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Körpereigene Immunzellen gegen Lymphknotenkrebs bei Kindern

(openPR) Fernziel Impfung statt Chemotherapie: In einer EU-geförderten Forschungsinitiative untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Justus-Liebig Universität Gießen die Immunabwehr gegen ein Tumorprotein bei Kindern mit Lymphdrüsenkrebs



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Ein Tumorprotein steht im Fokus des von der Europäischen Union (EU) geförderten Projekts „ALKATRAS: Break free from Cancer“. Im Rahmen dieses aus 13 Forschergruppen bestehenden „Marie Curie Innovative Training Networks“ (ITN) werden neue Strategien gegen Krebsarten gesucht, die von dem Tumorprotein anaplastische Lymphomkinase (ALK) abhängen. Gießener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beschäftigen sich in ihrem Teilprojekt mit ALK-getriebenen Lymphknotenkrebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen und konnten hier bereits erste Erfolge erzielen.

Im Gegensatz zu anderen Lymphknotenkrebserkrankungen bei Kindern können derzeit nur 70 Prozent der Kinder mit ALK-positiven Lymphomen – Krebsarten, bei denen weiße Blutkörperchen des Immunsystems entartet sind – durch eine intensive Chemotherapie geheilt werden. Die Forschergruppe von Prof. Dr. Wilhelm Wößmann und Dr. Christine Damm-Welk in der von Prof. Dr. Dieter Körholz geleiteten Kinderonkologie erforscht die Immunantwort gegen diese ALK-positiven Lymphome. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten bereits nachweisen, dass Kinder mit einer starken Antikörperreaktion gegen das ALK-Protein ein geringes Rückfallrisiko haben. Nun wollen sie spezifische Immunzellen gegen das Tumorprotein ALK bei Kindern untersuchen.

Erste Ergebnisse zeigen, dass Kinder mit ALK-Lymphomen eine zellbasierte Immunabwehr gegen das Tumorprotein ausbilden. Bei der Immunabwehr gegen Krebszellen spielen die sogenannten CD4-Helferlymphozyten eine wichtige Rolle. Für die Erforschung dieser Immunantwort konnte im Rahmen des EU-Projektes Serena Stadler als Marie-Curie-Fellow gewonnen werden. Die Biologin mit Masterabschluss aus Wien untersucht in ihrer Doktorarbeit in Gießen die CD4-Lymphozyten-Reaktionen gegen ALK. Die Charakterisierung dieser ALK-Immunzellen bildet die Grundlage für das Fernziel der Forschergruppe, eine Impfstrategie gegen das ALK-Protein zur Tumorbehandlung zu entwickeln. Eine solche Impfung könnte einen Teil der Chemotherapie ersetzen und einen Rückfall der Erkrankung verhindern, indem das Abwehrsystem der betroffenen Kinder spezifisch gestärkt wird, den Lymphknotenkrebs zu bekämpfen.

Serena Stadler hat in den ersten Monaten ihrer Arbeit in Gießen bereits Methoden zur Messung der Lymphozytenantwort gegen ALK etablieren können. Der Austausch mit den anderen 14 Doktorandinnen und Doktoranden des EU-Programms zu ALK-abhängigen Tumoren ermöglicht ein tiefes Verständnis über das Zielprotein ALK. Die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erhalten dabei auch Einblicke in die industrielle Biotechnologie, stärken ihre Fähigkeiten im interkulturellen Umgang sowie bei der Vermittlung ihrer Forschung.

„ Innovative Training Networks“

„Innovative Training Networks“ (ITN) sind europäische Netzwerke von Einrichtungen zur strukturierten Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Ziel dieser EU-finanzierten Graduiertenkollegs ist die Erweiterung der wissenschaftlichen und allgemeinen Kompetenzen der Mitglieder innerhalb eines internationalen, interdisziplinären und intersektoralen Forschungs- und Ausbildungsprogramms.

Marie-Sklodowska-Curie-Maßnahmen (MSCA), zu denen die „Innovative Training Networks“ gehören, wurden von der Europäischen Kommission eingerichtet, um die länder- und sektorübergreifende Mobilität und die Karriereentwicklung von Forscherinnen und Forschern zu fördern und die Attraktivität von wissenschaftlichen Laufbahnen zu steigern. Seit 2014 werden die MSCA-Maßnahmen über das Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizont 2020“ finanziert.

Kontakt

Prof. Dr. Wilhelm Wößmann
E-Mail: E-Mail
Dr. Christine Damm-Welk
E-Mail: E-Mail

Justus-Liebig Universität Gießen
Universitätsklinikum Gießen und Marburg
Pädiatrische Hämatologie und Onkologie
Feulgenstraße 12, 35392 Gießen
Telefon: 0641-985 43462 oder -43421

Die 1607 gegründete Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) ist eine traditionsreiche Forschungsuniversität, die rund 28.000 Studierende anzieht. Neben einem breiten Lehrangebot – von den klassischen Naturwissenschaften über Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften bis hin zu Sprach- und Kulturwissen¬schaften – bietet sie ein lebenswissenschaftliches Fächerspektrum, das nicht nur in Hessen einmalig ist: Human- und Veterinärmedizin, Agrar-, Umwelt- und Ernährungswissenschaften sowie Lebensmittelchemie. Unter den großen Persönlichkeiten, die an der JLU geforscht und gelehrt haben, befindet sich eine Reihe von Nobelpreisträgern, unter anderem Wilhelm Conrad Röntgen (Nobelpreis für Physik 1901) und Wangari Maathai (Friedensnobelpreis 2004). Seit 2006 wird die JLU sowohl in der ersten als auch in der zweiten Förderlinie der Exzellenzinitiative gefördert (Excellence Cluster Cardio-Pulmonary System – ECCPS; International Graduate Centre for the Study of Culture – GCSC).

Weitere Informationen:
- http://erialcl.net/
- http://alkatras.erialcl.net/
- http://ec.europa.eu/research/mariecurieactions/
- https://ec.europa.eu/programmes/horizon2020/
- https://www.uni-giessen.de/fbz/zentren/ggl

Quelle: idw

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