinteilige, forschungsnahe Projekte investiert wurde, lag in West-MV, etwa rund um Schwerin oder Wismar, der Fokus eher auf großflächigen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen. Diese Balance ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer bewussten Strategie: Potenziale fördern, ohne dabei strukturell benachteiligte Regionen zurückzulassen.

Insgesamt wurden bis zum Jahr 2025 rund 222 Millionen Euro vergeben, was etwa 40 Prozent der insgesamt verfügbaren Mittel entspricht. Auf den ersten Blick könnte man sagen: Da ist noch Luft nach oben. Doch wenn man bedenkt, dass diese Jahre von Pandemie, Umbrüchen und großen Strukturfragen geprägt waren, dann ist dieser Wert alles andere als gering. Er steht für tausende Maßnahmen, Beratungsstunden, Kurswochen und Impulse – viele davon mit langfristiger Wirkung.

2.2 Erfolge, die zählen

Zahlen allein sind selten spannend – es sei denn, sie erzählen eine Geschichte. Und genau das tun die Ergebnisse der ESF+-Förderung in Mecklenburg-Vorpommern seit 2021. Denn hinter jeder Zahl, die hier auftaucht, steht ein Mensch. Oder sogar viele. Menschen, die einen Kurs besucht, einen Abschluss gemacht, eine neue Perspektive gefunden haben. Und wenn wir über mehr als 10.000 geschaffene Qualifizierungsplätze sprechen, dann reden wir nicht über Verwaltungseinträge, sondern über reale Lebenswege, die sich verändert haben.

Was bedeutet das konkret? Es bedeutet, dass in ganz MV Tausende Menschen – oft Erwachsene mit gebrochener Erwerbsbiografie – noch einmal neu anfangen konnten. In Kursräumen, Werkstätten, digitalen Lernplattformen, aber auch direkt am Arbeitsplatz. Von Pflegehilfskräften, die sich zur examinierten Pflegekraft weiterbilden ließen, bis hin zu Angestellten in kleinen Betrieben, die endlich die nötigen IT-Kenntnisse für den digitalen Wandel erwerben konnten – die Spannbreite der Programme war groß, und ihre Wirkung spürbar.

Besonders bemerkenswert ist der Fokus auf Frauen in MINT-Berufen – ein Bereich, in dem die Schieflage zwischen den Geschlechtern immer noch hartnäckig ist. Über 5.000 Frauen in Mecklenburg-Vorpommern konnten in der laufenden Förderperiode durch gezielte Maßnahmen den Einstieg in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik schaffen. Und das nicht etwa als Einzelfall, sondern systematisch: durch gezielte Ansprache, Mentoringprogramme, praxisorientierte Workshops und Fördermodelle, die Rücksicht auf Pflegearbeit, Teilzeit-Verfügbarkeit und Vereinbarkeit mit Familie nehmen.

Gerade im ländlichen Raum – also da, wo es oft keine zweite Chance gibt – zeigen diese Programme Wirkung. Sie holen Menschen dort ab, wo sie stehen. Und sie führen sie dorthin, wo sie hinwollen. Ohne Stigma. Ohne bürokratische Hürden. Einfach durch konsequente Förderung mit Weitblick.

Ein besonders wichtiger Meilenstein war die Halbzeitbilanz im Jahr 2025. Trotz aller Unsicherheiten – Stichwort: Pandemie, Lockdowns, Fachkräftemangel – fiel sie deutlich positiv aus. Die Maßnahmen wurden nicht nur fortgesetzt, sondern vielerorts sogar ausgeweitet. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Viele andere Regionen mussten in dieser Zeit Mittel zurückgeben oder Projekte auf Eis legen. In MV aber blieb der Motor an – manchmal ruckelnd, aber nie stillstehend.

Was diese Bilanz zusätzlich unterstreicht, sind die Fallstudien aus der Praxis. Da ist zum Beispiel das Mentoring-Programm für benachteiligte Jugendliche, das im Raum Neubrandenburg jungen Menschen den Übergang von der Schule in den Beruf erleichtert. Oder die berufsbegleitende Weiterbildung für Alleinerziehende in Ludwigslust, die in Modulen strukturiert ist – angepasst an familiäre Belastung und Alltag. Und da sind die Inklusionsprojekte in der Tourismusregion Rügen, wo Hotels barrierefrei umgebaut wurden, inklusive Schulungen für das Personal.

Diese Projekte wirken nicht nur nach innen, sondern auch nach außen: Sie verändern Bilder. Von dem, was möglich ist. Von dem, was „förderwürdig“ ist. Und nicht zuletzt von dem, was wir als Gesellschaft bereit sind zu tun, um Teilhabe zu ermöglichen – für alle.

Schlussgedanke zum Abschnitt
Es ist leicht, Förderpolitik auf Zahlen zu reduzieren. Aber die wahre Wirkung entfaltet sich dort, wo die Fördergelder auf Wirklichkeit treffen: im Schulungsraum, im Bewerbungstraining, im Gespräch zwischen Mentor und Mentee. Die Erfolge der ESF+-Periode 2021 bis 2025 in Mecklenburg-Vorpommern zeigen, dass solche Maßnahmen mehr sind als ein temporäres Pflaster. Sie sind Strukturarbeit an der Zukunftkonkret, nachhaltig und notwendig.

2.3 Stolpersteine und Strukturprobleme

Natürlich ist nicht alles glatt gelaufen. Wer sich ein ehrliches Bild machen will, muss auch dorthin schauen, wo Dinge ins Stocken geraten sind – oder schlicht nicht funktioniert haben. Und ja: Auch im Rahmen der ESF+-Förderperiode 2021 bis 2025 gab es in Mecklenburg-Vorpommern Herausforderungen, die nicht unter den Teppich gekehrt werden sollten. Im Gegenteil: Sie zeigen, wo es noch Luft nach oben gibt – und wo strukturelle Bremsen gelöst werden müssen, wenn Förderung wirklich flächendeckend wirken soll.

Ein ganz konkreter Befund: 10 bis 15 Prozent der Fördermittel blieben bislang ungenutzt. Das heißt: Gelder, die eigentlich für soziale Projekte, Qualifizierung und Inklusion vorgesehen waren, konnten nicht oder nur teilweise abgerufen werden. Das ist besonders bedauerlich, weil der Bedarf vorhanden war – und ist. Doch was hat zu dieser Lücke geführt?

Ein zentraler Faktor war – wie so oft in den letzten Jahren – die Corona-Pandemie. Sie hat Zeitpläne gesprengt, Projektstarts verzögert und Planbarkeit erschwert. Viele Träger standen 2021/22 vor der Wahl: Entweder weiterarbeiten unter völlig veränderten Bedingungen oder pausieren. Manche mussten Programme sogar ganz abbrechen – nicht, weil die Ideen schlecht waren, sondern weil schlicht die Rahmenbedingungen nicht mehr stimmten. Präsenzangebote wurden plötzlich unmöglich, digitale Alternativen waren nicht überall sofort einsatzbereit. Wer je versucht hat, ein Lernprogramm über Videokonferenz mit Menschen in prekären Lebenslagen durchzuführen, weiß: Es braucht mehr als nur eine stabile Internetverbindung.

Doch neben den pandemiebedingten Störungen zeigt sich noch ein zweiter, systemischer Bremsfaktor, der bis heute viele gute Ansätze ausbremst: bürokratische Hürden. Genauer gesagt: ein zu kompliziertes Antragsverfahren. Viele kleine Träger, Vereine oder Initiativen – genau die, die oft die kreativsten, lebensnahesten Projekte in ihren Gemeinden entwickeln – scheitern schon auf der ersten Etappe: am Formular, am Zeitrahmen, an den Nachweispflichten.

Was dabei entsteht, ist eine paradoxe Situation: Geld wäre da. Bedarf auch. Aber zwischen beiden Seiten steht eine Wand aus Regularien, Prüfroutinen und Unklarheiten. Das führt dazu, dass größere Träger – mit eigener Verwaltungsstruktur – leichter durchkommen, während kleine Organisationen außen vor bleiben. Das widerspricht dem eigentlichen Geist des ESF+, der ja gerade auch die Vielfalt und Nähe zur Lebensrealität fördern will.

Es ist daher kein Wunder, dass aus verschiedenen Richtungen – von Trägern, Kommunen, aber auch aus Ministerien – der Ruf nach einer Vereinfachung des Antragsverfahrens laut geworden ist. Weniger Papier, klarere Fristen, digitalisierte Prozesse und vor allem: eine bessere Begleitung für Erstbewerberinnen und -bewerber. Denn wer einmal durch den Prozess durch ist, weiß: Es geht. Aber es braucht Geduld, Fachwissen – und oft Hilfe von außen.

Schlussgedanke zum Abschnitt
Förderpolitik ist immer ein Balanceakt zwischen Kontrolle und Vertrauen. Zwischen Mittelvergabe und Mittelverwendung. Die Herausforderungen in Mecklenburg-Vorpommern zeigen, dass Vertrauen oft der bessere Hebel ist – besonders dann, wenn die Strukturen lokal, engagiert und wirksam sind. Wer mehr Menschen erreichen will, muss die Wege zu den Fördergeldern einfacher machen. Denn am Ende geht es nicht um Bürokratie – es geht um Wirkung. Und jede nicht genutzte Förderung ist eine verpasste Chance auf genau diese Wirkung.

Kapitel 3: Das Ende naht – und mit ihm die Lücke: Was 2027 für MV bedeutet

Die ESF+-Förderperiode endet am 31. Dezember 2027. Dieses Kapitel beleuchtet, was das für Mecklenburg-Vorpommern bedeutet, welche Risiken ein Förderstopp birgt – und wie Übergänge gestaltet werden können, um Förderlücken zu vermeiden.

3.1 Fakten zum Förderende

Alles, was einen Anfang hat, hat auch ein Ende – und das gilt auch für die aktuelle ESF+-Förderperiode. Am 31. Dezember 2027 endet die laufende Programmlaufzeit formal. Dieser Termin steht nicht zur Debatte, er ist festgelegt – für alle Mitgliedstaaten verbindlich. Es ist das offizielle Ende eines Förderzyklus, der über sieben Jahre hinweg europaweit Projekte getragen, Menschen begleitet und Strukturen verändert hat.

Doch das Ende kommt nicht überraschend. Die Spielregeln waren von Anfang an bekannt. Was allerdings oft übersehen wird: Es endet nicht alles sofort. Denn es greift die sogenannte N+2-Regel. Das bedeutet: Auch wenn keine neuen Mittel mehr bewilligt werden dürfen, können bereits genehmigte Maßnahmen noch bis Ende 2028 abgerechnet und abgeschlossen werden. In gewisser Weise ist diese Regel ein Puffer – sie gibt Zeit, laufende Projekte ordentlich zu Ende zu bringen. Aber sie ersetzt keine Anschlussfinanzierung.

Und genau darin liegt die Spannung: Denn parallel zum Auslaufen der aktuellen Förderperiode beginnt auf europäischer Ebene bereits die Vorbereitung für die neue Förderperiode 2028 bis 2034. Erste Entwürfe, Schwerpunktthemen, Budgetdebatten – das alles läuft seit 2024 hinter den Kulissen. Und während der ESF+ heute noch stark auf soziale Inklusion, Qualifizierung und Armutsbekämpfung fokussiert ist, zeichnet sich bereits ab, dass künftig zwei Themen besonders im Mittelpunkt stehen werden: der europäische Green Deal und die digitale Transformation.

Das ist nachvollziehbar – und notwendig. Der Klimawandel drängt, die Arbeitswelt verändert sich rasant. Doch es stellt sich auch die Frage: Was bedeutet das für Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern? Wird der Fokus künftig enger gefasst? Werden klassische soziale Themen verdrängt? Oder gelingt es, den Wandel sozial abzufedern?

Fakt ist: Die Zeit zwischen Ende 2027 und Beginn 2028 ist eine sensible Übergangsphase. Was dort geplant – oder versäumt – wird, entscheidet maßgeblich darüber, ob bewährte Programme nahtlos weiterlaufen können oder ob wichtige Projekte ins Leere laufen.

3.2 Der Förder-Gap – 15 % Risiko für Mecklenburg-Vorpommern

Wenn ein Fördertopf sich dem Ende zuneigt, stellt sich zwangsläufig eine Frage: Was kommt danach? Und was passiert, wenn die Antwort zu lange auf sich warten lässt? Genau in dieser Lücke entsteht, was man inzwischen in Mecklenburg-Vorpommern mit wachsender Sorge beobachtet: der sogenannte „Fördergap“ – ein drohendes Vakuum zwischen dem Auslaufen der ESF+-Förderperiode Ende 2027 und dem Beginn einer neuen Programmlinie im Jahr 2028.

Die Zahlen sind dabei alles andere als beruhigend. Geschätzt wird eine Lücke von rund 50 bis 80 Millionen Euro, was in etwa 15 Prozent des gesamten ESF+-Volumens für Mecklenburg-Vorpommern entspricht. Und dieser Prozentsatz ist nicht nur eine haushaltstechnische Randnotiz – er steht für konkrete Auswirkungen: für Programme, die nicht starten können, für Träger, die in Unsicherheit planen, für Menschen, deren Förderplätze auf dem Spiel stehen.

Doch wie kommt es überhaupt zu diesem drohenden Zwischenraum?

Ein wesentlicher Grund liegt auf europäischer Ebene: Die Verhandlungen zum neuen Mehrjährigen Finanzrahmen (MFF) 2028–2034 laufen schleppend. Die EU-Kommission hat bereits Skizzen vorgelegt, doch Einigung im Rat und Parlament ist noch nicht in Sicht. Haushaltsverhandlungen auf EU-Ebene sind ein komplexes, oft zähes Ringen – geprägt von geopolitischen Unsicherheiten, neuen Prioritäten wie Klima- und Energiepolitik und dem Balanceakt zwischen Sparzwang und Investitionsdruck.

Doch nicht nur Brüssel trägt zur Unsicherheit bei. Auch auf nationaler Ebene gerät die Planung ins Wanken. In Deutschland steigen die Sozialausgaben deutlich – allein in MV um geschätzte +4 % bis 2027. Gleichzeitig brechen Steuereinnahmen ein. Die wirtschaftliche Lage ist angespannt, und Haushaltsengpässe machen es schwer, fehlende EU-Mittel kurzfristig mit Landesmitteln aufzufangen. Besonders bitter: Gerade dort, wo der Bedarf am größten ist – bei der sozialen Teilhabe, bei niedrigschwelliger Bildung, bei Jugendprogrammen – fehlt es am finanziellen Spielraum.

Was das konkret bedeutet? Mentoring-Programme, die jungen Menschen ohne familiären Rückhalt den Start ins Berufsleben ermöglichen, müssen pausieren oder ganz eingestellt werden. Inklusionsprojekte, etwa für Menschen mit Behinderung im Tourismus oder der Gastronomie, geraten unter Druck – obwohl sie nachweislich wirken. Und insgesamt sind mehr als 10.000 Förderplätze in Mecklenburg-Vorpommern direkt vom drohenden Gap betroffen. Das ist nicht nur eine abstrakte Zahl, das sind 10.000 Lebenswege, die plötzlich ins Wanken geraten könnten.

Und auch die Träger – Bildungsinstitute, NGOs, Sozialunternehmen – stehen unter Druck. Denn ohne Planungssicherheit lassen sich keine Fachkräfte binden, keine langfristigen Maßnahmen vorbereiten. Der Förder-Gap wirkt also nicht nur finanziell, sondern auch psychologisch: Er untergräbt Vertrauen – in die Institutionen, in die Förderpolitik, und letztlich auch in die europäische Idee.

Schlussgedanke zum Abschnitt
Förderung braucht Verlässlichkeit. Und Verlässlichkeit entsteht nicht allein durch Budgets, sondern durch rechtzeitige Planung, klare Kommunikation und das Bewusstsein, dass jedes Versäumnis reale Folgen hat. Der drohende Förder-Gap in Mecklenburg-Vorpommern ist kein Naturgesetz – er ist vermeidbar. Doch nur, wenn Politik auf allen Ebenen jetzt handelt.

3.3 Reaktionen und Gegenmaßnahmen

Es ist eine Binsenweisheit in der Politik – aber sie bleibt wahr: Eine Krise ist immer auch ein Test für Handlungsfähigkeit. Und genau vor diesem Test steht Mecklenburg-Vorpommern jetzt. Denn angesichts des drohenden Fördergaps ab Ende 2027 reicht es nicht, nur auf Brüssel zu warten. Die Landesregierung hat erkannt, dass Handeln nötig istbevor die Lücke entsteht, nicht erst danach.

Ein zentrales Instrument, mit dem MV vorsorgen will, ist der Doppelhaushalt 2025/2026, der bereits konkrete Übergangsfinanzierungen vorsieht. Im Entwurf ist verankert, dass Programme, die bisher über den ESF+ getragen wurden, auch über nationale Mittel weitergeführt werden können – zumindest in Teilen. Das betrifft besonders Maßnahmen, die sich bewährt haben: etwa Mentoringprojekte, niederschwellige Weiterbildungsangebote oder Qualifizierungsmaßnahmen für benachteiligte Gruppen.

Um diese Übergangsphase finanziell abzusichern, plant die Landesregierung, auf bereits gebildete Rücklagen von rund 200 Millionen Euro zurückzugreifen. Diese Summe ist kein Polster für Luxus, sondern bewusst angespart, um in genau solchen Situationen handlungsfähig zu bleiben. Sie soll dabei helfen, die schwerwiegendsten Lücken zu überbrücken – nicht auf Dauer, aber mit der nötigen Luft zum Atmen, bis Klarheit über die neuen EU-Strukturen besteht.

Parallel dazu laufen auch auf europäischer Ebene Gespräche. Vertreterinnen und Vertreter des Landes – aus Ministerien, aber auch aus dem Landtag – stehen in direktem Austausch mit der EU-Kommission, um auf eine möglichst nahtlose Anbindung an Nachfolgeprogramme hinzuwirken. Ziel ist es, dass MV frühzeitig eingebunden wird – in inhaltliche Schwerpunktsetzungen ebenso wie in mögliche Pilotprojekte, etwa im Rahmen des Green Deal oder der digitalen Transformation.

Gleichzeitig meldet sich auch die Wirtschaft zu Wort. Die IHK und die landeseigene Standortagentur Invest in MV haben bereits klare Empfehlungen ausgesprochen. Sie betonen, dass sich MV breiter aufstellen muss, um mittelfristig unabhängiger von reinen EU-Fördertöpfen zu werden. Konkret: Eine stärkere Diversifizierung der Finanzierungsquellen, etwa durch private Partnerschaften, Beteiligungen von Stiftungen oder innovative Finanzierungsmodelle wie Social Impact Bonds, könne helfen, einzelne Programme zu stabilisieren – auch in unsicheren Übergangsphasen.

Diese Hinweise treffen durchaus auf offene Ohren – auch wenn klar ist: Solche Strategien lassen sich nicht über Nacht umsetzen. Sie erfordern Strukturaufbau, Know-how und einen Kulturwandel im Umgang mit Förderlogiken. Aber sie könnten mittelfristig dazu beitragen, MV resilienter in Sachen Förderung zu machen – weniger abhängig von haushaltspolitischen Zyklen in Berlin oder Brüssel.

Schlussgedanke zum Abschnitt
Die gute Nachricht ist: Mecklenburg-Vorpommern bleibt nicht tatenlos. Übergangsbudgets, Rücklagen, EU-Gespräche und kluge Empfehlungen aus der Wirtschaft zeigen: Das Land reagiert proaktiv – und nicht erst dann, wenn die Lücke klafft. Entscheidend wird sein, wie konsequent diese Maßnahmen nun umgesetzt werden. Denn das Zeitfenster schließt sich – und mit ihm die Chance, den Förder-Gap wirklich abzufangen, bevor er entsteht.

Kapitel 4: Nach vorn denken: Perspektiven für die EU-Förderperiode 2028–2034

Die nächste EU-Förderperiode rückt näher. Dieses Kapitel blickt voraus: Welche Themen stehen künftig im Fokus? Welche Chancen eröffnen sich für MV? Und welche Empfehlungen helfen, ab 2028 resilienter, digitaler und inklusiver zu fördern?

4.1 Neue Themen, neue Förderlogik

Blickt man voraus auf das Jahr 2028, dann ist eines bereits jetzt deutlich: Die neue EU-Förderperiode wird kein bloßes „Weiter so“. Vielmehr kündigt sich ein spürbarer thematischer Wandel an – mit neuen Prioritäten, veränderten Förderlogiken und frischen Chancen. Für Mecklenburg-Vorpommern bedeutet das: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um sich strategisch neu auszurichten.

Die neuen Schwerpunkte zeichnen sich bereits deutlich ab. Im Zentrum stehen drei große europäische Querschnittsthemen, die längst keine Vision mehr sind, sondern drängende Realität:

  • Digitalisierung – nicht mehr nur als technisches Upgrade, sondern als Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Bildungszugang.
  • Klimaschutz – als verbindlicher Rahmen, der alle Projekte durchdringen wird: von grüner Qualifizierung über nachhaltiges Bauen bis hin zur CO₂-neutralen Verwaltung.
  • Inklusion – weiterhin als sozialpolitischer Kernauftrag, aber stärker verknüpft mit Zukunftsthemen wie Barrierefreiheit in digitalen Räumen, inklusiver Green Economy oder chancengerechtem Zugang zu Technologie.

Was bedeutet das für die praktische Förderpolitik in MV?
Nach bisherigen Prognosen kann das Land auch in der kommenden Periode mit einem Fördervolumen zwischen 500 und 600 Millionen Euro rechnen – eine Größenordnung, die aufzeigt: MV bleibt förderpolitisch relevant. Doch die Verteilung wird sich verändern – nicht nur inhaltlich, sondern auch methodisch. Projekte müssen künftig noch klarer an europäische Strategien andocken, etwa an die Ziele des Green Deal oder an den Digital Europe Plan. Die Herausforderung wird sein, regionale Besonderheiten mit diesen großen Linien zu verbinden – und dabei die Menschen im Blick zu behalten, nicht nur die Technologien.

Ein zentrales Stichwort dabei: Qualifizierungsnetzwerke. Diese sollen in der neuen Förderperiode noch stärker unterstützt und ausgebaut werden. Denn der Arbeitsmarkt der Zukunft verlangt nicht nur punktuelle Weiterbildung, sondern vernetzte Lernlandschaften: zwischen Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Trägern und Kommunen. Das Ziel: Wissen im Fluss halten – kontinuierlich, praxisnah, lebensphasenorientiert.

Denkbar sind hier etwa regionale Kompetenzzentren, die gemeinsam mit Hochschulen und Betrieben digitale Qualifikationen entwickeln – oder branchenspezifische Akademien, die ökologische Transformation mit konkreten Berufsbildern verbinden. Auch hybride Lernformate und Mikro-Zertifikate könnten gefördert werden – angepasst an Menschen, die neben Beruf, Familie und Alltag trotzdem weiterkommen wollen.

Schlussgedanke zum Abschnitt
Die neue Förderperiode wird kein Spaziergang – aber sie bietet echte Gestaltungschancen. Wer Digitalisierung, Klimaschutz und Inklusion nicht als Einzelthemen betrachtet, sondern als miteinander verknüpfte Zukunftsfelder, der kann Mecklenburg-Vorpommern als lernende, nachhaltige Region positionieren. Doch dafür braucht es jetzt Mut, Strategie – und den Willen, bekannte Wege zu verlassen.

4.2 Handlungsempfehlungen für Mecklenburg-Vorpommern

Der Blick nach vorn zeigt: Die nächste Förderperiode bringt nicht nur Chancen, sondern auch neue Anforderungen. Für Mecklenburg-Vorpommern wird es entscheidend sein, jetzt die richtigen Weichen zu stellen – nicht erst dann, wenn die neuen Programme starten, sondern jetzt, in der Phase der Vorbereitung.

Eine zentrale Empfehlung lautet deshalb: Vorsorge statt Nachsorge. Um künftig besser mit Unsicherheiten – wie etwa einem Förder-Gap – umgehen zu können, sollte das Land gezielt „Gap-Resilienz-Pläne“ entwickeln. Gemeint ist damit ein strategischer Puffer, bei dem mindestens 20 Prozent der Fördermittel oder entsprechenden Landesmittel als Reserve eingeplant werden. Nicht zum Zweck des Hortens, sondern um handlungsfähig zu bleiben, wenn EU-Mittel später als geplant fließen oder Förderlücken entstehen.

Gleichzeitig braucht es eine spürbare Vereinfachung der Zugänge – sowohl für Fördernehmende als auch für Beratungsstellen. Hier bietet sich die Einrichtung sogenannter One-Stop-Shops an: zentrale Anlaufstellen, an denen Förderinteressierte nicht mehr durch Formulardschungel und Zuständigkeitsfragen irren müssen, sondern alles aus einer Hand bekommen – Information, Antragshilfe, Feedback. Besonders kleinere Träger und Initiativen würden davon profitieren – sie, die oft gute Ideen haben, aber an der Struktur scheitern.

Ein dritter, nicht minder wichtiger Punkt ist die Rolle von MV auf europäischer Bühne. Wer in der kommenden Förderperiode nicht nur mitlaufen, sondern mitgestalten will, muss sich frühzeitig in die EU-Entscheidungsprozesse einbringen. Lobbyarbeit ist hier kein Schimpfwort, sondern ein legitimes und notwendiges Mittel, um regionale Interessen zu vertreten. Das bedeutet konkret: Präsenz in Brüssel, Teilnahme an Konsultationen, frühzeitige Rückmeldung zu Verordnungsentwürfen, Aufbau von strategischen Allianzen mit anderen strukturschwachen Regionen.

Schlussgedanke zum Abschnitt
Mecklenburg-Vorpommern hat in der laufenden Förderperiode viel erreicht – aber auch erlebt, wie verletzlich ein System wird, wenn zu spät reagiert wird. Die Empfehlungen für die Zeit ab 2028 sind deshalb mehr als eine To-do-Liste. Sie sind ein Appell: Jetzt planen, vorausschauen, mitgestalten. Denn wer heute vorbereitet ist, muss morgen nicht improvisieren.

Kapitel 5: Bilanz, Bruchstelle, Neubeginn: Was aus dem ESF+ gelernt werden kann

Der ESF+ war mehr als nur ein Fördertopf – er war Motor für Teilhabe und Wandel. Dieses Kapitel zieht Bilanz: Was wurde erreicht, was bleibt offen – und wie kann Mecklenburg-Vorpommern die Erfahrungen als Fundament für den Neustart ab 2028 nutzen?

5.1 Fazit: Wirkung und Wendepunkt

Am Ende dieser Betrachtung lässt sich eines mit Nachdruck sagen: Der Europäische Sozialfonds Plus war für Mecklenburg-Vorpommern mehr als nur ein Finanzierungsinstrument. Er war ein strategisches Werkzeug – für sozialen Fortschritt, für wirtschaftliche Teilhabe, für individuelle Entwicklung. Ob Qualifizierung, Mentoring oder Inklusion – der ESF+ hat in der Förderperiode 2021 bis 2027 zahllose Impulse gesetzt, die weit über kurzfristige Programme hinausreichen.

Gerade für ein strukturell herausforderndes Bundesland wie MV war und ist der ESF+ ein Erfolgsmodell. Er hat dort angesetzt, wo klassische Maßnahmen oft zu kurz greifen: bei Menschen mit schwierigen Startbedingungen, bei Unternehmen mit kleinem Budget, bei Regionen mit schwacher Anbindung. Er hat Programme ermöglicht, die nicht nur Kompetenzen fördern, sondern Perspektiven schaffen – und das mit Wirkung auf den gesamten Arbeitsmarkt.

Doch nun steht ein Bruchpunkt bevor: Das Jahr 2027 markiert nicht nur das Ende eines Förderzyklus, sondern eine echte Zäsur. Mit dem automatischen Auslaufen der Mittel endet ein Kapitel – und beginnt ein neues, dessen Konturen noch nicht vollständig sichtbar sind. Das birgt Risiken: Ein Förder-Gap kann Projekte ausbremsen, Vertrauen beschädigen und soziale Ungleichheiten verstärken. Doch es birgt auch Chancen: zur Neuausrichtung, zur strategischen Erneuerung und zur Entwicklung zukunftsfähiger Strukturen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Was verlieren wir?“ Sondern: „Was wollen wir bewahren – und wie bringen wir es in die nächste Phase?“

Mecklenburg-Vorpommern hat gezeigt, dass es mit Fördermitteln verantwortungsvoll und wirkungsvoll umgehen kann. Jetzt gilt es, dieses Know-how in die Zukunft zu übersetzen – mutig, planvoll und offen für Wandel.

5.2 Aufruf zur Vorbereitung

Die Zeit nach 2027 wird nicht warten. Deshalb braucht es jetzt – nicht morgen, nicht übernächsten Sommer – klare, entschlossene Vorbereitung. Wer will, dass bewährte Projekte weiterlaufen, dass neue Vorhaben nicht an der Startlinie verhungern, der muss 2026 und 2027 nutzen, um aktiv vorzuplanen. Nicht als Pflichtübung, sondern als strategischen Schritt.

Denn jedes Jahr, das ungenutzt verstreicht, verringert die Handlungsfähigkeit im Übergang. Förderprogramme brauchen nicht nur gute Ideen – sie brauchen Vorlauf, Personal, Anträge, Strukturen. Und sie brauchen das Vertrauen der Menschen, dass es nicht plötzlich vorbei ist, nur weil ein Förderzeitraum endet.

Darum der klare Appell an Träger, Kommunen, Verwaltungen, Ministerien – und nicht zuletzt an die politisch Verantwortlichen: Beginnt jetzt. Sichert das Gute. Plant das Nächste. Und baut Brücken, bevor Lücken entstehen.

5.3 Quellen und Transparenz

Die in diesem Bericht dargestellten Informationen basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen, offiziellen Mitteilungen und aktuellen Planungsdokumenten des Landes Mecklenburg-Vorpommern sowie der Europäischen Union. Trotz sorgfältiger Recherche und Prüfung kann keine Gewähr für die Vollständigkeit oder Aktualität sämtlicher Inhalte übernommen werden. Insbesondere bei Zahlenangaben handelt es sich teils um Schätzungen oder vorläufige Werte, die sich im Zuge weiterer Planungsprozesse ändern können. Für eine rechtsverbindliche Auskunft sind die jeweils zuständigen Institutionen zu konsultieren.

Quellenanhang

  • LAIV-MV (Landesamt für innere Verwaltung Mecklenburg-Vorpommern) – Statistiken zur Mittelverwendung, ESF+-Projektberichte, Halbzeitbilanz 2025
    https://www.laiv-mv.de
  • EU-Kommission – Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration (DG EMPL) – ESF+ Mid-Term Review, Programmleitlinien, Budgetdaten 2021–2027
    https://ec.europa.eu/social/
  • ESF+-Berichte Mecklenburg-Vorpommern – Jahresberichte und thematische Analysen, Hrsg.: Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus MV
    https://www.europa-mv.de/esfplus
  • Landeshaushalt Mecklenburg-Vorpommern 2025/2026 – Einzelplan 06 (Arbeit und Soziales), Mittelfristige Finanzplanung 2023–2028

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