(openPR) - Passende Arbeitskräfte in Zukunft Engpass auf allen Ebenen
- Demographie, globaler Wettbewerb und Bologna-Prozess sind Auslöser
- Unternehmen müssen professioneller auswählen und mehr weiterbilden
- Arbeitsmarkt wird Frauen, Ältere und Migranten stärker nachfragen
Es klingt paradox: Trotz 4 Millionen Arbeitsloser zeichnet sich für die Zukunft am deutschen Arbeitsmarkt ein dramatischer Mangel an Fachkräften aller Ebenen ab. Auf diese Entwicklung wiesen Prof. Karl Westhoff, Personalexperte von der TU Dresden sowie die internationale Personalberatung Mercuri Urval bei einem Fachgespräch in Düsseldorf hin. Die demografische Entwicklung, der zunehmende globale Wettbewerb sowie die Veränderungen im deutschen Ausbildungssystem sind die wesentlichen Ursachen dieser Entwicklung, die die nächsten zwei Jahrzehnten bestimmen wird.
Nur durch eine zielgenauere Auswahl bei Besetzungen und mit einem deutlich gesteigerten Aufwand bei der Personalentwicklung ließe sich diese Schieflage im internationalen Wettbewerb ausgleichen, weiß Mercuri Urval-Geschäftsführer Dr. Albert Nußbaum aus der täglichen Praxis zu berichten. Auch Prof. Karl Westhoff von der TU Dresden sieht viele deutsche Unternehmen im Rückstand: „International stehen wir nur auf einem Mittelfeldplatz, was professionelle Personalauswahl angeht“. Einer britischen Studie aus dem Jahr 2004 zufolge rangiert Deutschland bei der Verwendung von Eignungstests auf Position 12 in Europa, gleichauf mit der Türkei und weit abgeschlagen hinter den skandinavischen und westlichen Industrienationen. Deutsche Unternehmen stellten zwar umfassende Anforderungen bei ihren Stellenausschreibungen. In der Praxis ließen sich diese dann aber kaum erfüllen, ein orientierungsloses Improvisieren sei die Folge. Parallel würden Weiterbildung und Talententwicklung vernachlässigt. Bereits heute entsteht in der deutschen Wirtschaft Verluste durch Know-How-Fluktuation, Demotivation und Fehlbesetzungen von mehr als 50 Milliarden Euro jährlich. Eine Verschwendung, die sich in Zukunft immer weniger Unternehmen leisten können. Statt der „eierlegenden Wollmilchsau als Wunschkandidat“, so Prof. Westhoff, sollten Unternehmen verstärkt auf abgestimmte Personalkonzepte unter Einbeziehung und Entwicklung zukünftiger Leistungspotentiale der Mitarbeiter setzen.
Wesentliche Ursache für die Zuspitzung am Personalmarkt sei die demografische Entwicklung.
Durch den globalen Wettbewerb halte zudem eine stetig steigende Mobilität der Leistungsträger Einzug. Die lange Zeit von Unternehmensseite propagierte Anforderung an Flexibilität werde sich in Zukunft gegen die Unternehmen verkehren. Gute Mitarbeiter würden aufgrund reizvoller Angebote und besserer Perspektiven häufiger wechseln.
Beim Nachwuchs im hoch qualifizierten Bereich wirke sich darüber hinaus verschärfend die Umstellung auf Bachelor- und Masterabschlüsse im Rahmen des so genannten Bologna-Prozesses aus. Ein ungleichmäßig verlaufender Trend zu den am Arbeitsmarkt schneller verwertbaren Bachelor-Absolventen entziehe dem akademisch-wissenschaftlichen Umfeld den Nachwuchs. Dies werde zu weiteren Engpässen im Bereich der spezifischer qualifizierten Profile führen. „Der Bachelor bedeutet Employability, das ist aber nicht gleichbedeutend mit höchst professioneller Kompetenz“, kritisiert Prof. Westhoff.
Kurzfristig profitieren von der Entwicklung werden nach Ansicht von Personalexperte Dr. Albert Nußbaum Frauen, Ältere und Migranten. „Die Unternehmen müssen sich an diese Vorstellung zwar noch gewöhnen und intern eine Umorientierung vornehmen. Durch den faktischen Druck wird dies jedoch schon bald als Notwendigkeit akzeptiert werden“, so Nußbaum.









