Eines steht fest: Niemand hält wirklich gern eine Rede. Sei es vor Journalisten, auf der Betriebsversammlung oder bei der Eröffnung einer Messe – der Redner muss das Publikum in den Bann ziehen und gleichzeitig Souveränität ausstrahlen. Damit das funktioniert, sollten Sie ein paar Tipps, wie Sie eine gute Rede schreiben und halten, verinnerlichen.
Die Grundregel einer guten Rede – gut vorbereitet auf die Bühne gehen

Konrad Adenauer sagte einst: “Im Moment weiß ich nur, was ich denke. Ob ich das, was ich denke, auch sagen will, das weiß ich noch nicht.”
Aus diesem Zitat können wir bereits ableiten, wie unerlässlich eine gute Planung ist. Wer weiß, was er sagen will, wird am Ende seine Botschaften dem Publikum in vollem Umfang übermittelt haben.
Nicht nur informieren, sondern auch unterhalten. Das und die korrekte Planung einer Rede sind das ganze Geheimnis – und von jedem zu erlernen.
Doch auch hier gilt die altbekannte Devise: Übung macht den Meister! Je öfter Sie eine Rede vorbereiten und halten, desto sicherer und geübter werden Sie. Tief Luft holen und ran an die Vorbereitung.
Rede schreiben mit Checkliste für Ihre Vorlage
Klären Sie bei der Vorbereitung Ihrer Rede folgende Punkte:
- Was ist das Thema?
- Zu welchem Anlass soll die Rede gehalten werden?
- Gibt es Daten oder Statistiken darüber?
- Gibt es eventuell einen Bezug zu einem nahestehenden Feiertag oder Jubiläum?
- Zu welchem Zeitpunkt soll ich die Rede halten?
- Liegt der Termin vor einem Wochenende, wo die Zuhörer ungeduldig und mit den Gedanken bereits zuhause sind?
- Oder liegt die Rede am Wochenanfang bis zur Wochenmitte, wo die Zuhörer voller Elan sind?
- Dieser Zustand ist wichtig, denn darauf muss die Rede abgestimmt werden (kurz gehalten mit notwendigen Infos oder länger gehalten mit Hintergrundinformationen).
- Wie bringe ich die Rede rüber?
- Wie ist mein Erzählstil?
- Binde ich Anekdoten, Beispiele, Fakten oder Werte mit ein?
- Rede ich eher sachlich oder bringe ich ein wenig Humor in die Rede, um die Stimmung aufzulockern?
- Wende ich rhetorische Fragen an?
- Benutze ich eine Argumentationskette oder beginne ich mit einer Frage?
- Wo soll die Rede gehalten werden?
- Ist es eine große Halle, ein überschaubarer Konferenzraum, im Foyer oder sogar draußen?
- Wie sind die technischen Verhältnisse, ist genug technische Ausstattung da?
- Wo müssen Änderungen vorgenommen werden, um die optimale Akustik zu erreichen?
- Versteht mich auch die hintere Reihe?
- Welche Botschaft möchte ich vermitteln?
- Welches Ziel soll mit meiner Rede erreicht werden?
- Wer sind die Zuhörer?
- Wie viele werden es ungefähr sein?
- Aus welchen Branchen kommen sie, sind sie Angehörige unseres Unternehmens oder von Fremdfirmen, Interessenten, Kunden etc.?
- Was erwarten die Zuhörer von meiner Rede?
- Welchen Nutzen haben sie davon?
- Wie viel Zeit steht mir zur Verfügung?
- Soll ich Zeit für Publikumsfragen einplanen?
- Gibt es eventuell noch weitere Redner?
- Falls ja, in welcher Reihenfolge sind sie dran, wann ist mein Auftritt, wer kommt vor und wer nach mir?
- Kann ich eventuell auf das Thema des vorigen Redners anknüpfen, um in mein Thema einzusteigen oder eine Überleitung zum nächsten Redner einbauen?
- Gibt es einen Moderator, der mich vorstellt und beispielsweise die Publikumsfragen moderiert?
Aufbau einer Rede

- Einleitung,
- Hauptteil
- und Schluss.
Beim Schrieben Ihrer Rede notieren Sie sich für den Anfang, den Hauptteil und den Schluss, die Botschaften, die Ihnen am wichtigsten sind und die Reihenfolge der weiteren Informationen.
Planen Sie auch potenzielle Fragen der Zuhörer mit ein, damit sie befriedigt aus der Rede herausgehen und keine Fragen offenbleiben.
Nachdem Sie Ihre Rede geschrieben haben, gehen Sie den Text nochmal in Ruhe durch und überlegen Sie, ob die Rede Ihnen persönlich als Zuhörer gefallen würde. Sie können auch gern ein Familienmitglied oder einen Freund bitten, die Rede zu lesen bzw. sich anzuhören. Daraus ergeben sich manchmal wertvolle Hinweise auf Verbesserungen oder kleine Änderungen im Ausdruck, der Reihenfolge oder der angewandten Stilmittel.
Aller Anfang ist schwer?
Nicht unbedingt. Aufrecht und locker stehen und das Lächeln nicht vergessen, denn das steht für den idealen Einstieg in die Rede.
Es gibt einen allgemeinen Spruch, der oft über den Einstieg in eine Rede gesagt wird: Du bekommst keine zweite Chance für den ersten Eindruck.
Oder, wie der US-amerikanische Filmproduzent Samuel Goldwyn sagte: “Beginne mit einem Erdbeben und steigere dich dann langsam.”
Am Anfang einer Rede ist es wichtig, die volle Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen.
Natürlich muss zunächst die Begrüßung der Gäste am Anfang stehen, aber möglichst kurz gehalten werden. Sie beginnen mit dem höchsten, wichtigsten Ehrengast, dann folgt “Meine Damen und Herren, liebe Gäste.”
Alle Ehrengäste müssen nicht aufgezählt werden, das würde auch zu lange dauern. Wenn Sie andere Ehrengäste ebenfalls erwähnen möchten, dann können Sie diese im weiteren Verlauf der Rede gern nennen. Ideal ist dessen Erwähnung im Rahmen einer Erfindung, besonderer Leistungen oder Verdienste. Dann können Sie die Rede an diesem Punkt ein wenig ausweiten und anschließend wieder zum Tagespunkt zurückkommen.
Ein guter Start ist das Schaffen eines Wir-Gefühls. Ein Beispiel dafür:
"Gerade eben wurde bekannt gegeben, dass die Position des Betriebsrates nicht länger vakant ist. Gewählt wurde Herr/ Frau… Das ist eine tolle Nachricht, wir dürfen nun wieder positiv in die Zukunft blicken."
Ein ebenfalls sehr gelungener Einstieg ist Humor. Beziehen Sie sich auf den Vorredner (aber natürlich nicht beleidigend), machen Sie einen Witz über das Wetter oder machen Sie einen Witz über die Vorbereitung der Rede.
Gut geeignet weiterhin sind die Einstiege mit einer direkten Frage an das Publikum, einem historischen Ereignis, das dem der Rede ähnelt, die Ankündigung, um was es in der Rede geht und eine Präsentation. Keine große, lediglich eine Art grafische Begleitung auf einem Flipchart oder Beamer. Dann prägen sich die Zuhörer das Gesagte noch besser ein und sind aufmerksamer.
Letztlich werden Sie erst am Ende der Rede wissen, ob sie erfolgreich war oder nicht: Am Applaus der Zuhörer, ihrem Zuspruch, eventuellen Meinungen und ihrem Bedauern, dass die Rede schon vorbei ist. Daher denken Sie bitte während der Rede an Ihre Zuhörer und Ihre Sprache.
Diese Tipps sollten Sie noch beachten

- Halten Sie Blickkontakt und achten Sie auf die Mimik Ihrer Gäste. Sind sie gelangweilt, mit voller Aufmerksamkeit dabei, blicken sie oft zur Seite oder ist der Blick Ihrer Zuhörer stets auf Sie gerichtet?
- Passen Sie Ihre Redeweise dem Publikum an, reagieren Sie mit kurzen lustigen Einlagen, Betonungen bestimmter Textpassagen oder kurzen Sprechpausen.
- Eine bildliche Sprache und die Verwendung von Gleichnissen oder kleinen Geschichten können eine angespannte Stimmung auflockern oder sie gar nicht erst aufkommen lassen.
- Beachten Sie, dass eine Rede möglichst frei gesprochen wird und keine geschriebene Sprache ist.
- Selbstverständlich können Sie sich an Ihren Stichpunkten orientieren, das Augenmerk liegt auf dem Wort orientieren.
- Klare, verständliche Sätze, laut (für jeden verständlich) reden, knappe Hauptsätze, möglichst keine Schachtelsätze verwenden.
- Während einer Rede kann durchaus Kompetenz gewonnen werden, sie kann jedoch ganz schnell wieder verspielt werden. Nicht erwähnenswert ist die Tatsache, dass Sie sich mit dem Thema Ihrer Rede auskennen sollten. Denn nur so können Sie sich kompetent ausdrücken und Ihr Publikum wird Sie ernst nehmen.
- Verzichten Sie jedoch auf zu viele Fremdwörter. Es mögen gebildete Zuhörer vor Ihnen sitzen, aber nicht jeder wird jeden Fachbegriff verstehen. Wenn Fremdwörter für die Rede unerlässlich sind, dann sollten sie kurz erläutert werden.
- Auch wenn die Redezeit begrenzt ist, lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Ein gehetzter Redner macht Fehler, er spricht viel zu schnell und wird vom Publikum meist nicht richtig verstanden. Ihr Publikum braucht auch Zeit, um Ihr Gesagtes zu verarbeiten, denn es sind Informationen, die es zum ersten Mal hört.
- A propos hören: Zuhörer bleiben länger aufmerksam, wenn die Rede positiv formuliert ist. Das soll nicht bedeuten, dass eine Rede keine Kritikpunkte beinhalten darf. Aber benutzen Sie weniger starke negative Wörter. Beispiel: statt schlimm, besser: weniger gut oder statt “die Zeiten werden immer schlechter” besser: Wir stehen vor einigen Herausforderungen in der Zukunft.
- Auf die Körperhaltung achten: Stehen Sie gerade, aber nicht stocksteif. Das wirkt gekünstelt.
- Während einer Rede ist Bewegung gern gesehen. Nicht ständig auf einer Stelle stehenbleiben, gern einige Schritte nach links und rechts gehen, stets dem Publikum zugewandt, die Hände unterstützend mit in die Rede nehmen.
- Bleiben Sie ruhig, atmen Sie ruhig und lassen Sie sich durch nichts aus der Ruhe bringen.
Last but not least: Denken Sie stets dran, dass Sie das Publikum für eine bestimmte Zeit mit auf Ihre Reise nehmen möchten. Dann wird am – und vor allem DAS – Ende gut…
Viel Erfolg!