openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Forschung zu Sozialverhalten und Gesundheit

20.11.201711:01 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Forschung zu Sozialverhalten und Gesundheit
Eine Gruppe von Larven-Sifakas (Propithecus verrauxi) in Madagaskar auf Futtersuche. (Foto: Claudia Fichtel)
Eine Gruppe von Larven-Sifakas (Propithecus verrauxi) in Madagaskar auf Futtersuche. (Foto: Claudia Fichtel)

(openPR) DFG verlängert Förderung der Forschungsgruppe „Sozialität und Gesundheit bei Primaten“ mit rund 2,5 Millionen Euro

---
Wie beeinflusst das Sozialverhalten die Gesundheit? Dieser Frage widmet sich die seit 2014 bestehende DFG-geförderte Forschungsgruppe „Sozialität und Gesundheit bei Primaten“, an der Wissenschaftler des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) – Leibniz-Institut für Primatenforschung maßgeblich beteiligt sind. Verhaltensforscher, Tiermediziner und Molekularbiologen aus Göttingen, Berlin und Leipzig untersuchen an wildlebenden Lemuren, Makaken und Schimpansen, wie sozialer Stress, Freundschaften oder andere Aspekte des Gruppenlebens deren Gesundheit und Anfälligkeit gegenüber Krankheitserregern beeinflussen. Initiator und Sprecher der Forschungsgruppe ist Peter Kappeler, Leiter der Abteilung Verhaltensökologie und Soziobiologie am DPZ. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt nun erneut für weitere drei Jahre mit insgesamt rund 2,5 Millionen Euro.

Primaten sind sehr soziale Tiere. Sie haben im Laufe ihrer Evolution unterschiedliche Arten des Zusammenlebens entwickelt. Neben Paarbindungen existieren Haremsgruppen, gemischte Männchen- und Weibchen-Gruppen sowie Familienstrukturen. Die verschiedenen Arten des Gruppenlebens haben Vorteile für die einzelnen Individuen, dazu gehört effizienterer Nahrungserwerb, Schutz vor Raubtieren, besserer Zugang zu Sexualpartnern und Unterstützung bei der Jungenaufzucht. Das Zusammenleben bringt aber auch Nachteile mit sich, wie zum Beispiel sozialer Stress, Nahrungskonkurrenz und das erhöhte Risiko der Übertragung von Krankheitserregern und Parasiten. Sowohl die positiven als auch die negativen Aspekte des Gruppenlebens beeinflussen die Gesundheit und den Fortpflanzungserfolg der Individuen. Die physiologischen Mechanismen, die diese Effekte vermitteln, sind jedoch bislang kaum erforscht.

„Innerhalb der Forschungsgruppe wollen wir untersuchen, welche Auswirkungen soziale Variablen wie Gruppengröße, Dominanzrang, Kooperationen oder Paarungsstrategien auf die Gesundheit haben“, sagt Verhaltensforscher Peter Kappeler. „Dazu untersuchen wir verschiedene Indikatoren, wie Stresshormone, Parasitenbefall oder die Zusammensetzung der Darmflora und setzen diese in Bezug zu den sozialen Faktoren.“ In dem interdisziplinären Projekt arbeiten Verhaltensökologen, Tiermediziner und Molekularbiologen zusammen. „Die enge und vielschichtige Kooperation ermöglicht es uns, die Fragestellungen nicht nur an einer Primatenart, sondern an Lemuren, Makaken und Menschenaffen vergleichend zu untersuchen“, sagt Peter Kappeler. „Ein weiterer Vorteil ist die Zusammenarbeit mit den Infektions- und Mikrobiologen. Das erlaubt uns, potentielle Krankheitserreger und symbiontische Bakteriengemeinschaften in verschiedenen Primatenarten genau zu charakterisieren und die damit einhergehenden physiologischen Reaktionen zu vergleichen.“

Fünf der insgesamt sieben Forschungsprojekte sind am DPZ angesiedelt oder werden mit DPZ-Beteiligung bearbeitet. Neben Peter Kappeler sind Claudia Fichtel, Abteilung Verhaltensökologie und Soziobiologie, Christian Roos, Abteilung Primatengenetik, sowie Julia Ostner und Oliver Schülke, Forschungsgruppe Soziale Evolution der Primaten, beteiligt. „Innerhalb unserer fünf Projekte konzentrieren wir uns zum einen auf variable Gruppengrößen bei Larven-Sifakas (Propithecus verrauxi) in Madagaskar, da diese einen Einfluss auf Raumnutzung, Fressverhalten, Parasiten- und Stressbelastung haben“, sagt Peter Kappeler. „Daraus ergeben sich langfristig Konsequenzen für den Fortpflanzungserfolg der Tiere. Zum anderen wollen wir an Rotstirnmakis (Eulemur rufifrons) untersuchen, wie verschiedene Faktoren wie Alter, Verwandtschaftsgrad, Nahrung, soziale Interaktionen, physiologischer Stress und Parasitenbefall die Zusammensetzung der Darmflora beeinflussen. Diese hat einen entscheidenden Einfluss auf das Immunsystem der Tiere und damit auf ihre Gesundheit.“ Im dritten Teilprojekt sollen Vielfalt und Struktur von Parasiten und Darmmikroorganismen in 20 Primatenarten mit unterschiedlichen Sozialsystemen charakterisiert werden. Damit erhoffen sich die Forscher neue Erkenntnisse über die langfristigen Auswirkungen von Sozialität auf das Verhältnis verschiedener Darmbakterien aus einer evolutionären Perspektive. In zwei weiteren Projekten untersuchen die Wissenschaftler die Auswirkungen von Alterungsprozessen und vorgeburtlichem Stress auf Sozialverhalten und Gesundheit bei Assam-Makaken (Macaca assamensis) in Thailand.

Neben dem DPZ sind die Universität Göttingen, das Robert-Koch-Institut in Berlin und das Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig an der DFG-Forschungsgruppe beteiligt. Weitere Teilprojekte beschäftigen sich mit dem Einfluss von Gruppengrößen auf die Zusammensetzung von Krankheitserregern und anderen Bakterien sowie Untersuchungen zu sozialen Stressbewältigungsstrategien und Stresshormonkonzentrationen bei wildlebenden Schimpansen (Pan troglodytes).

Kontakt und Hinweise für Redaktionen

Prof. Dr. Peter Kappeler
Tel.: +49 551 3851-284
E-Mail: E-Mail

Dr. Sylvia Siersleben (Kommunikation)
Tel.: +49 551 3851-163
E-Mail: E-Mail

Druckfähige Bilder sowie Bildunterschriften finden Sie in unserer Mediathek. Die Pressemitteilung mit weiterführenden Informationen finden Sie auch auf unserer Website. Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg.

Die Deutsches Primatenzentrum GmbH (DPZ) – Leibniz-Institut für Primatenforschung betreibt biologische und biomedizinische Forschung über und mit Primaten auf den Gebieten der Infektionsforschung, der Neurowissenschaften und der Primatenbiologie. Das DPZ unterhält außerdem vier Freilandstationen in den Tropen und ist Referenz- und Servicezentrum für alle Belange der Primatenforschung. Das DPZ ist eine der 91 Forschungs- und Infrastruktureinrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft.

Weitere Informationen:
- http://medien.dpz.eu/webgate/keyword.html?currentContainerId=4121 - Druckfähige Bilder aus der DPZ-Mediathek
- http://www.dpz.eu/de/aktuelles/neuigkeiten.html - Pressemitteilung auf der DPZ-Website

Quelle: idw

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 980921
 444

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Forschung zu Sozialverhalten und Gesundheit“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Deutsches Primatenzentrum GmbH - Leibniz-Institut für Primatenforschung

Bild: Göttinger Freilandtage: Was macht soziale Komplexität aus?Bild: Göttinger Freilandtage: Was macht soziale Komplexität aus?
Göttinger Freilandtage: Was macht soziale Komplexität aus?
Führende Biologen diskutieren im Deutschen Primatenzentrum über die Vielschichtigkeit sozialer Gruppen und wie diese entstanden ist --- Ob Fischschwarm, Bienenstaat oder das Gruppenleben vieler Primaten - Tiere leben in unterschiedlichen sozialen Systemen zusammen, die mehr oder weniger komplex aufgebaut sind. Welche Faktoren diese Komplexität bestimmen und wie man diese über alle Tierarten hinweg einheitlich erfassen kann, ist selbst unter Experten noch nicht eindeutig geklärt. Was ist soziale Komplexität und wodurch zeichnen sich vielschic…
Bild: Mütterlicher Stress wirkt sich unterschiedlich auf das Wachstum der Nachkommen ausBild: Mütterlicher Stress wirkt sich unterschiedlich auf das Wachstum der Nachkommen aus
Mütterlicher Stress wirkt sich unterschiedlich auf das Wachstum der Nachkommen aus
SPERRFRIST: 27. November 2017, 21:00 MEZ (3:00 p.m. US EST) Zwei gegenläufige Prozesse steuern, wie Schwangerschaftsstress den Nachwuchs beeinflusst --- Welchen Einfluss Stress in der Schwangerschaft auf den ungeborenen Nachwuchs hat, wurde in zahlreichen Studien an verschiedenen Säugetierarten untersucht – jedoch mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Mal führte der Stress zu einer schnelleren, mal zu einer verlangsamten Entwicklung der Nachkommen, oft hatte er auch gar keine Auswirkungen. Forscher vom Deutschen Primatenzentrum – Leibniz-…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Alarmierende Gewalt an Schulen: Pädagogiktag für gutes Sozialverhalten soll Trend stoppenBild: Alarmierende Gewalt an Schulen: Pädagogiktag für gutes Sozialverhalten soll Trend stoppen
Alarmierende Gewalt an Schulen: Pädagogiktag für gutes Sozialverhalten soll Trend stoppen
PRESSEMITTEILUNGAlarmierende Gewalt an Schulen: Neues Werte-Programm will Trend stoppenBildungsprojekt „sobe5“ fordert: Pädagogiktag für gutes Sozialverhalten jetzt in jeder Schule verankernNordborg / NRW – Eine aktuelle Studie des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen und der Universität Köln zeigt ein drastisches Bild: Gewalt und psychische Probleme …
Bild: Städte verändern tierisches SozialverhaltenBild: Städte verändern tierisches Sozialverhalten
Städte verändern tierisches Sozialverhalten
… 227 wissenschaftliche Studien aus. Das Ergebnis ist eindeutig: 92 Prozent der untersuchten Arbeiten zeigen einen signifikanten Einfluss der Urbanisierung auf das Sozialverhalten von Tieren. Die Studie ist die erste systematische Zusammenfassung dazu, wie urbane Lebensräume soziale Systeme über Artgrenzen hinweg beeinflussen.Städtisches Leben verändert …
Bild: Tai Chi macht Kinder (und Erwachsene) frohBild: Tai Chi macht Kinder (und Erwachsene) froh
Tai Chi macht Kinder (und Erwachsene) froh
Schon früh in Kleingruppen Sozialverhalten und Umgang mit Konfliktsituationen einüben - Körperbewusstsein entwickeln, Geschmeidigkeit und Gleichgewichtsempfinden fördern - Donnerstags freie Meditation für die Eltern Hamburg, 06.02.06 - Mit Freude und Spaß soll Kindern und Jugendlichen die Wertschätzung für sich und andere Menschen jetzt in Hamburg vermittelt …
Diskussion um "Kopfnoten" in Brandenburg neu entfacht
Diskussion um "Kopfnoten" in Brandenburg neu entfacht
… sich für Beibehaltung aus Erst im vorletzten Jahr eingeführt, stehen die sogenannten Kopfnoten schon wieder auf einem harten Prüfstand. Die Zensuren, die das Arbeits- und Sozialverhalten der Schüler bewerten, werden insbesondere aus Sicht einiger Schulleiter und Lehrer sehr kritisch beurteilt. Im Gegensatz dazu plädieren Vertreter der Praxis für das …
Umstrittene Affenversuche: Verwaltungsgericht Bremen hält weitere Schritte für erforderlich
Umstrittene Affenversuche: Verwaltungsgericht Bremen hält weitere Schritte für erforderlich
… Affenversuche schon aus ethischen Gründen nicht zu rechtfertigen. Affen verfügen über Schmerz- und Leidensfähigkeit hinaus auch über besondere Intelligenz, Selbstbewusstsein und ein komplexes Sozialverhalten. Zudem empfinden sie Gefühle wie Freude und Trauer und nehmen bei ihren Artgenossen mentale Zustände, Absichten und Erwartungen wahr (Theory of Mind). …
Sport und Spass für lauffreudige Hunde
Sport und Spass für lauffreudige Hunde
… der Großstädte und Ballungsräume immer stärker eingeschränkt. Das erschwert eine artgerechte Haltung dieser lauffreudigen Tiere und führt zu Beeinträchtigungen in der Gesundheit und dem Sozialverhalten unserer „vierbeinigen Freunde“. Die Hasenzugmaschine kann hier Ausgleich schaffen. Neben dem Einsatz für Hunde wird die Barsaja E2 z. B. auch für das …
Forschung für unsere Gesundheit: BMBF und WiD stellen das Wissenschaftsjahr 2011 vor
Forschung für unsere Gesundheit: BMBF und WiD stellen das Wissenschaftsjahr 2011 vor
Das Wissenschaftsjahr 2011 steht unter dem Thema „Forschung für unsere Gesundheit“. Vor allem junge Menschen, aber auch die breite Öffentlichkeit sollen dazu angeregt werden, sich im Dialog mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit den vielfältigen Forschungsaktivitäten rund um die Gesundheit auseinanderzusetzen. Das Bundes­ministerium für …
Bild: Kreissparkasse Köln spendet 1500 Euro für eine Segelfreizeit des CJD Berufsbildungswerkes FrechenBild: Kreissparkasse Köln spendet 1500 Euro für eine Segelfreizeit des CJD Berufsbildungswerkes Frechen
Kreissparkasse Köln spendet 1500 Euro für eine Segelfreizeit des CJD Berufsbildungswerkes Frechen
… „Trotz teilweise stürmischen Wetters, waren wir alle begeistert von der Tour“, sind sich alle Beteiligten einig. „Durch die Segelfreizeit wird Teamgeist und Sozialverhalten gefördert, die Persönlichkeitsentwicklung gestärkt und Körper und Geist trainiert“, erklärte Markus Besserer, Gesamtleiter CJD NRW Süd/ Rheinland bei einer symbolischen Übergabe …
Persönlichkeitsbildung an der Hochschule Augsburg – Neues Zertifikat „Soziale Kompetenzen“
Persönlichkeitsbildung an der Hochschule Augsburg – Neues Zertifikat „Soziale Kompetenzen“
… „Soziale Kompetenzen“ für den Berufsalltag zu qualifizieren. In den Feldern Kommunikation, Teamarbeit, Selbstmanagement und Konfliktlösung lernen die Teilnehmer der Zertifikatskurse, ihr eigenes Sozialverhalten zu stärken und sich selbst kritisch zu reflektieren. „Um sozial kompetent zu agieren, braucht man Wissen über Menschen, Prozesse und sich selbst. …
Bild: Deutscher Ärztinnenbund e.V. fordert: Keine Betreuung mehr für das BetreuungsgeldBild: Deutscher Ärztinnenbund e.V. fordert: Keine Betreuung mehr für das Betreuungsgeld
Deutscher Ärztinnenbund e.V. fordert: Keine Betreuung mehr für das Betreuungsgeld
… kommen zudem zu dem Schluss, dass vor allem Mädchen von der Betreuung in Kindertagesstätten profitieren, besonders im Hinblick auf motorische Fähigkeiten und Sozialverhalten. Dr. med. Regine Rapp-Engels, Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes: „Die Einführung des Betreuungsgelds muss erneut auf den Prüfstand gestellt werden. Der Deutsche Ärztinnenbund …
Sie lesen gerade: Forschung zu Sozialverhalten und Gesundheit