openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Neues Werkzeug erlaubt komplexe Quantensimulationen

05.09.201715:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Neues Werkzeug erlaubt komplexe Quantensimulationen
Die Abbildung visualisiert eine Kette gespeicherter Ionen, die miteinander in Wechselwirkung treten. (IQOQI Innsbruck/Harald Ritsch)
Die Abbildung visualisiert eine Kette gespeicherter Ionen, die miteinander in Wechselwirkung treten. (IQOQI Innsbruck/Harald Ritsch)

(openPR) Bald schon wollen Physiker mit Hilfe von Quantensimulatoren Probleme lösen, an denen herkömmliche Computer scheitern. Dafür benötigen sie aber neue Werkzeuge, um sicherzustellen, dass die Simulatoren richtig arbeiten. Innsbrucker Forscher um Rainer Blatt und Christian Roos haben nun gemeinsam mit Forschern der Universitäten Ulm und Strathclyde ein neues Verfahren im Labor umgesetzt, mit dem auch komplexe Quantenzustände effizient charakterisiert werden können. Die Matrix-Produkt-Zustands-Tomographie könnte zu einem neuen Standardwerkzeug für Quantensimulatoren werden.



---
Viele Phänomene der Quantenwelt lassen sich im Labor nicht direkt untersuchen, und auch Supercomputer scheitern beim Versuch, sie zu simulieren. Wissenschaftler sind heute aber in der Lage, verschiedene Quantensysteme im Labor sehr präzise zu kontrollieren. Diese können genutzt werden, um andere Quantensysteme nachzuahmen - zu simulieren. Quantensimulatoren gelten deshalb als eine der ersten konkreten Anwendungen der zweiten Quantenrevolution.
Als schwierig erweist sich allerdings noch die vollständige Charakterisierung von großen und komplexen Quantenzuständen, die für reale Simulationen notwendig ist. Der aktuelle Goldstandard für Quantenzustandsanalysen im Labor - die Quantenzustands-Tomographie - eignet sich nur für kleine Quantensysteme, denn mit zunehmender Größe steigt deren Aufwand exponentiell an. Nun haben Forscherinnen und Forscher um Rainer Blatt vom Institut für Experimentalphysik der Universität Innsbruck und dem Institut für Quantenoptik und Quanteninformation der Österreichischen Akademie der Wissenschaften erstmals ein neues Verfahren im Labor etabliert, mit dem sich auch komplexe Quantenzustände effizient charakterisieren lassen.

Mit vereinten Kräften

In Ionenfallen werden Teilchen auf Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt abgekühlt und mit Hilfe von Lasern manipuliert. Die Innsbrucker Quantenphysiker sind in diesem Bereich weltweit führend und können heute in Ionenfallen 20 und mehr Teilchen miteinander verschränken. Um solche Quantensysteme vollständig charakterisieren zu können, benötigen sie neue Methoden. Hier kamen ihnen Theoretiker um Martin Plenio von der Universität Ulm, Deutschland, zu Hilfe. Sie haben 2010 ein neues Verfahren für die Charakterisierung von komplexen Quantenzuständen vorgeschlagen. Mit der sogenannten Matrix-Produkt-Zustands-Tomographie lässt sich der Zustand einer großen Gruppe von Quantensystemen präzise abschätzen, ohne dass der Aufwand mit zunehmender Größe dramatisch ansteigt. Gemeinsam mit den Teams um Martin Plenio und Andrew Daley von der University of Strathclyde in Schottland haben die Innsbrucker Experimentalphysiker um Christian Roos, Ben Lanyon und Christine Maier dieses Verfahren nun im Labor umgesetzt.

Effizienter messen

Als Testfall bauten die Physiker einen Quantensimulator mit bis zu 14 Quantenbits, der zunächst in einem einfachen Ausgangszustand ohne Quantenkorrelationen präpariert wurde. In der Folge verschränkten die Forscher mit Laserlicht jeweils benachbarte Teilchen und beobachteten die dynamische Ausbreitung der Verschränkung im System. „Mit der Methode können wir den Quantenzustand des Gesamtsystems bestimmen, indem wir nur einen kleinen Bruchteil der Systemeigenschaften messen“, sagt START-Preisträger Ben Lanyon. Die Charakterisierung des globalen Quantenzustands aus den Messdaten übernahmen die Theoretiker um Martin Plenio: „Das Verfahren basiert darauf, dass wir lokal verteilte Verschränkung theoretisch sehr gut beschreiben und nun im Labor auch messen können.“
Als die Arbeitsgruppe von Rainer Blatt 2005 das erste Quantenbyte realisierte, waren für die Charakterisierung des Quantenzustands über 6.000 Messungen in einen Zeitraum von zehn Stunden nötig. Mit der neuen Methode werden dafür nur noch 27 Messungen in rund 10 Minuten gebraucht. „Wir konnten zeigen, dass mit diesem Verfahren auch große und komplexe Quantenzustände effizient bestimmt werden können“, freut sich Christine Maier aus dem Innsbrucker Team. Nun wollen die Wissenschaftler die Algorithmen so weiterentwickeln, dass sie auch von anderen Forschungsgruppen flexibel eingesetzt werden kann.

Neuer Goldstandard

Das neue Verfahren erlaubt die Charakterisierung von großen Quantenvielteilchensystemen im Labor und schafft damit auch eine Vergleichsmöglichkeit für Quantensimulationen. „Wir können mit den Messungen Quantensimulatoren kalibrieren, indem wir sie mit analytischen Berechnungen vergleichen“, erklärt Christian Roos. „Dann wissen wir, ob der Simulator das macht, was wir wollen.“ Die neue Methode bietet den Physikern ein Werkzeug für viele Anwendungen und könnte ein neuer Standard für Quantensimulationen werden.

Finanziell unterstützt wurde die Arbeit unter anderem vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF und der Europäischen Union.

Detaillierte Bildunterschrift: Die Abbildung visualisiert eine Kette gespeicherter Ionen, die miteinander in Wechselwirkung treten. Daraus resultiert ein komplexer Quantenzustand (Psi), der durch Messungen an benachbarten Gruppen von Ionen rekonstruiert werden kann.

Publikation: Efficient tomography of a quantum many-body system. B. P. Lanyon, C. Maier, M. Holzäpfel, T. Baumgratz, C. Hempel, P. Jurcevic, I. Dhand, A. S. Buyskikh, A. J. Daley, M. Cramer, M. B. Plenio, R. Blatt, C. F. Roos. Nature Physics 2017 DOI: 10.1038/nphys4244 (https://www.nature.com/nphys/journal/vaop/ncurrent/full/nphys4244.html)

Rückfragehinweis:

Dr. Christian Roos
Institut für Experimentalphysik
Universität Innsbruck
Telefon: +43 512 507 4728
E-Mail: E-Mail
Web: http://www.quantumoptics.at/

Ben Lanyon, PhD
Institut für Experimentalphysik
Universität Innsbruck
Telefon: +43 512 507 4724
E-Mail: E-Mail

Christine Maier
Institut für Experimentalphysik
Universität Innsbruck
Telefon: +43 512 507 4726
E-Mail: E-Mail

Dr. Christian Flatz
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Universität Innsbruck
Telefon: +43 512 507 32022
Mobil: +43 676 872532022
E-Mail: E-Mail

Weitere Informationen:
- https://www.nature.com/nphys/journal/vaop/ncurrent/full/nphys4244.html

Quelle: idw

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 967012
 516

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Neues Werkzeug erlaubt komplexe Quantensimulationen“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Universität Innsbruck

Bild: Peter Zoller erhält Lamb-AwardBild: Peter Zoller erhält Lamb-Award
Peter Zoller erhält Lamb-Award
In dieser Woche wird Quanten-Vordenker Peter Zoller in den USA mit den 2018 Willis Lamb Award for Laser Physics and Quantum Optics ausgezeichnet. Die Verleihung findet am Mittwoch im Rahmen des Winterkolloquiums der Physics-of-Quantum-Electronics-Konferenz in Snowbird, Utah, statt. Neben Zoller werden auch der Chinese Jian-Wei Pan und der Deutsche Ernst Rasel ausgezeichnet. --- Die Auszeichnung ist nach dem amerikanischen Physik-Nobelpreisträger Willis Eugene Lamb, Jr. benannt, der auf zahlreichen Gebieten der Physik und Technologie wesentli…
Bild: Mit nachgebauten Naturstoffen gegen BakterienBild: Mit nachgebauten Naturstoffen gegen Bakterien
Mit nachgebauten Naturstoffen gegen Bakterien
Mit chemisch nachgebauten Naturstoffen will Thomas Magauer von der Universität Innsbruck Mittel gegen die weltweit zunehmenden Antibiotikaresistenzen finden. Biologische Analysen einer Gruppe von erstmals systematisch hergestellten Molekülen zeigen eine vielversprechende Wirkung zum Beispiel gegen die multiresistenten MRSA-Keime. Die synthetisch erzeugten Wirkstoffe lassen sich zudem chemisch weiter optimieren. --- Durch den ungehemmten Einsatz von Antibiotika entwickeln Krankheitskeime immer häufiger Resistenzen. Seit der Entdeckung von Pen…

Das könnte Sie auch interessieren:

Conformiq Qtronic mit automatischer Testfallgenerierung direkt aus Designmodellen heraus
Conformiq Qtronic mit automatischer Testfallgenerierung direkt aus Designmodellen heraus
… Test Generators den Ansatz der Model Driven Quality Assurance (MDQA) weiter vorantreibt. Mit Qtronic wird das mühevolle Schreiben von Testfällen komplett ersetzt. Das Werkzeug generiert stattdessen auf der Basis bestehender Softwaredesignmodelle automatisch Testfälle für den Black-Box-Test und führt diese auch aus. Vorab wird das bestehende Modell selbständig …
Bild: Neue Zulieferer-Messen für den Werkzeug- und Formenbau an drei Standorten in DeutschlandBild: Neue Zulieferer-Messen für den Werkzeug- und Formenbau an drei Standorten in Deutschland
Neue Zulieferer-Messen für den Werkzeug- und Formenbau an drei Standorten in Deutschland
Neue Zulieferer-Messen für den Werkzeug- und Formenbau an drei Standorten in Deutschland. Start im Juni 2009 mit der Premieren-Veranstaltung in Siegen Neue, regional-orientierte Zulieferer-Messen für Zulieferer, Ausrüster, Dienstleister und Unternehmen des Werkzeug- und Formenbaus, zukünftig direkt in den Hochburgen des Werkzeug- und Formenbaus NRW, …
Neues VoiSmart OfficePlus auf der CeBIT
Neues VoiSmart OfficePlus auf der CeBIT
… von Loquendo Text-to-Speech wird jetzt auf jedem VoiSmart PBX vorhanden sein. So erhält die Sprachtechnologie Einzug in die Telefonanlage. Ein neues Diagnose Werkzeug erkennt automatisch die Netzverbindung. Zusätzliche Warnsysteme sind hinzugefügt worden, um die gesamte Einheit besser kontrollieren zu können. Weiterhin wurden automatische Abläufe für …
Bild: Werbeplanen online selbst gestalten, bestellen und druckenBild: Werbeplanen online selbst gestalten, bestellen und drucken
Werbeplanen online selbst gestalten, bestellen und drucken
Werbeplanen-online-drucken.de ist das Werkzeug mit dem man Werbeplanen, Spannbanner und Stoffbanner online selbst gestalten und bestellen kann. Das Team von http://www.werbeplanen-online-drucken.de hat ein neues Online-Werkzeug entwickelt, das es erlaubt Bilder oder Logos im Format JPG oder PNG hoch zu laden und auf eine individuelle Werbeplane zu drucken. …
Bild: HexTap DS - Schneiden in jeder Ecke und bei wenig PlatzBild: HexTap DS - Schneiden in jeder Ecke und bei wenig Platz
HexTap DS - Schneiden in jeder Ecke und bei wenig Platz
HexTap DS „Zwei-in-eins“-Werkzeug für Innengewinde in schwer zugänglichen Bereichen Kurz vor Fertigstellung der Reparatur, lässt sich die letzte Schraube nicht mehr richtig eindrehen. Das Gewinde ist kaputt und für Werkzeug ist kaum Platz. Für solche ärgerlichen und meist zeitraubenden Situationen hat VÖLKEL mit dem innovativen HexTap DS ein Produkt …
Bild: Komplettes Werkzeug-Standardprogramm für Langdrehautomaten vom Spezialisten heimatecBild: Komplettes Werkzeug-Standardprogramm für Langdrehautomaten vom Spezialisten heimatec
Komplettes Werkzeug-Standardprogramm für Langdrehautomaten vom Spezialisten heimatec
Mit heimatec.SwissTooling steht jetzt speziell für Langdrehautomaten ein komplett neues Werkzeugprogramm zur Verfügung. Optimal abgestimmt auf die erforderlichen Maschinenparameter, können Anwender das Werkzeug-Standardprogramm für ihre Langautomaten nun auch vom Spezialisten heimatec beziehen. Die heimatec.SwissTooling Produktgruppe ist eine von vielen …
Quantensimulationen vereinfachen – durch Symmetrie
Quantensimulationen vereinfachen – durch Symmetrie
… nötige Rechenleistung um den Faktor Tausend oder mehr zu verringern. Das Verfahren wurde nun in der Fachzeitschrift Physical Review Letters vorgestellt.Quantensimulationen beschleunigenZu den wichtigsten Anwendungen des Quantencomputers zählt die Quantensimulation. Dabei wird der Quantencomputer eingesetzt, um ein anderes, komplexes Quantensystem zu …
NETsec sucht die zehn „nervigsten" Administratoren-Tasks
NETsec sucht die zehn „nervigsten" Administratoren-Tasks
Neues Werkzeug automatisiert lästige Tätigkeiten von Systemadministratoren Düren, im September 2010. Die NETsec GmbH & Co. KG, Anbieter von Produktivitätslösungen für Active-Directory- und Exchange-Administratoren, sucht die zehn Tasks, die IT-Systemadministratoren am meisten nerven. Anlass der Umfrage zu belastenden Administratoren-Tasks ist die …
Auf der Spur der Falten – in der Quantentechnologie
Auf der Spur der Falten – in der Quantentechnologie
… geeignet. Sie bilden damit eine vielversprechende Grundlage für optimierte Qubits eines künftigen Quantencomputers. Zugleich eröffnen sie neue Möglichkeiten für Quantensimulationen: Anhand dieser kontrollierten Modellsysteme lassen sich kompliziertere Quantenvorgänge einfacher erforschen. Eine entscheidende Rolle spielt bei diesen CCAs deren Topologie. …
Steckschlüssel-Satz und Werkzeugkoffer von Kraftwerk - buy-direct hat die neuen Aktionsartikel im Programm
Steckschlüssel-Satz und Werkzeugkoffer von Kraftwerk - buy-direct hat die neuen Aktionsartikel im Programm
Die speziellen Aktionen von Werkzeugherstellern wie Kraftwerk sind genau das Richtige für Profi- und Hobbyschrauber, die neues Werkzeug für ihre Werkstatt benötigen. Egal, ob Werkstattwagen, Werkzeugkoffer, Zangenset oder Steck-Schlüsselsatz – jedes Werkzeug kann im Falle eines Aktionsangebots zum speziellen Preis erworben werden. Natürlich nur, solange …
Sie lesen gerade: Neues Werkzeug erlaubt komplexe Quantensimulationen