(openPR) Hamburg. Mit grosser Betroffenheit muessen wir Ihnen mitteilen, dass gestern in Istanbul der armenische Journalist Hrant Dink erschossen worden ist.
Hrant Dink, tuerkischer Staatsbuerger, war der Chefredakteur der in Istanbul erscheinenden armenischen Zeitschrift Agos . Er hat sich fuer die armenische Minderheit in der Tuerkei genauso eingesetzt wie fuer die Aufarbeitung der historischen Geschehnisse des Jahres 1915 und ihre begriffliche Einordnung.
Tausende Menschen haben gestern in Ankara und Istanbul gegen die Ermordung des bekannten türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink protestiert. Dink war am Eingang seiner Redaktion in Istanbul erschossen worden. Er war einer der prominentesten Vertreter der armenischen Minderheit in der Türkei. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte die türkischen Behörden. Sie hätten eine Atmosphäre geschaffen, in der "gewalttätige Angriffe stattfinden können".
Mehrere tausend Menschen hatten am Freitagabend in Istanbul gegen den Mordanschlag demonstriert. «Wir alle sind Hrant Dink», lautete der Hauptslogan. Auch am Samstag fanden sich zahlreiche Menschen vor dem mit Blumen und Porträts des Ermordeten geschmückten Eingang der Zeitungsredaktion ein.
Die Frage, inwieweit es durch das Osmanische Reich zu einer Vertreibung und Ermordung von Armeniern gekommen ist und ob diese Ereignisse als Voelkermord zu bezeichnen sind, nicht nur nach wie strittig, sondern geradezu explosiv.
Hrant Dink hat in dieser Auseinandersetzung immer versucht, den Dialog zu fuehren und das friedliche Zusammenleben von Armeniern und Türken zu fördern.
Er wurde in der Tuerkei wegen Beleidigung des Tuerkentums (d.h. der Erwaehnung des Voelkermords an den Armeniern) strafrechtlich verfolgt und zu Haft verurteilt.
Als das franzoesische Parlament jedoch beschlossen hatte, die Leugnung des Voelkermords an den Armeniern unter Strafe zu stellen, kuendigte er an, bei Inkrafttreten des Gesetzes nach Frankreich zu fahren und den Voelkermord zu bestreiten. Hrant Dink wollte Gespraech, Austausch und Versoehnung, keine Geschichtsinterpretation per Gesetz.
Wir hatten Gelegenheit, Hrant Dink im Fruehjahr 2005 bei einer Veranstaltung, der Berliner Initiative europaeischer Tuerken (B.A.T.I.) als Redner und Diskussionspartner begruessen zu koennen. Wir haben einen intelligenten, versoehnlichen und warmherzigen Menschen kennen und schaetzen gelernt.
Der Mord an Hrant Dink zeigt, wie schwierig es ist, diese Debatte zu fuehren. Er macht aber auch deutlich, wie wichtig die Auseinandersetzung mit der Geschichte ist.
Wir werden das Andenken an Hrant Dink dadurch ehren, dass wir diesen Diskurs auch auf www.saydam.de weiterfuehren werden.











