(openPR) Recht haben und Recht bekommen sind bekanntlich zweierlei. Damit der rechtsuchende Bürger, der einen Zivilprozess führen muss, eher Recht bekommt als sein Gegner, ist der Prozessratgeber „Zivilprozesse führen – gewinnen oder verlieren“ geschrieben worden.
Der Verfasser Felix Daubenspeck ist ein ehemaliger Rechtsanwalt mit langjähriger Prozesserfahrung an Land – und Oberlandesgerichten, der sich vom unerfahrenen Anfänger und Inhaber einer kleinen Einzelpraxis bis zum Seniorpartner einer mittelständischen Partnerschaft nach oben prozessiert hat – und doch ein Verfechter der guten vorgerichtlichen Beratung und der gütlichen Einigung geblieben ist.
Sein Prozessratgeber ist in der Tat völlig anders, vor allem anspruchsvoller als die üblichen für juristische Laien bestimmten Ratgeber. Das macht schon der Untertitel deutlich. Denn dieser heißt: „Eine informativ-kritische Rundfahrt durch die deutsche Zivilgerichtsbarkeit mit Praxistipps und gut gemeinten Ratschlägen“. Kritisch deshalb, weil nach Ansicht des Autors der deutsche Zivilprozess durch die sog. Reformgesetzgebung der letzten Jahre, aber auch durch die Gesetzesanwendung eines Teils der Richterschaft, nahezu deformiert worden ist. Das Ergebnis ist dieser 120 Seiten starke, sorgfältig lektorierte und strukturierte Prozessratgeber, der jetzt bei Shaker Media erschienen ist.
Passend zur Rundfahrt hat Daubenspeck seinen Text in sechzehn „Stationen“ eingeteilt. Auf verständliche, oft unterhaltsame Weise beschreibt er von Station zu Station den Prozessalltag in deutschen Gerichtssälen und Anwaltskanzleien und zeigt dabei auf, worauf es in einem Zivilprozess wirklich ankommt.
So ist z. B. die ganze 2. Station – immerhin elf Seiten stark - der Frage gewidmet, wie der rechtsuchende Bürger den für seinen Zivilprozess am besten geeigneten Rechtsanwalt findet, welche Kriterien dabei entscheidend sind. Den Anwaltskosten ist die ebenso lange 3. Station gewidmet.
Ausgehend von der Erkenntnis, dass jeder, der einen Zivilprozess führen muss, gut daran tut, sich über die Akteure des Prozesses zu informieren, befasst sich Daubenspeck in 2 Exkursen (6. und 7. Station) mit den deutschen Rechtsanwälten und Richtern, deren Vorbildung und Selbstverständnis.
Die weiteren Stationen, von der 7. (Prozessbeginn am Landgericht) bis zur 11. (Das Urteil des Landgerichts), sind der eigentlichen Prozessführung vor der Zivilkammer am Landgericht gewidmet. Dabei macht Daubenspeck immer wieder deutlich, welche Folgen es hat, dass seit der Zivilprozessreform anstelle der eigentlich dreiköpfigen Zivilkammer heutzutage fast immer ein Einzelrichter Recht spricht. Der Beweisaufnahme, insbesondere der Zeugenvernehmung, ist die gesamte 10. Station gewidmet. Auch hier findet der Leser ständig Praxistipps und kritische Anmerkungen.
Dem Verfahrensgang entsprechend werden in den nachfolgenden Stationen das Rechtsmittel der Berufung zum Oberlandesgericht, der Revision zum Bundesgerichtshof und die Verfassungsbeschwerde vorgestellt. Man erfährt, dass die Berufung - im Gegensatz zu früher - keine zweite Tatsacheninstanz mehr ist und warum Revision und Verfassungsbeschwerde zwar wichtige, aber häufig erfolglose Rechtsmittel sind.
Fazit: Kein trockener Prozessratgeber im Juristendeutsch, sondern ein zwar kritischer, gleichwohl verständlicher Erklärer der deutschen Zivilgerichtsbarkeit, der keineswegs zum Prozessieren ermuntern will, sondern zur Achtsamkeit und Vorsicht rät.
Ratgeber: „Zivilprozesse führen - gewinnen oder verlieren“
Verlag: Shaker Media, Juli 2017, Aachen.
Autor: Felix Daubenspeck
Sprache: Deutsch
ISBN 978-3-95631-599-2, 120 Seiten, 12,90 EUR, Paperback
Leseprobe: www.shaker-media.de/shop/978-3-95631-599-2













