openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Grabung im Nordirak: Sasanidischer Webstuhl entdeckt

03.11.201716:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Mit vielen neuen Erkenntnissen ist ein Team von Frankfurter Archäologen aus der irakisch-kurdischen Provinz Sulaimaniyah zurückgekehrt. Insbesondere der Fund eines Webstuhls aus dem 1. Jahrtausend nach Christus sorgte für Aufsehen.


---
FRANKFURT. Mit vielen neuen Erkenntnissen ist ein Team von Frankfurter Archäologen aus der irakisch-kurdischen Provinz Sulaimaniyah zurückgekehrt. Insbesondere der Fund eines Webstuhls aus dem 1. Jahrtausend nach Christus sorgte für Aufsehen.

Sechs Wochen war die Gruppe von Studierenden und Doktoranden der Vorderasiatischen Archäologie um Prof. Dirk Wicke vom Institut für Archäologische Wissenschaften an der Goethe-Universität im Nordirak. Es war bereits der zweite Grabungsaufenthalt der Frankfurter Archäologen an dem rund drei Hektar großen Fundplatz Gird-î Qalrakh in der Shahrizor-Ebene, wo sie vor allem Baureste aus der sasanidischen und neuassyrischen Zeit freigelegt haben. Die Region ist noch weitgehend unerforscht und kann erst seit dem Sturz Saddam Husseins allmählich archäologisch erschlossen werden.

Ziel der Ausgrabungen auf der Kuppe und am Hang des rund 26 Meter hohen Siedlungshügels war es, eine möglichst vollständige Sequenz zur Keramikabfolge in der Region zu erbringen. Eine solche Abfolge ist bislang ein Desiderat in der archäologischen Forschung zur Shahrizor-Ebene, einer Randebene Mesopotamiens mit Kontakten in die alten Kulturregionen sowohl des südlichen Irak als auch des Westiran. Denn mit ihrer Hilfe können andere archäologische Funde zeitlich eingeordnet werden. Die Grabungsstätte sei geradezu ideal für die Erstellung einer solchen Sequenz, sagt Archäologieprofessor Wicke: „Es handelt sich um einen eher kleinen Fundplatz, aber der Hügel ist verhältnismäßig hoch, und wir finden darin eine geschlossene Abfolge von Keramikscherben. Der Hügel war vermutlich vom frühen 3. Jahrtausend vor Christus bis in die islamische Zeit hinein lückenlos besiedelt.“

Nicht gerechnet hatten die Archäologen mit dem Fund eines sasanidischen Webstuhls (ca. 4.-7. Jh. n. Chr.), dessen verbrannte Reste und hier vor allem die Webgewichte aus Ton, an Ort und Stelle dokumentiert werden konnten. Neben den verkohlten Resten lagen zahlreiche Siegelungen, die möglicherweise von Stoffballen stammen, was auf eine größere Textilproduktion an dem Fundort hindeutet. Aus neuassyrischer Zeit (ca. 9.-7. Jh. v. Chr.) stammt hingegen eine massive, steinerne Hangterrassenmauer, die auf größere Baumaßnahmen der Zeit an dem Fundplatz schließen lassen. Möglicherweise wurde der alte Siedlungsplatz im frühen 1. Jahrtausend v. Chr. erneut befestigt und neu genutzt.

Die Arbeiten des Projektes, das Prof. Wicke 2015 mit Unterstützung des lokalen Antikendienstes initiiert hat, wurden in diesem Jahr durch den an der Goethe-Uni angesiedelten Förderverein Enki e.V. sowie durch die Thyssen-Stiftung unterstützt und sollen im nächsten Jahr fortgesetzt werden.

Bilder zum Dowload finden Sie unter dem folgenden Link: http://www.uni-frankfurt.de/68944552

Bildtexte:
Bild 1: Luftaufnahme des Fundplatzes von Süden. Zu erkennen sind die Grabungsareale auf der Kuppe und am südwestlichen Hang sowie die kleine Sondage am südöstlichen Hang. Foto: Philipp Serba
Bild 2: Neuassyrisches Rollsiegel samt Abrollung, Höhe 3,9 cm. Die Darstellung zeigt zwei geflügelte Genien am heiligen Baum. Foto: Prof. Dr. Dirk Wicke
Bild 3: Ausgegrabene Raumecke mit Resten des Webstuhl zwischen Wand (oben) und einer Bank aus sechs Lehmziegeln. Gut zu erkennen sind die runden Webgewichte aus Ton sowie Platten aus Lehm, die eine Art Regal gebildet haben. Foto: Lanah Haddad

Informationen: Prof. Dr. Dirk Wicke, Institut für Archäologische Wissenschaften, Vorderasiatische Archäologie, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60629 Frankfurt am Main, Telefon +49 (0)69 798 32317, Sekretariat +49 (0)69 798 32313

Aktuelle Nachrichten aus Wissenschaft, Lehre und Gesellschaft in GOETHE-UNI online (www.aktuelles.uni-frankfurt.de)

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 mit privaten Mitteln überwiegend jüdischer Stifter gegründet, hat sie seitdem Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften. Zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Mainz ist sie Partner der länderübergreifenden strategischen Universitätsallianz Rhein-Main. Internet: www.uni-frankfurt.de

Herausgeberin: Die Präsidentin der Goethe-Universität Redaktion: Dr. Anke Sauter, Wissenschaftsredakteurin, Abteilung PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12477, Fax 069 798-763-12531, E-Mail

Quelle: idw

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 978061
 497

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Grabung im Nordirak: Sasanidischer Webstuhl entdeckt“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Goethe-Universität Frankfurt am Main

Linguist mit Mut zum Risiko
Linguist mit Mut zum Risiko
Mit Beginn des Jahres 2018 geht an der Goethe-Universität ein weiteres DFG-gefördertes Koselleck-Projekt an den Start. Das Vorhaben unter der Leitung des Linguisten Prof. Thomas Ede Zimmermann befasst sich mit dem „Propositionalismus in der linguistischen Semantik“. Mit dieser Förderlinie unterstützt die DFG Wissenschaftler mit kühnen Ideen und Mut zum Risiko. --- FRANKFURT. Mit Beginn des Jahres 2018 geht an der Goethe-Universität ein weiteres DFG-gefördertes Koselleck-Projekt an den Start. Das Vorhaben unter der Leitung des Linguisten Prof…
Projekt zur Nok-Kultur geht in die Endrunde
Projekt zur Nok-Kultur geht in die Endrunde
Die Erforschung der Nok-Kultur an der Goethe-Universität kann weitergehen: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat jetzt den Förderantrag des Afrika-Archäologen Prof. Peter Breunig und der Archäobotanikerin Prof. Katharina Neumann angenommen. Nun stehen nochmal rund 1,5 Millionen Euro zur Verfügung, um das Projekt, das die 2500 Jahre alte Kultur im westafrikanischen Nigeria untersucht, bis 2020 abzuschließen. --- FRANKFURT. Die Erforschung der Nok-Kultur an der Goethe-Universität kann weitergehen: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat jetz…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Heizöl-Marktbericht: Krise im Nordirak verschärft sich - Heizöl- und Rohölpreise steigen wiederBild: Heizöl-Marktbericht: Krise im Nordirak verschärft sich - Heizöl- und Rohölpreise steigen wieder
Heizöl-Marktbericht: Krise im Nordirak verschärft sich - Heizöl- und Rohölpreise steigen wieder
Nach einer leider nur kurzen vorübergehenden Entspannungsphase zum Wochenende hin, nimmt die Nervosität an den internationalen Ölmärkten aufgrund der sich verschärfenden Krise im Nordirak wieder deutlich zu. Die WTI-Rohöl-Futures steigen und notieren aktuell bei 99,60 US-Dollar pro Barrel, die April-Kontrakte der Nordseemarke „Brent“ werden für knapp 98 …
Keine Verhandlungen zu Nofretete
Keine Verhandlungen zu Nofretete
… zukünftige gemeinsame Projekte zu sprechen. Beide streben eine enge Zusammenarbeit auf wissenschaftlicher und musealer Ebene an. Außerdem wird Seyfried Unterlagen zur Fundteilung der Grabung der deutschen Orientgesellschaft vom Januar 1913, bei der auch die Büste der Nofretete gefunden wurde, übergeben. Diese lagen offensichtlich Hawass bislang noch …
Bild: Run auf den Dinar: Immer mehr westliche Investoren setzen auf die irakische WährungBild: Run auf den Dinar: Immer mehr westliche Investoren setzen auf die irakische Währung
Run auf den Dinar: Immer mehr westliche Investoren setzen auf die irakische Währung
… wird als Geldanlage vor allem im europäischen Raum immer beliebter. Nicht zuletzt die jüngsten positiven Entwicklungen in der Region sowie die besonders stabile Lage im Nordirak treiben die Nachfrage. "Wir erleben zur Zeit eine große Nachfrage von westlichen Investoren, die am Kauf von Irakischen Dinars interessiert sind", erklärt Michael Amram, Währungsexperte …
Bild: Angela Merkel die GroKo und das "neue Außenpolitikgesetz"
Angela Merkel die GroKo und das "neue Außenpolitikgesetz"
… Kriegswaffen und Rüstungsgütern streng regeln. Beim anzuwendenden Außenwirtschaftsgesetz ergibt sich dies allein schon aus dem Namen, obwohl derartige deutsche Waffenlieferungen an die Kurden im Nordirak nichts mit dem Handel im üblichen Sinn zu tun haben dürfte. Es bleibt von BERLINER TAGESZEITUNG - Berliner Tageblatt - Deutsche Tageszeitung zu hoffen, …
Bild: RFF Informiert: Abschiebungen in den Nordirak wieder möglichBild: RFF Informiert: Abschiebungen in den Nordirak wieder möglich
RFF Informiert: Abschiebungen in den Nordirak wieder möglich
… 22. Oktober 2007 soll der erste Abschiebeflug mit der Fluggesellschaft Zagros Air über Frankfurt nach Erbil gehen. Gerade hat das Türkische Parlament den Einmarsch in den Nordirak beschlossen. Wann mit einer Invasion zu rechnen ist, ist nicht bekannt. Wir halten dieses Vorgehen, mit den Rückführungen in den Nordirak zu beginnen, für unverantwortlich. …
Internationalisierung des Hochschulsektors der Autonomen Region Kurdistan
Internationalisierung des Hochschulsektors der Autonomen Region Kurdistan
Seit mehreren Jahren pflegt die Universität Göttingen Kooperationen mit Universitäten in der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak. Das dortige Bildungsministerium hat hierfür an der „Kurdistan Institution for Strategic Studies and Scientific Research (KISSR)“ ein Verbindungsbüro eingerichtet, um die Aktivitäten mit Göttingen zu koordinieren. Zur Weiterentwicklung …
Bild: Wolkenleichte Schals und rustikale TeppicheBild: Wolkenleichte Schals und rustikale Teppiche
Wolkenleichte Schals und rustikale Teppiche
… Frauen aus vier Nationen. Unter ihnen Efsaia Pazvanti, gehörlos. Sie ist als gelernte Damenschneiderin für alle "geraden Nähte" zuständig, hat aber auch verschiedene Techniken am Webstuhl gelernt. Die Arbeit sichert ihr Einkommen. Sie lebt in einer eigenen Wohnung und ist dort glücklich. Silke Glowatzki, körperbehindert, ist seit Gründung des Betriebes …
Bild: WEITBLICK UNTERSTÜTZT HILFSORGANISATION CADUSBild: WEITBLICK UNTERSTÜTZT HILFSORGANISATION CADUS
WEITBLICK UNTERSTÜTZT HILFSORGANISATION CADUS
Im Rahmen eines Projekts der deutschen Hilfsorganisation CADUS im Nordirak unterstützt das Unternehmen WEITBLICK die gemeinnützige Organisation innerhalb einer Kooperation mit Arbeitskleidung. CADUS ist eine gemeinnützige, 2014 in Berlin gegründete Organisation, die im Rahmen ihrer Projekte erfolgreich Hilfe zur Selbsthilfe in Kriegs- und Krisengebieten …
Bild: Heizölpreis steigt, neuer Allzeit-HöchstwertBild: Heizölpreis steigt, neuer Allzeit-Höchstwert
Heizölpreis steigt, neuer Allzeit-Höchstwert
… stürzen wegen ihrer Finanzkrise bisher trotz aggressiver Zinspolitik der US-Notenbank ungebremst in eine Rezession ab. Die Türkei hat ihren militärischen Ausflug in den Nordirak nach Einwänden des grossen Waffenbruders in Washington rasch beendet, die Versorgungslinien durch den Nordirak sind intakt. Gehört werden an den preistreibend eingestimmten Rohwarenbörsen …
Kurdische Selbstverwaltung im Irak durch föderale Lösungen schützen
Kurdische Selbstverwaltung im Irak durch föderale Lösungen schützen
06. Februar 2004 - Zu den Anschlägen im Nordirak erklärt die stellvertretende aussenpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Uta Zapf: Die Anschläge am 1. Februar im Nordirak, denen mindestens 70 Menschen zum Opfer fielen, sind verabscheuungswürdig. Den Angehörigen der Opfer drücke ich mein tiefstes Mitgefühl aus. Diese Gewaltakte zeigen aber …
Sie lesen gerade: Grabung im Nordirak: Sasanidischer Webstuhl entdeckt