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Neue Professuren am Center for Critical Computational Studies

09.09.202511:18 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) FRANKFURT. Gestärkt durch ökologische, sozioökonomische, digitale, erziehungswissenschaftliche und rechtsphilosophische Expertise: Am Center for Critical Computational Studies an der Goethe-Universität treten bis Ende des Jahres gleich fünf neue Forschende ihre Professuren an. Die Leitung des C³S betont: „Wir freuen uns sehr, herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler willkommen zu heißen. Als noch junges Zentrum der Goethe-Universität ist das C³S eine inter- und transdisziplinäre Plattform, auf der wir viele verschiedene Forschungsgebiete zusammenbringen. Mit den neuen Kolleginnen und Kollegen gewinnen wir frische Impulse, die unser Profil im Bereich der Critical Computational Studies weiter vertiefen.“

Mechanistische und prozessorientierte Modellierung von Biodiversität und Ökosystemen – Prof. Dr. Oskar Hagen
Die Goethe-Universität Frankfurt und das Senckenberg Biodiversity and Climate Research Centre (SBiK-F) freuen sich, Oskar Hagen als Professor für mechanistische und prozessorientierte Modellierung von Biodiversität und Ökosystemen am Center for Critical Computational Studies (C³S) begrüßen zu dürfen. Als international vernetzter Biodiversitätswissenschaftler und öko-evolutionärer Modellierer bringt Hagen eine dynamische Vision mit, die rigorose Berechnungen mit einer tiefen Faszination für die Komplexität des Lebens verbindet. Im Mittelpunkt der Arbeit von Prof. Hagen steht eine scheinbar einfache Frage: Wie entsteht, bleibt bestehen und schwindet Biodiversität im Laufe der Zeit und im Raum? Um diese Frage zu beantworten, gründete er die Computational Integrative Biodiversity (CIB)-Gruppe, die neuartige prozessbasierte Rahmenwerke entwickeln wird, um die Dynamik der Biodiversität unter historischen und zukünftigen Umweltbelastungen zu verstehen und vorherzusagen. Seine Forschung integriert öko-evolutionäre Simulationen mit klimatologischen, geologischen und historischen Daten und kombiniert Theorie mit Hochleistungsrechnen, um Phänomene zu untersuchen, die von der Diversifizierung und dem Aussterben von Arten bis hin zur Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen und biogeografischen Mustern reichen.

Modellierung der sozioökonomischen Treiber und Auswirkungen des fortschreitenden Klimawandels mit Fokus auf Umweltökonomie – Prof. Dr. Manuel Linsenmeier
Manuel Linsenmeiers Forschung beschäftigt sich mit den sozioökonomischen Auswirkungen des Klimawandels und der Anpassung an den Klimawandel im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung. Mithilfe von statistischen Methoden, ökonomischen Modellen, und interdisziplinären Datensätzen untersucht er, wie unsere Gesellschaft in Zeiten des Klimawandels resilient und nachhaltig gestaltet werden kann. Ein besonderes Augenmerk seiner Forschung liegt auf globalen Wechselbeziehungen und sozioökonomischen Ungleichheiten. Manuel Linsenmeier engagiert sich insbesondere auch im Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Politik und Praxis der Klimaanpassung. So hat er unter anderem an nationalen Klimarisikoanalysen in Deutschland und dem Vereinigten Königreich mitgewirkt und die Weltbank beraten. Forschungskooperationen bestehen unter anderem mit der Columbia University, der Princeton University, sowie dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung.

Kritische Daten- und Überwachungsstudien – Prof. Dr. Azadeh Akbari
Azadeh Akbari ist Professorin für Kritische Daten- und Überwachungsstudien am Center for Critical Computational Studies (C³S). Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen unter anderem die Geopolitik der digitalen Transformation, der digitale Autoritarismus, Datengerechtigkeit sowie IKT für Entwicklung. Azadeh Akbari ist Direktorin des Surveillance Studies Network und Gründerin und Direktorin des Surveillance in the Majority World Research Network. Sie ist Mitherausgeberin der Zeitschriften Surveillance & Society und Information Technology for Development. Azadeh Akbari war zuvor Fellow im EU-Marie-Skłodowska-Curie-Global-Actions-Programm mit einem Projekt zu autoritären Smart Cities. Sie tritt häufig in internationalen Medien auf und berät politische Entscheidungsträger und die Zivilgesellschaft zu Fragen der Überwachung und digitalen Unterdrückung.
Erziehungswissenschaftliche Theorien und Praktiken von CCL - Prof. Dr. Dan Verständig
Ab Oktober 2025 verstärkt Dan Verständig das C³S als Professor für Erziehungswissenschaftliche Theorien und Praktiken von Critical Computational Literacy. Er forscht zu Lern- und Bildungsprozessen im Horizont der Digitalität mit besonderem Fokus auf soziale Ungleichheit, gesellschaftliche Teilhabe sowie auf kreative und kritische Zugänge zu digitalen Technologien, um Coding Literacy und Data Literacy zu fördern. Dabei setzt er auch auf experimentelle Formate wie interaktive Installationen, datenbasierte Kunstprojekte oder spielerische Ansätze, um digitale Infrastrukturen sichtbar zu machen und ihre gesellschaftliche Bedeutung zu reflektieren. In der Lehre verbindet er erziehungs-, kultur- und medienwissenschaftliche Perspektiven mit Informatik und legt den Schwerpunkt auf eine interdisziplinäre und kritisch-kreative Auseinandersetzung mit digitalen Technologien. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit verfügt er über langjährige Berufserfahrung als Web- und Backend-Entwickler.

Normative Verfassung des Komputationalen - Prof. Dr. Sabine Müller-Mall
Die Rechtsphilosophin Sabine Müller-Mall beschäftigt sich in ihrer Forschung mit Grundlagenproblemen von Recht und Verfassung: Was heißt es, ein rechtliches Urteil zu fällen? Wie kommen Rechtsnormen in die Welt? Wie können Verfassungen Ordnungen gleichzeitig stabilisieren und transformieren, wie können sie mit fundamentalen Veränderungen umgehen? An der Schnittstelle von Öffentlichem Recht, Philosophie und Politischer Theorie bildet dabei der flächendeckende Einsatz komputationaler Techniken in Gesellschaften ein Querschnittsthema ihrer Arbeit. Denn der Einsatz komputationaler Techniken verändert die Bedingungen von Recht und Verfassung so weitgehend, dass dies Auswirkungen auf ihre Grundlagen hat – auf Annahmen, Konzepte und Praktiken. Sabine Müller-Mall untersucht solche Auswirkungen des Komputationalen auf Recht und Verfassung entsprechend als grundlegende Fragen des Rechts. Beispielsweise forscht sie zur Entstehung und Dynamik von Normativität entlang ihrer medientechnischen Bedingungen, zur Form der Rechtsprechung in ihrem sich verändernden Verhältnis zu komputationaler Entscheidungsfindung oder zu politischen Dimensionen komputationaler Techniken.

Über das Center for Critical Computational Studies (C³S) an der Goethe-Universität Frankfurt
Das C3S verbindet in seinem Forschungsprofil zwei zentrale Schwerpunkte: Zum einen werden computergestützte Methoden kritisch reflektiert, methodisch weiterentwickelt und ethisch hinterfragt. Forschungsteams beschäftigen sich dabei beispielsweise mit kritischer Datenwissenschaft, Ethik der Datenverarbeitung, Wissenschafts- und Technologiestudien sowie mit philosophischen und historischen Perspektiven auf Computertechnologien. Ein besonderer Fokus liegt außerdem auf fortgeschrittenen Simulationsmethoden und der Erforschung komplexer Vorhersagen in den Lebens- und Sozialwissenschaften, einschließlich innovativer Ansätze zwischen klassischer Netzwerkanalyse und Deep Learning. Zum anderen nutzt das C³S computergestützte Modelle, um planetare Transformationen besser zu verstehen, insbesondere im Kontext der Klimaerwärmung und Biodiversitätskrise. Dabei werden komplexe Zusammenhänge zwischen Geophysik, Ökosystemen und Gesellschaft analysiert, kritische Lösungsansätze entwickelt und sogenannte Kippelemente im Erdsystem untersucht, um das Zusammenspiel gesellschaftlicher und ökologischer Veränderungen modellhaft zu erfassen. Durch diesen integrativen Ansatz möchte das C³S sowohl methodische Innovationen als auch gesellschaftlich relevante Erkenntnisse zu den Wechselwirkungen von Digitalität, Demokratie und planetarer Transformation liefern. Bereits im April dieses Jahres wurde der Klimaforscher Prof. Dr. Nico Wunderling an das C3S berufen. Seine Forschung konzentriert sich auf die Dynamik von interagierenden Kippelemente im Erdsystem, insbesondere im Kontext globaler Erwärmung.

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