Die Technik des Podcastings ist nicht unbedingt neu. Schon in den 90er-Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte das „Geschichten erzählen“ mittels elektronischer Medien eine Hochsaison. Damals noch auf mehr oder minder komfortablen, tragbaren Geräten. Die modernen davon konnte man mit dem PC synchronisieren und sich damit mit den neuesten Episoden versorgen. In den letzten Jahren erlebten Podcasts, nicht zuletzt dank der Verfügbarkeit des Internets, eine Renaissance. Die Technik scheint sich als unverzichtbarer Helfer zum Lernen, zur Kompetenzvermittlung und als Corporate Podcast für Marketing und PR entwickelt zu haben.
Was ist ein Podcast? – Definition und Bedeutung

Die Vorteile vom Podcasts:
- zeitlich und örtlich unabhängige Konsumation
- Erstellung individueller Sendepläne
- personalisiertes Medienprogramm
Man denkt bei Podcast in erster Linie an Tonaufnahmen. Der Begriff hat sich eingebürgert, selbst wenn neben Ton auch Bild- und Videoelemente enthalten sind. Der ursprüngliche Begriff für Videos „Vcast“ findet kaum mehr Verwendung.
Laut Umfragen weisen die Beliebtheitskurven von Audioformaten einen steilen Trend nach oben auf. Seit 2016 sind die Hörerzahlen um 8% gestiegen. Diese Entwicklung haben auch die Marketingexperten der Unternehmen erkannt und versuchen damit neue Zielgruppen zu erreichen oder bestehende zu halten.
Diesen Beitrag lieber hören statt lesen? Einfach klicken und openPR-Kanal abonnieren!
Was ist ein Corporate Podcast?
Bei dieser Menge an positiven Effekten wundert es nicht, dass sich Podcasts von der privaten „on-demand“-Kultur zu einem brandheißen Medium für Marketing und PR etabliert haben. Corporate Podcasts sind aus der Unternehmenskommunikation kaum mehr wegzudenken.
Was macht Corporate Podcasts so wertvoll?
- Es gibt keine festen Sendezeiten, das „Geschäft“ ist rund um die Uhr geöffnet.
- Ein Podcast besteht aus einer Reihe von Episoden, die sich auf Produkte / Leistungen beziehen.
- Es besteht die Möglichkeit von meist kostenlosen Abos.
- Als tragende Strategie ist „Story-Telling“ bestens geeignet, das Unternehmen von einer anderen Seite zu zeigen. Weniger als Institution, vielmehr mit einem Blick hinter die Kulissen, mit der Möglichkeit des direkten Austausches mit Experten.
Best Practices - Beispiele von Corporate Podcasts von Unternehmen
- Expertenliga – So arbeitet die Zukunft nicht
- Postbank
- Hornbach
- Microsoft Deutschland
- Audi – die Zukunft ist elektrisch
Vor der Entwicklung eines Unternehmens-Podcasts stehen die Gedanken zu Branchenwissen, Unternehmenskultur, Standpunkte, Expertenmeinungen. Welche Themen sind es, die die Abonnenten hören möchten, mit denen sie zu unterhalten sind, die einen Mehrwert liefern, die den Zeitaufwand des Hörens kompensieren?
Insgesamt dann auch eine gute Übung, um intern einen Blick auf das Unternehmen zu werfen und neue / alte Motivationsfaktoren zu erkennen. Diese Vorfragen sollten geklärt sein:
- Wer ist die Zielgruppe, die es zu erreichen gilt. Welche Zielmärkte sind mit einem Corporate Podcast besonders gut anzusprechen?
- Welche Themen liefern ein hohes Ranking? Sind es Trends in der Branche, interne oder externe Entwicklungen, Ratgeber, Expertenwissen?
- Welcher Stil passt zum Unternehmen? Wie wird die Tonalität sein, welche Sprecher / Sprecherinnen klingen authentisch, sind stimmig zur Zielgruppe?
- Soll es ein Monolog, ein Dialog, ein Interview sein? Oder ist ein Wechsel besser? Welche Interviewpartner könnten am besten zum Gelingen beitragen? Wie professionell ist der Moderator?
- In welchen Abständen ist die Veröffentlichung der Episoden geplant? Wöchentlich, monatlich, …?
- Wie erfahren die Abonnenten vom Erscheinen einer neuen Episode? Gibt es einen abgestimmten Redaktionsplan, den alle am Projekt Beteiligten kennen, aus dem Termine und Aufgaben hervorgehen?
- Wie konkret erfolgt die Messung der Wirkung? Sind die wichtigsten Keypoints definiert? Sind Zeiten und Maßnahmen als tragende Säulen der Strategie erarbeitet?
Der Fokus liegt auf dem Hörerlebnis. Sogenannte „Lean-Back-Formate“ ermöglichen es, dass User entspannt zuhören und damit das Interesse über eine Episode hinaus nicht verlieren. Man muss sich im Klaren sein, dass die Produktion eines Corporate Podcasts eine zeitliche und personelle Herausforderung ist.
Nutzen für Marketing & PR
Der Vorteil eines Corporate Podcast liegt unter anderem darin, dass 82% der Hörer, vom Sprecher platzierte Werbung (Host-Read-Ad) als nicht störend empfinden. Ebenso wenig wie „Monetarisierung“, wenn mit Maß und Ziel publiziert. Schließlich ist allen bewusst, dass die Produktion mit Kosten verbunden ist und die „Bezahlung“ des Kunden dadurch besteht, die geschaltete Werbung zu akzeptieren; vor allem in Hinblick darauf, dass das Angebot in aller Regel kostenfrei ist. Damit etablieren sich Podcasts als eine spannende Werbeform, die die Spitze ihrer Wirkkurve noch lange nicht erreicht hat. Experten sprechen davon, dass sich der Werbeumsatz von Podcasts bis 2022 verdoppelt.
|
Vorteile |
Nachteile |
|
Steigende Aufmerksamkeit und Beliebtheit |
Erheblicher Produktionsaufwand (personell, finanziell, zeitlich) |
|
Große Reichweite (Zielgruppen, Markt) |
Findung spannender Themen muss permanent laufen |
|
Refinanzierung durch Produktplacement |
SprecherInnen sind auszubilden, Moderatoren zu befähigen |
|
Podcast sind jederzeit offline / online zu hören |
Unterschiedliche Zielgruppen – differente Formate (Ethnien, Alter, …) |
|
MitarbeiterInnen wachsen in die Rolle als „Unternehmensbotschafter“ (Corporate Influencer) |
|
Ein PR-Podcast kann eine durchaus sinn- und wertvolle Ergänzung der Unternehmenskommunikation sein. In benutzerfreundlicher Art und Weise vermitteln Tondokumente die Visionen, Strategien, Wissen und penetrieren den Markt mit der Botschaft des Unternehmens. Die Zielgruppen erfahren, jenseits der klassischen Marketing- und Werbeinstrumente, viel über Einstellungen und Haltung. Die Herausforderung für Entwickler ist, dass Abonnenten den Kanal einfach abbestellen können, das Hören einstellen. Sie unterliegen nicht der „Zwangsberieselung“ durch die klassischen Medien und es bedarf schon besonderer Anstrengungen sie bei „Stange zu halten“.
Gängige Formate von Corporate Podcasts in der Unternehmenskommunikation

Diese Podcast-Formate sind gebräuchlich:
1. Interview-Podcast: Der Moderator (Host) interviewt einen Gast zu nachgefragten Themen. Abhängig vom Grundthema handelt es sich dabei um fachliche, wirtschaftliche, soziale, persönliche Angelegenheiten, untermauert durch eigene Erfahrungen. Er eignet sich bestens, um Experten zu Wort kommen zu lassen und interessante Menschen, deren An- und Einsichten zu präsentieren.
2. Solopodcast: Das Format für Experten und Alleinunterhalter; für Menschen, die viel zu erzählen haben und das auch gerne tun. Ideal zum Teilen von Wissen und Erfahrungen in Form eines Monologs. Die Herausforderung ist es zum Weiterhören zu motivieren, vor allem, wenn es sich um längere Episoden handelt.
3. Co-Host-Podcast: Bei diesem Format gestalten meist zwei Moderatoren die Episode, oft auch mit unterschiedlichen Rollen und Charakteren. Zum Beispiel könnten sich zwei Experten aus der Finanzbranche über unterschiedliche Möglichkeiten der Veranlagung unterhalten und so den Zuhörern einen wichtigen Mehrwert liefern.
4. Story-Telling-Podcast: Mit ziemlicher Sicherheit ist das ohnehin die Grundform des Mediums. Spannend oder locker, dokumentierend oder lehrend gestaltet, sind es die Geschichten, die „das Leben schrieb“ und die Zuhöre gerade deswegen faszinieren. Sehr beliebt sind „True-Crime-Podcasts“, die sich mit Verbrechen aller Art auseinandersetzen.
5. Fiction Podcast: Der optimale Weg für Autoren, ihre Geschichten an den Mann zu bringen. Die Anzahl der Hörbuch-Liebhaber ist im Steigen begriffen. Die beste Wirkung erzielt so ein Podcast, wenn er wie ein Theaterstück inszeniert ist. Untermalung mit Stimmen, Sounds, Musik sind besonders gefragt. Die Episoden erinnern an die guten alten Hörspiele aus den 60er-Jahren des vorigen Jahrtausends. In der Produktion sind sie allerdings viel aufwändiger als „normale“ Podcasts.
6. Wissens- oder Bildungspodcast: Das ideale Format, um zu lernen. Jede Episode kann unter einem eigenen Thema stehen, Zuhörer haben damit die Möglichkeit sich eigene Lehrpläne zu konfigurieren und aus einer Vielfalt zu wählen. Vielfach sind dies Podcasts mit visuellen Zusatzfunktionen (Videos, Shownotes, Downloads …) angereichert, um die Wissensvermittlung visuell zu unterstützen.
7. Nachrichten-Podcast: In diesem Format geht es um Fakten. In aller Regel sind es Produktionen von Rundfunk- oder Fernsehanstalten, um über gesellschaftliche und politische Entwicklungen zu berichten.
8. Panel-Diskussion: Vergleichbar mit einer Podiumsdiskussion und spannend, wenn sich die Teilnehmer nicht immer einig in der Sache sind. Leitung und Moderation durch den Host.
Grundsätzlich sind den Formaten keine Grenzen gesetzt. Vielfach handelt es sich bei den Produktionen um Mischformen, je nachdem in welchem Kontext sich der Inhalt einordnet.
Podcast erstellen / aufnehmen – Anleitung und Tipps
Die Technik macht es einfach, ein eigener Podcast ist schnell gemacht. Doch vorher sind einige Hausaufgaben zu erledigen. Das beginnt mit den Überlegungen zum Thema, geht bis zum Schreiben eines Skripts, eines Ablaufplans und endet in einem ersten Schritt mit der Zusammenstellung und Abfolge der Episoden. Im nächsten Schritt gilt es einen Hosting-Anbieter zu finden, um die neu erstellten Inhalte dort hochzuladen und schlussendlich sollten alle in der großen weiten Welt von Ihrem Werk erfahren. Marketing und Werbung gehören zu einem Podcast ebenso, wie zu jedem anderen Produkt oder Dienstleistung.
6 Schritte, um einen eigenen Podcast zu erstellen

- Hard- und Software wählen: Nahezu jeder moderne Computer verfügt über eine Kamera, eine Soundkarte mit Mikrofon und Lautsprechern. Selbst Tablets und Smartphones sind für die Aufnahme einer „Episode“ geeignet. Im Wesentlichen ist es der Qualitätsanspruch, der über Einsatz von Hard- und Software bestimmt.
- Aufnahme der Episode: Sie erfolgt mit „bordeigenen“ Mitteln (Windows, Mac) oder mit spezieller Software.
- Nach der Umwandlung in ein Format, welches wenig Bandbreite beansprucht (mp3, Video als mp4), hochladen der Datei nach den Vorgaben des Hosters (Podspace).
- Üblicherweise ist die Datei sofort öffentlich und kann von allen gehört / gesehen werden, die die Adresse kennen.
- Suchmaschinen-Marketing: Falls eine hohe Wiedergabe- /Downloadrate erwünscht ist, dann greifen nun die klassischen Techniken des Marketings im Internet.
- Lizenzierung: Die Datei steht nun der ganzen Welt zum Hören und Downloaden zur Verfügung. Sie unterliegt dem Schutz des Urheberrechts und es sollte ein Hinweis auf die Nutzungsrechte nicht fehlen. Vor allem im Hinblick darauf, dass sie nach dem Upload auch „Offline“ zur Verfügung steht.
Wenn Sie wollen, dass Ihr Podcast auch offline zur Verfügung steht, das heißt er wird auf das Endgerät des Users runtergeladen, dann ist das eine Sache des Hosting-Anbieters, der das zulassen muss. Es spricht einiges dafür:
- Wiedergabe kann zeitversetzt erfolgen, eine Internet-Verbindung ist nicht erforderlich. Sehr praktisch beim Sport, in öffentlichen Verkehrsmitteln, am Arbeitsplatz, etc.
- Möglichkeit der Archivierung
- Zusammenstellung personalisierter Medienangebote.
Podcast Hosting Anbieter und Verzeichnisse
Die Anzahl der Anbieter von Hosting-Plattformen ist ebenso im Steigen begriffen, wie die Anzahl jener, die das Format konsumieren. Die Fragen vor einer Entscheidung sind:
- Verbreitung (regional, national, international)
- Bezahlmodell oder freie Plattform
- Veröffentlichung auf mehreren Kanälen
Grundsätzlich ist die Speicherung von Episoden (mp3-Files) auf jedem Webserver möglich. Damit ist aus dem Internet jederzeit darauf zuzugreifen, vorausgesetzt die Adresse ist bekannt. Das Management, die Werbung, die Sicherheit liegt dann allein beim Produzenten. Deshalb ist die Wahl eines professionellen Hosters eine gute Entscheidung, auch wenn damit Investitionen verbunden sind.
Zu den bekanntesten Hosting Anbietern für Podcast zählen:
- Buzzsprout
- Captivate
- Libsyn
- PodBean
- Simplecast
- Soundcloud
- Soundwise
Weitere Anbieter:
- Audioboom
- Blubrry
- Castos
- Megaphone
- Podcaster
- Podigee
- RedCircle
- Spreaker
- Transistor
Zusätzlich zu den Podcast-Hosting-Anbietern gibt es eine große Anzahl an Plattformen bzw. Podcast-Verzeichnissen, bei denen Podcasts eingereicht werden können, damit sie leichter gefunden werden.
Zu den bekanntesten und größten Podcast-Verzeichnissen zählen:
- Amazon Music
- Apple Podcasts / ITunes
- Blubrry
- Deezer
- Google Podcasts
- Podcast.de
- Spotify
- Spreaker
- Stitcher
- Tuneln