openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Kunstgeschichte – Im Auge des Betrachters

30.05.201613:41 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Was Betrachterinnen und Betrachter eines Kunstwerks sehen und empfinden, ist mit ihrer sozio-kulturellen Prägung und der Vertrautheit mit einem Bild verknüpft. Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker haben diese Theorie mithilfe psychologischer Methoden nun in einem Projekt des Wissenschaftsfonds FWF empirisch nachgewiesen.



Der Einfluss der Kultur auf das Individuum, auf seine Erfahrungen und sein Verhalten beschäftigt die Forschung seit Langem und ist gut belegt. Auch dass das sozio-kulturelle Umfeld die visuelle Wahrnehmung prägt, zeigen Studien. Doch bis vor Kurzem fehlten Untersuchungen aus der kunsthistorischen Forschung, die das "kulturelle Auge" im Blick des Betrachters empirisch belegen konnten.

Die kulturelle Prägung
"Eine zentrale Frage für die Kunstgeschichte ist nach wie vor, inwiefern Sehgewohnheiten und Kunstwerke von der Kultur einer bestimmten Zeit geprägt sind oder auch nicht", erklärt Kunsthistoriker Raphael Rosenberg von der Universität Wien und nennt ein Paradebeispiel der Kunstgeschichte: die stark geometrisch geprägte Malerei der italienischen Frührenaissance im Unterschied zur kalligraphisch orientierten Malkunst der süddeutschen Spätgotik. Die kunsthistorische Forschung spricht hier vom "Period Eye" als Ausdruck dafür, wie kulturelle und soziale Gegebenheiten die Kunst und ihre Betrachterinnen und Betrachter beeinflussen.

Hightech-Kunstforschung
Um diese Thesen empirisch abzusichern, hat sich Rosenberg in einem aktuellen Projekt des Wissenschaftsfonds FWF einer bewährten Methode der Psychologie bedient: den Aufzeichnungen der Blickbewegung. In dem weltweit ersten Eye-Tracking-Labor für Kunstgeschichte, das Rosenberg 2009 von Heidelberg nach Wien übersiedelte, wurde gemeinsam mit Fraunhofer ein Prototyp mit spezieller Software entwickelt, der die Blicke von Betrachterinnen und Betrachtern von Gemälden ohne physischen Kontakt sowohl im Labor als auch im Museum aufzeichnet und auswertet.

Österreich vs. Japan
In Zusammenarbeit mit dem Institut für Psychologische Grundlagenforschung der Uni Wien haben Rosenberg und sein Team in den vergangenen zwei Jahren eine kulturvergleichende Studie durchgeführt. Mit dem Eye-Tracker wurden Daten von jeweils 50 Personen aus Japan und Österreich erhoben, die in den beiden Ländern Gemälde aus unterschiedlichen Epochen und Kulturen betrachteten. Die beiden Nationen unterscheiden sich deutlich in ihrer visuellen Kultur, doch verrät das auch ihr Blick? Die Antwort ist "ja" und "nein". Die Annahme der Forscherinnen und Forscher, dass etwa die Leserichtung eine Rolle bei der Betrachtung eines Bildes spielen könnte, hat sich bis dato nicht bewiesen, wenngleich die Auswertungen noch laufen. "In beiden Gruppen war die Tendenz zu mehr horizontalen Blickbewegungen", sagt Hanna Brinkmann vom Projektteam zu den ersten Ergebnissen. Durch das Internet werde auch in Japan zunehmend horizontal statt von oben nach unten geschrieben, sieht Brinkmann eine mögliche Erklärung dafür.

Analytisch vs. ganzheitlich
Sehr wohl zu bestätigen scheint sich hingegen die unterschiedliche Konzentration auf den Vordergrund beziehungsweise Hintergrund der Bilder, die im Zusammenhang mit der Theorie vom westlich geprägten Individualismus und asiatischen Kollektivismus steht. So hat die japanische Untersuchungsgruppe deutlich ausgeprägter auf den Hintergrund der Bilder fokussiert als die österreichischen Personen, die sich mehr auf Figuren im Vordergrund konzentrierten. Zusätzlich zu den beiden Vergleichsgruppen konnte das Team um Rosenberg auch zahlreiche Daten von Besucherinnen und Besuchern des Kunsthistorischen Museums erhalten, indem vier Wochen lang die Sehgewohnheiten von mehr als 800 Personen zunächst ohne deren Wissen aufgezeichnet und anschließend mittels Fragebogen zusätzlich evaluiert wurden. "Wir versuchen auf der Ebene der Blickbewegung einen Weg zu öffnen, um das 'Period Eye' besser zu fassen und ein Instrumentarium zu erhalten, das historische Unterschiede erklären könnte", erklärt Raphael Rosenberg sein Forschungsinteresse.

Kunst und Gender
Neben kulturellen Prägungen beziehungsweise kollektiven Unterschieden wie Schrift, Geometrie, analytisches oder ganzheitliches Denken, spielen auch Geschlechterbilder eine wichtige Rolle in der visuellen Wahrnehmung. Das Thema "Gender" ist dementsprechend der zweite Fokus des FWF-Projekts. Wie weibliche und männliche Figuren auf die Betrachterinnen und Betrachter wirken und inwiefern wiederum sich der Blick der Frau von dem des Mannes unterscheidet, hat Projektmitglied Mario Thalwitzer anhand der Blickaufzeichnungen im Labor analysiert. Dabei wird untersucht, inwieweit Thesen der Forschung zutreffen, die Männern einen stärker fokussierten Blick und Frauen ein mehr kontextbezogenes Blickverhalten zuschreiben.

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 905383
 488

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Kunstgeschichte – Im Auge des Betrachters“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Der Wissenschaftsfonds FWF

Entwicklungspolitik in der Zeit des Kalten Krieges
Entwicklungspolitik in der Zeit des Kalten Krieges
Historiker der Universität Wien waren in einem Projekt des Wissenschaftsfonds FWF dem Alltag von Entwicklungspersonal zur Zeit des Ost-West-Konflikts auf der Spur. Damit haben sie einen wesentlichen Beitrag zur globalen Geschichte der Entwicklungspolitik geleistet. Rund 30 DDR-Ingenieure, 200 kubanische Monteure und 4.000 einheimische Arbeiter waren am Bau der Zementfabrik "Mugher" in Äthiopien tätig. Die Fabrik, die ab 1980 errichtet wurde und im Wesentlichen noch heute besteht, war nur eines von vielen entwicklungspolitischen Projekten de…
Körpersprache im Unterricht
Körpersprache im Unterricht
Körpersprache nimmt gerade in der Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden einen hohen Stellenwert ein. Das ist das Ergebnis eines Projekts des Wissenschaftsfonds FWF, das seinen Fokus auf die verborgenen Seiten des Unterrichts lenkte. Ein ermunterndes Lächeln, skeptisches Stirnrunzeln, ablehnendes Kopfschütteln: Körpersprache ist vielfältig und wirkt. Die Hirnforschung hat das mit der Entdeckung der Spiegelneuronen wissenschaftlich belegt, indem sie aufzeigte, wie diese Nervenzellen die Handlungen eines Gegenübers, wie zum Beispiel ei…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Neues Onlineangebot: Luxuslampen auf lampen-vision.deBild: Neues Onlineangebot: Luxuslampen auf lampen-vision.de
Neues Onlineangebot: Luxuslampen auf lampen-vision.de
… bezahlbar bleiben lässt. Kronleuchter sind als Decken- und Wandlampen verfügbar. Sie sind aber nicht die einzigen Lichtquellen, die Luxus versprühen. Luxus liegt im Auge des Betrachters Welche Art von Luxusleuchte die passende ist, liegt im Auge des Betrachters und orientiert sich an dessen individuellem Geschmack. Lampen-vision.de hält Lampen für jeden …
Kunstauktion zum 40-Jubiläum der PRO RETINA
Kunstauktion zum 40-Jubiläum der PRO RETINA
„Im Auge des Betrachters“ - so lautet der Titel des Bildes, das am 27.10.2017 unter den Hammer kommt! „Im Auge des Betrachters“ - so lautet der Titel des Bildes, das am 27.10.2017 unter den Hammer kommt! Das Bild "Im Auge des Betrachters" steht ganz im Zeichen des Vereinsjubiläums. Das Gemälde ist so verändert worden, dass es aus der Sicht einer Makuladegeneration …
Bild: GALERIE Supper auf der art KARLSRUHE 2010Bild: GALERIE Supper auf der art KARLSRUHE 2010
GALERIE Supper auf der art KARLSRUHE 2010
… herausheben, dem wir in diesem Jahr eine One-Artist-Show widmen. One-Artist-Show Roland Schauls (*1953) beschäftigt sich in seinen Bildern mit Motiven der Traditions- bzw. Kunstgeschichte und bringt diese auf höchst originelle Art in Verbindung mit unserer modernen Lebenswelt. Trotz seiner durchaus konventionellen Bildthemen – Figuren, Landschaften, …
Bild: Hal Buckner: Shapes and Shadows bei Berlin Art ProjectsBild: Hal Buckner: Shapes and Shadows bei Berlin Art Projects
Hal Buckner: Shapes and Shadows bei Berlin Art Projects
… kraftvolle Linie aus dem Nichts gezeichnet. Seine Kontur bleibt oft offen, unvollständig und wird durch das Spiel von Licht und Schatten verdoppelt. Ikonen der Kunstgeschichte werden ihres Inhalts entzogen und skizzenhaft nachgezeichnet. Buckner spielt mit der Kenntnis und dem Erkennen des Betrachters, indem er weltbekannte Meisterwerke von Leonardo, …
Bild: Skulptur „Adam wohlbehuetet“ von Rudolf Hausner neu bei Galerie Fluegel-RoncakBild: Skulptur „Adam wohlbehuetet“ von Rudolf Hausner neu bei Galerie Fluegel-Roncak
Skulptur „Adam wohlbehuetet“ von Rudolf Hausner neu bei Galerie Fluegel-Roncak
… herausragendste Vertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Doch sein Œuvre ist einzigartig, es gelingt nicht, es in die gängigen Kategorien der Kunstgeschichte einzuordnen. Wieland Schmied bezeichnete Hausner als den einzigen psychoanalytischen Maler, da in seinem Werk Realität und Unterbewusstsein gleichwertig eingehen. „Ich kann die …
Bild: Wandbilder XXL in Galerie Qualität verschönern jedes ZuhauseBild: Wandbilder XXL in Galerie Qualität verschönern jedes Zuhause
Wandbilder XXL in Galerie Qualität verschönern jedes Zuhause
… einer Künstlerleinwand und fertig aufgespannt auf einen massiven Holz-Spannrahmen geliefert. Es kann sofort aufgehängt werden. Drucke, die viele Jahre lang das Auge des Betrachters erfreuen Der oben genannte Shop verwendet für die Herstellung seiner Bilder Maschinen auf dem neuesten Stand der Technik. Gedruckt wird ausschließlich mit UV-stabiler Tinte, …
Bild: Roland Schauls Ausstellung in der GALERIE SupperBild: Roland Schauls Ausstellung in der GALERIE Supper
Roland Schauls Ausstellung in der GALERIE Supper
… Samstag, 01. März 2008, 14.00 -18.00 Uhr. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Roland Schauls (*1953) beschäftigt sich in seinen Bildern mit Motiven der Traditions- bzw. Kunstgeschichte und bringt diese auf höchst originelle Art in Verbindung mit unserer modernen Lebenswelt. Trotz seiner durchaus konventionellen Bildthemen – Figur, Landschaften …
Bild: No-Label-Etikett mit Goldprägung und MultisensorikBild: No-Label-Etikett mit Goldprägung und Multisensorik
No-Label-Etikett mit Goldprägung und Multisensorik
lenetikett aus transparenter PP-Folie inline mit flächigem Mattlack, einer gold glänzenden Folienprägung sowie einem figürlichen Siebdrucklack in Glitteroptik. Durch die partielle Erhabenheit unterstützt der Siebdrucklack den multisensorischen Charakter des edlen Etikettes und weckt die Neugier des Betrachters.
Bild: "Romanik im Rheinland" von Jürgen Kaiser und Florian Monheim - Buchpräsentation mit LichtbildernBild: "Romanik im Rheinland" von Jürgen Kaiser und Florian Monheim - Buchpräsentation mit Lichtbildern
"Romanik im Rheinland" von Jürgen Kaiser und Florian Monheim - Buchpräsentation mit Lichtbildern
… Florian Monheim. Die Entdeckerfreude des Betrachters ist schnell geweckt und er wird viele dieser Bauten selbst kennenlernen wollen. Jürgen Kaiser, geb. 1967, studierte Kunstgeschichte, Mittelalterliche Geschichte und Provinzialrömische Archäologie. Den Lesern ist als Sachbuchautor bekannt. Florian Monheim, geb. 1963, lebt in Krefeld und ist einer der …
Bild: Galerie kunstradar zeigt „selfmade landscapes“Bild: Galerie kunstradar zeigt „selfmade landscapes“
Galerie kunstradar zeigt „selfmade landscapes“
… von Emotion und Ratio, von Innerlichkeit und Äußerlichkeit beeinflusst wird. Helge Emmaneel seit 2001 freischaffender Künstler 1996 Umzug nach Hamburg 1992 – 95 Studium Kunstgeschichte an der Ruhruniversität Bochum 1991 Photoassistenz bei Ralf Steinhoff, Kamen Photographisches Auslandsprojekt in Schweden unter der Leitung von Ralf Steinhoff 1989 zweijährige …
Sie lesen gerade: Kunstgeschichte – Im Auge des Betrachters