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Tagungsrückblick: Angst und Demenz

16.11.201710:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Tagungsrückblick: Angst und Demenz
Modell mit Playmobil. Info-Stand der Wohnberatung (UW/H)
Modell mit Playmobil. Info-Stand der Wohnberatung (UW/H)

(openPR) Ein Tiermediziner folgt der Spur von Demenz, eine Ergotherapeutin entschlüsselt körperliche Signale und ein Forscher fragt „Was hilft gegen Angst im Alter?“

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Angst ist ein Phänomen, das in der Pflege von Menschen mit Demenz allgegenwärtig ist. Auf der anderen Seite gibt es zu diesem Thema nur wenig Forschung. Viele Erkenntnisse zum Umgang mit Angst im Alter stammen aus der Psychologie; bei Demenz sind sie allerdings nicht immer hilfreich. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass der Geist bei einer Demenz wie Alzheimer stark abbaut und die Reflexionsfähigkeit – wie sie etwa bei einer Psychotherapie die Grundvoraussetzung bildet – nur noch sehr eingeschränkt bis gar nicht mehr funktioniert.



Damit zielen einzelne Maßnahmen, welche die Angst von Menschen mit Demenz in der Pflege reduzieren, vor allem auf emotionale und körperliche Dimensionen ab. Maßnahmen wie beispielsweise die Ergotherapie oder die Basale Stimulation – Aktivierung der Wahrnehmungsbereiche, Anregung primärer Körper- und Bewegungserfahrungen – auch um Angst besser bewältigen zu können.

Derartige Themen standen bei der Tagung „Angst und Demenz“, die am 8. November vom Dialog- und Transferzentrum Demenz (DZD) an der Universität Witten/Herdecke (UW/H) veranstaltet wurde, im Mittelpunkt. Mit ca. 200 Personen war die Veranstaltung bereits im Vorfeld ausverkauft – darunter neben professionellen Pflegekräften, Freiberuflern und Forschern auch Auszubildende und Studierende. Während der Schwerpunkt am Vormittag auf wissenschaftlichen Grundlagen lag, stand der Rest des Tages für den Brückenschlag in die Praxis zur Verfügung; wobei es auch einige Überraschungen im Programm gab.

Theoretische Grundlagen und ungewohnte Zusammenhänge

Bevor es aus wissenschaftlicher Perspektive am Vormittag um den Zusammenhang von Angst und Alter bzw. Angst und Demenz ging, sorgte eine Änderung des ursprünglichen Programms für eine erste Überraschung. Ein Gespräch mit Prof. Dr. Erich Grond – Gerontologe und Psychotherapeut mit den Schwerpunkten Altenpflege und Demenz – musste im Vorfeld aus Krankheitsgründen abgesagt werden. Dafür unterhielt sich Detlef Rüsing (Leiter des DZD) als Einstieg in den Fachtag mit Prof. Dr. Jan Ehlers, der in seiner Funktion als Vizepräsident der Universität Witten/Herdecke nicht nur die Grußworte sprach, sondern als Tiermediziner im Gespräch auch näher erläuterte, inwieweit Tiere wie Hunde von Demenz betroffen sein können, wie sich dabei ihre Angst äußert und welcher Zusammenhang zu uns Menschen besteht. Denn auch Hunde können im Alter Demenz bekommen, so Erkenntnisse aus der jüngsten Tierforschung. Und nicht selten verlieren sie dabei vermehrt die Orientierung, bellen und jaulen häufiger und können in der Nacht nicht mehr so gut schlafen, Verhaltensweisen, welche Pflegewissenschaftler als „herausfordernd“ bezeichnen.

Eine weitere Überraschung war sicherlich auch das musikalische Programm der UW/Harmonists – A-cappella mit Stücken von der Renaissance bis heute gab es auch Stücke dabei, die etwas mit Angst zu tun hatten.

Es folgten Vorträge von den beiden Pflegewissenschaftlern Christian Müller-Hergl und Georg Franken – beides Mitarbeiter am DZD. Während Müller-Hergl in seinem Vortrag „Angst im Alter“ zunächst danach fragte, welche spezifischen Ängste im Alter besonders stark ausgeprägt sind und was man dagegen unternehmen kann – etwa gegen die generalisierte Angststörung mit Hilfe einer kognitiven Verhaltenstherapie – ging es in dem Vortrag „Angst und Demenz“ von Franken insbesondere um den Zusammenhang mit Demenz und einzelne beforschte Maßnahmen im Umgang damit – etwa Fallbesprechungen.

Brückenschlag in die Praxis

Am Nachmittag stand vor allem die Praxis im Vordergrund. Detlef Rüsing eröffnete mit einem Überblick über verschiedene Pflegekonzepte, die im Alltag hilfreich sein können, etwa Validation nach Naomin Feil, Validation nach Richard oder der Personzentrierte Ansatz von Tom Kitwood. „Alle diese Ansätze“, so Rüsing, „haben gemeinsam, dass der einzelne Mensch mit Demenz in der Pflege in den Vordergrund tritt und damit der wertschätzende Umgang“.

Gudrun Schaade – eine sehr erfahrene Ergotherapeutin – ging in ihrem Vortrag „Umgang mit Angst in der Demenz aus Sicht der Ergotherapie“ vor allem auf die körperlichen Symptome der Angst ein, etwa erhöhte Aufmerksamkeit, erhöhte Muskelanspannung und erhöhte Herzfrequenz. Auf Demenz bezogen machte sie unter anderem auch an einem Filmbeispiel klar, wie die körperliche Wahrnehmung von Menschen stimuliert werden kann, wenn Geist und Körper aus dem Gleichgewicht geraten. Ausgleichsbewegungen – dazu gehören unter anderem solche Möglichkeiten wie Tauziehen oder schwere Gegenstände schieben, beispielsweise Hanteln oder mit Wasser gefüllte Flaschen, um den Körper wieder wahrzunehmen und die Angst zu lindern.

Der Vortrag von Ansgar Schürenberg knüpfte an die ergotherapeutischen Ausführungen an. Schürenberg ist Experte für basale Stimulation. Sein Vortrag „Vertrauen erwecken – Basale Stimulation in der Pflege dementierender Menschen“ veranschaulichte an einzelnen Beispielen, wie Vertrauen auf der Körperebene bei Menschen mit Demenz aufgebaut werden kann. Als Beispiel nannte er die atemstimulierende Einreibung. Die Pflegeperson kann gewissermaßen über diese Technik Vertrauen auf der Köperebene aufbauen, indem sie die Bewegung der Einreibung an den Atemrhythmus anpasst.

Den Abschluss zu dieser Veranstaltung markierte der Vortrag „Angst in der Beratungspraxis“ von Jutta Meder. Sie ist Demenzfachberaterin und sowohl in der Alzheimer Gesellschaft als auch im Demenz-Servicezentrum Region Ruhr tätig. Was Beratung in diesem Zusammenhang bedeutet, wurde anhand eines recht plastischen Fallbeispiels aus der Beratungspraxis verdeutlicht: Eine Tochter hat Angst davor, beide Elternteile zu verlieren. Die Mutter dagegen als Ehefrau die Angst vor dem Alleinsein durch den Tod des Ehemannes, der an Demenz erkrankt ist. Für die Beraterin wie Meder ein Spannungsverhältnis. Auf der einen Seite das Wissen über Demenzerkrankungen, auf der anderen Seite das empathische Vermögen und das tiefergehende Verständnis von Familienkonstellationen.

Nach der Tagung werden einzelne Videos auf dem YouTube-Kanal des DZD frei zur Verfügung gestellt. Hier der Link dazu: https://www.youtube.com/user/DialogzentrumDemenz. Außerdem wird es weitere Beiträge zu der Tagung auf dem Blog des DZD geben, der unter folgender Adresse erreichbar ist: http://dzd.blog.uni-wh.de/.

Weitere Informationen bei Detlef Rüsing, (0) 2302 / 926-306, E-Mail: E-Mail

Weitere BIlder zum Herunterladen finden Sie unter: www.uni-wh.de/detailseiten/news/tagungsrueckblick-angst-und-demenz-6572/

Über DZD:
Zu den Schwerpunkten des Dialog- und Transferzentrum Demenz (DZD) gehört es, den Dialog zwischen Forschung und Praxis in der Versorgung Demenzerkrankter zu fördern. Das DZD wird seit 2005 seitens des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) des Landes NRW und der Pflegekassen NRW gefördert und ist Teil der Landesinitiative Demenz-Service NRW. Es ist am Department Pflegewissenschaft (Fakultät für Gesundheit) der Universität Witten/Herdecke angesiedelt.

Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.400 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

www.uni-wh.de / #UniWH / @UniWH

Quelle: idw

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