openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Tauben beim Multitasking besser als Menschen

26.09.201710:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Tauben beim Multitasking besser als Menschen
Sara Letzner ließ Menschen im Verhaltensexperiment gegen Tauben antreten. (© RUB, Marquard)
Sara Letzner ließ Menschen im Verhaltensexperiment gegen Tauben antreten. (© RUB, Marquard)

(openPR) Tauben können genauso schnell wie Menschen zwischen zwei Aufgaben hin und her wechseln – in manchen Situationen sind sie sogar noch schneller. Zu diesem Ergebnis kommen Biopsychologen, nachdem sie Vögel und Menschen mit dem gleichen Verhaltensexperiment getestet haben. Als Ursache für die leichten Vorteile der Vögel beim Multitasking vermuten die Autoren die höhere Neuronendichte im Gehirn der Tauben.

---
In der Zeitschrift „Current Biology“ berichten Dr. Sara Letzner und Prof. Dr. Dr. h. c. Onur Güntürkün von der Ruhr-Universität Bochum die Ergebnisse gemeinsam mit Prof. Dr. Christian Beste vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden.

„Lange Zeit hat man geglaubt, dass die sechsschichtige Großhirnrinde von Säugern der anatomische Ursprung der kognitiven Fähigkeiten ist“, sagt Sara Letzner. Vögel besitzen eine solche Struktur aber nicht. „Also kann der Aufbau des Säuger-Kortex auch nicht die Voraussetzung für komplexe kognitive Funktionen wie etwa Multitasking sein“, so Letzner weiter.

Sechsmal dichter gepackt

Der Gehirnmantel von Vögeln, das Pallium, besitzt zwar keine Schichten, die mit dem menschlichen Kortex vergleichbar sind. Dafür sind die Neuronen darin dichter gepackt als in der menschlichen Großhirnrinde: Pro Kubikmillimeter Gehirn besitzen zum Beispiel Tauben sechsmal mehr Nervenzellen als Menschen. Dadurch ist die durchschnittliche Distanz zwischen zwei Neuronen bei Tauben nur halb so groß wie bei Menschen. Da die Signale von Nervenzellen bei Vögeln und Säugetieren gleich schnell weitergeleitet werden, hatten die Forscher angenommen, dass im Vogelgehirn Informationen schneller verarbeitet werden können als bei Säugern.

Diese Hypothese prüften sie mit einer Multitasking-Aufgabe, die 15 Menschen und 12 Tauben absolvierten. Die menschlichen und tierischen Probanden mussten im Versuch eine gerade ablaufende Handlung stoppen und so schnell wie möglich zu einer Alternativhandlung wechseln. Der Wechsel zur Alternativhandlung fand dabei entweder gleichzeitig mit dem Abstoppen der ersten Handlung statt oder mit einer kurzen Verzögerung von 300 Millisekunden.

Was Tauben schneller macht

Im ersten Fall findet echtes Multitasking statt, es laufen also zwei Prozesse parallel im Gehirn ab: nämlich das Abstoppen der ersten Handlung und der Wechsel zur Alternativhandlung. Sowohl Tauben als auch Menschen werden durch die Doppelbelastung dabei in gleichem Maße langsamer.

Im zweiten Fall – Wechsel zur Alternativhandlung nach Verzögerung – ändern sich aber die Abläufe im Gehirn: Die zwei Prozesse, also das Stoppen der ersten Handlung und der Wechsel zur zweiten Handlung, wechseln sich wie bei einem Pingpongspiel ab. Dafür müssen die Gruppen von Nervenzellen, die die beiden Prozesse kontrollieren, permanent Signale hin und her schicken. Die Forscherinnen und Forscher vermuteten, dass Tauben dabei aufgrund der größeren Dichte der Nervenzellen im Vorteil sein müssten. Tatsächlich waren sie 250 Millisekunden schneller als Menschen.

„In der kognitiven Neurowissenschaft ist es schon länger ein Rätsel, wie Vögel mit so kleinen Gehirnen und ohne einen Kortex so schlau sein können, dass einige von ihnen, etwa Krähen und Papageien, es kognitiv mit Schimpansen aufnehmen können“, sagt Letzner. Die Ergebnisse der aktuellen Studie geben eine Teilantwort: Gerade durch das kleine, aber mit Nervenzellen dicht gepackte Gehirn reduzieren Vögel die Verarbeitungszeiten bei Aufgaben, die eine schnelle Interaktion zwischen Gruppen von Neuronen erfordern.

Förderung

Die Studie wurde finanziell unterstützt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Projektes „Entwicklung eines neuronalen Kausalmodells zu Mechanismen von Zielaktivierungsprozessen im ‚Multitasking‘“ (GU 227/20-1, BE4045/20-1) sowie durch den SFB 874 und den SFB 940, Projekt B8.

Originalveröffentlichung

Sara Letzner, Onur Güntürkün, Christian Beste: How birds outperform humans in multi-component behavior, in: Current Biology, 2017, DOI: 10.1016/j.cub.2017.07.056

Pressekontakt

Dr. Sara Letzner
Abteilung Biopsychologie
Fakultät für Psychologie
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: 0234 302 4917, 0234 32 24634
E-Mail: E-Mail

Prof. Dr. Onur Güntürkün
Abteilung Biopsychologie
Fakultät für Psychologie
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: 0234 32 26213
E-Mail: E-Mail

Prof. Dr. Christian Beste
Kognitive Neurophysiologie, Klinik für Kinder und Jugendpsychiatrie
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Technische Universität Dresden
Tel.: 0351 458 7072
E-Mail: E-Mail

Quelle: idw

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 970728
 525

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Tauben beim Multitasking besser als Menschen“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Ruhr-Universität Bochum

Bild: Projektstart: Schnellere Baugenehmigungen dank digitaler ModelleBild: Projektstart: Schnellere Baugenehmigungen dank digitaler Modelle
Projektstart: Schnellere Baugenehmigungen dank digitaler Modelle
Ein neues Projekt will das Genehmigungsverfahren für Bauanträge durch Einbezug von digitalen 3D-Gebäudemodellen vereinfachen. Das Bundesministerium für Bau-, Stadt- und Raumforschung fördert das Vorhaben im Rahmen des Programms Zukunft Bau mit rund 278.000 Euro für zwei Jahre. Die nationale Plattformgesellschaft „Planen Bauen 4.0“ leitet das Projekt. Partner aus der Wissenschaft ist das Team um Prof. Dr. Markus König vom Lehrstuhl für Informatik im Bauwesen an der Ruhr-Universität Bochum. Aus der Verwaltung ist der Landesbetrieb Geoinformatio…
Bild: Die Stabilität komplexer Legierungen schneller bestimmenBild: Die Stabilität komplexer Legierungen schneller bestimmen
Die Stabilität komplexer Legierungen schneller bestimmen
Ob ein neuer Werkstoff unter Temperaturbelastungen stabil bleibt, können Materialwissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum innerhalb weniger Tage ermitteln. Sie entwickelten ein neues Verfahren, mit dem sich komplexe Legierungen, die aus vielen verschiedenen Elementen bestehen, zum Beispiel auf Temperatur- und Oxidationsbeständigkeit untersuchen lassen. Solche Analysen haben zuvor Monate in Anspruch genommen. Das Team um Prof. Dr. Alfred Ludwig und Dr. Yujiao Li vom Bochumer Institut für Werkstoffe und vom Zentrum für Grenzflächendominierte…

Das könnte Sie auch interessieren:

22. Tier: Die Ratten der Lüfte erobern Bogota
22. Tier: Die Ratten der Lüfte erobern Bogota
… Nahrungsnachschub überleben diese Tauben, oder Palomas, wie sie auf Spanisch heißen, ganz problemlos. Doch so angenehm, wie die Situation für die Tauben auch sein mag, die Menschen tun sich nicht unbedingt einen Gefallen mit dem Füttern: Tauben übertragen beispielsweise mehr Krankheiten als Ratten. Kein Wunder also, dass sie auch „Ratten der Luft" genannt …
Folge dem Blick der Taube
Folge dem Blick der Taube
Ein Blick hat etwas Magnetisches: Wenn nur genügend Menschen in dieselbe Richtung schauen, werden andere ihrem Blick folgen. Doch gilt das auch für Tiere wie Tauben – und spielt es eine Rolle für den Effekt, ob nur eine oder viele Tauben schauen? Ein Team von Tierverhaltensforscher*innen um Fumihiro Kano und Mathilde Delacoux von der Universität Konstanz …
Das Gespür der Tauben für Symmetrie
Das Gespür der Tauben für Symmetrie
… sein Team eine aufwändige Hintergrundforschung zum Wahrnehmungsvermögen von Tauben und insbesondere zur Frage, wie sie Bildschirmbilder wahrnehmen. Tauben besitzen eine andere Farbwahrnehmung als Menschen und sehen „in höheren Frequenzen“. Ein Fernsehbild, das für einen Menschen flüssig verläuft, könnte aus Sicht der Tauben flackern und stocken. Die …
Bild: Taubenabwehr in Hamburg – wie sich Stadt und Bewohner schützenBild: Taubenabwehr in Hamburg – wie sich Stadt und Bewohner schützen
Taubenabwehr in Hamburg – wie sich Stadt und Bewohner schützen
… aufmerksam zu machen, das bei Verstößen als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld belegt werden kann. Denn je mehr Nahrung die Tauben von den Menschen bekommen, desto unkontrollierter vermehren sie sich und verschmutzen die Umgebung. Tierschutzgerechtes Vertreiben von Tauben Um einer Überpopulation und den damit einhergehenden Problemsituationen vorzubeugen, …
Zum Weltfriedenstag: Tierrechtler prangern Missbrauch Tausender Tauben an
Zum Weltfriedenstag: Tierrechtler prangern Missbrauch Tausender Tauben an
PressemitteilungMenschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V. 26.08.2010 Zum Weltfriedenstag: Tierrechtler prangern Missbrauch Tausender Tauben an Anlässlich des Weltfriedenstages am 29. August will der Verband Deutscher Brieftaubenzüchter gemeinsam mit europäischen Kollegen und unter Mitwirkung der Evangelischen Kirche am Sonntag …
Bild: Tierschutzthema TaubeBild: Tierschutzthema Taube
Tierschutzthema Taube
… sind zäh, oftmals sieht man sie - verkrüppelt, humpelnd, von herumfliegenden Fäden gefesselt, Unrat fressend - aber immer freundlich. »Tauben sind Kulturfolger, und wir Menschen haben Verantwortung für sie, denn die heutigen Stadttauben sind ehemalige - von Menschen gezüchtete - Brieftauben und deren Nachkommen«, kommentiert Viola Kaesmacher von der …
Öffentliche Gebäude und Tauben
Öffentliche Gebäude und Tauben
… Ergebnis der menschlichen Tätigkeiten. Nach Meinung der Experten, Tauben zu füttern ist schlecht, weil dies hält sie die Nahrung auf natürliche Weise zu suchen, was sie von Menschen abhängig macht. Vogelkot scheint immer mehr und mehr zu sein, und die Reinigung der Haltestelle funktioniert nicht, weil nur wenige Tage reichen, damit die Tauben wieder …
Skandal: Taubenmord am Kölner Dom
Skandal: Taubenmord am Kölner Dom
… die Regionalgruppe Köln der Bundesarbeitsgruppe Stadttauben (BAG) einen Mann, der professionell am Kölner Dom Tauben in Fallen lockte und tötete. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte, dem die BAG angeschlossen ist, erstattet Strafanzeige. Seit Monaten versuchen Kölner Tierschützer der BAG sowie des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte dubiose …
Geburtenkontrolle bei Stadttauben erfolgreich - Menschen für Tierrechte befragte Städte zu Tierschutz-Konzept
Geburtenkontrolle bei Stadttauben erfolgreich - Menschen für Tierrechte befragte Städte zu Tierschutz-Konzept
Pressemitteilung Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V. Datum: 31.07.2007 Der Bundesverband Menschen für Tierrechte hat eine erste Städtebefragung zur tierschutzgerechten Geburtenkontrolle von Stadttaubenpopulationen durchgeführt. Diese bestätigt jetzt den Erfolg des Tierschutz-Konzeptes, in das bisher über 30 deutsche Städte …
Verwunden die Mechanische Module die Tauben?
Verwunden die Mechanische Module die Tauben?
… Module aufspießen? BirdSystem, in Bezug auf die Konstruktion, ähnelt eine Nadel. Nach Meinung der Experten sind die mechanische Module kein Gefahr für die Vogeln. Im Vergleich zu Menschen Tauben haben viel bessere Sehkraft – schon von weitem sehen sie die Module auf Fensterbretten, Gesims und Dachrinnen. So gibt es keine Verletzungen durch die sitzen …
Sie lesen gerade: Tauben beim Multitasking besser als Menschen