(openPR) Die Vögel
Auf allen unseren Reisen waren die Vögel unsere ständigen Begleiter, in der Nähe der Küste so wie auf offener See. Die meisten Seevögel leben an Land, aber viele auch ständig auf offener See, wo sie fischen und auch schlafen. Mitten auf dem Ozean waren vor 20 Jahren große Vogel Wolken zu sehen, die zeigten an dass riesige Fischherden da waren. Heute sind die Herden verschwunden und mit denen die Vögel, nur noch einige einsame suchen da nach Nahrung. Neuerdings fressen die Möven sogar Brot und bevölkern die Müllhalden. Die Meere sind wenigstens an der Oberfläche eine Wüste geworden.
Die Vögel auf Suvorov sind eine Besonderheit, die meisten nisten auf einer grösseren Insel in den Büschen, wo sie ihre Nester bauen. Wir besuchten die ein paarmal, der Brutplatz und die Luft waren überfüllt, kleine Kücken liefen in Massen vor unseren Füßen weg. Wir sahen aber keinen toten Vogel herumliegen, dabei müssten bei der Menge regelmäßig welche umkippen. Das Rätsel löste sich, als wir die kleinere Insel nebenan besuchten, nur durch einen 10 Meter breiten Kanal getrennt. Da lagen Tausende toter Vögel, ein kleiner Berg voll. Ein paar lebende saßen herum und ließen sich nicht vertreiben, auf den Tod wartend. Wir versuchten sie zu füttern, aber sie nahmen nichts an, versuchten wir sie zu verscheuchen, kamen sie sofort zurück. Am nächsten Tag waren sie alle tot und ein paar neue Todeskandidaten flogen an. Ein intelligentes Verhalten, das ich nicht erwartet hätte, so hielten sie sich Epidemien vom Hals. Und dass sollen dumme Vögel sein?
Schon 300 Meilen vor Kokos flogen uns viele Singvögel und einige Schwalben ans Deck, die plötzlichen Stürme im Golf von Tehuantepec waren daran schuld. Viele fanden Zuflucht auf der Insel, andere wurden weit hinaus gepustet und die Schiffe waren deren letzte Chance. Die meisten waren schon am Ende ihrer Kräfte als sie uns sichteten, trotzdem kamen sie nie direkt an Deck, sie umflogen uns manchmal stundenlang bis zum späten Abend. Viele fielen dabei ins Wasser und wir hatten Mühe sie herauszufischen, wenn wir unter Segeln waren. Wir fuhren dann immer den Mann über Bord Manöver, Wende, Dhingy ins Wasser, Jack rein, Vogel in das Dhingy und alle wieder an Deck. Wir hatten manchmal Dutzende von ihnen an Bord und versuchten sie mit Wasser und Futter aufzupäppeln.
Die Schwalben starben immer schnell, sie wollten kein Brot oder Reis fressen, so fütterten wir sie mit Kakerlaken, manchmal war die ganze Mannschaft hinter ihnen her, es gab Prämien für den besten Jäger. Wir führten einen verlorenen Kampf gegen diese Viecher, kein Gift rottete sie aus, sogar über Baygon lachten sie sich tot, dafür starben die Schwalben an Vergiftung. Es gelang uns nie, eine von ihnen länger als einen Tag am leben zu erhalten. Die Schwalben machen auch ohne Stürme den tödlichen Fehler, immer weiter vom Land weg Insekten zu suchen, darauf programmiert, sie über Wasser zu finden, aber über dem Meer gibt selten welche. Am Abend finden sie dann das Land nicht mehr und sterben unweigerlich nach ein paar Tagen des Fliegens.
Singvögel sind robuster, wir brachten in den vielen Jahren trotzdem nur 3 bis zum Land, deren Überleben hängt davon ab, ob sie vorher Salzwasser getrunken haben. Die Vögel werden schnell zutraulich und fressen den ganzen Tag. Trotz Überfluss an Nahrung und Wasser streiten sie sich dauernd ums Futter, die meisten überlebten trotzdem tagelang. Dann fingen sie an, einer nach dem anderen zu sterben, keiner wusste warum. In Panama war nur noch ein Singvogel am Leben und wir ließen ihn ohne Einwanderungs Formalitäten frei, ich hoffe, er hatte eine stärkere, erfahrenere Rasse seiner Gattung gezeugt haben.
Wir hatten einmal einen Seefalken zum Besuch, der nahm den Besanmast für Tage in Besitz, er produzierte riesige Mengen nassen Kot und beschiss außer dem Cockpit auch mich. Ich schoss ihm mit meiner Luftpistole in den Hintern, aber anstatt zu verschwinden saß er von da an in dem höheren Hauptmast und beschiss fortan das Hauptdeck, meine Luftpistole konnte ihm da nicht mehr schaden. Er litt wenigstens keinen Hunger, so viel Kot kommt nur von viel Fraß. Er verließ uns erst in Panama und unser Deck wurde etwas dünner vom vielen Waschen.
Eine Gruppe von weißen Reihern blieb, 1000 Meilen vom nächsten Land entfernt, einen ganzen Tag in unserer Nähe und umkreiste uns. Die Vögel können nicht schwimmen, man sieht sie meist bei den Kuhherden Parasiten am suchen, wenn es zu viele werden wandern sie weit, um neue Gebiete zu finden. Oft begegneten wir ihnen weit vom Land weg auf offener See, man denkt dabei an die Geschichten von Lemmingen, die sich in Massen in die See stürzen und dabei umkommen. Einer von denen blieb 2 Tage und Nächte achtern auf dem Davit sitzen und wir konnten ihn nicht einfangen, auch in der dunkelsten Nacht sah er uns kommen. Er nahm kein Fraß oder Wasser an, welches wir in das Beiboot stellten, eines Morgens war er verschwunden.
Auf unserer letzten Reise flog uns in der Mitte des Atlantiks ein weißer Reiher zu, der mehr Vertrauen hatte als seine Artgenossen. Wir waren mindestens 1200 Meilen weg vom nächsten Land, wie er zu uns schaffte ist mir bis heute ein Rätsel, vielleicht reiste er mit anderen Schiffen. Auf jeden Fall nahm er Fraß an, er verputzte große Portionen von gekochten Fischmägen und Überbleibsel kleiner Fische aus der gleichen Quelle. Als wir nach 3 Wochen Antigua erreichten war unser Deck ganz weiß von seiner Kacke und wir waren froh, als er abflog. Aber am nächsten Morgen war er wieder da, auf seine Mägen wartend, es kostete uns einige Mühe, bevor er endlich good by sagte.
Die Möwen sind öfter eine wahre Plage, wenn man zu nahe an ihre Nistplätze heransegelt. Sie tauchen hinter dem Köder her und erwischen den auch meist, bald ist er so zerpickt dass man ihn wegschmeißen kann, Kostenpunkt um US 30, kaputtgepickt in 20 Minuten. Öfteres fängt der Haken eine Möwe und man hat reichlich zu tun, um den Haken zu befreien. Bei Malpelo biss eine meinem Matrosen Fredy den Mittelknochen der Nase ab bei seiner Hilfeleistung. Öfter waren wir gezwungen unsere Angeln einzuziehen, gerade dort, wo es die meisten Fische gab. In der Nähe einsamer Inseln des Pazifiks benutzten uns die Vögel als Landeplattform, manchmal saßen Dutzende an der Reling und auf den Bäumen. Sie ließen sich nur schwer verscheuchen, sogar vor Rambo, unserem Hund, zeigten sie keine Angst, er wurde öfter gezwickt und rächte sich mit kräftigen Bissen in die fetten Hinterteile. Nach solchen Besuchen sah das Schiff wie ein Scheißhaus aus, man kriegt die ätzende Vogelkacke aus den Segeln und dem Sonnendach nur schwer herausgewaschen.
Die interessantesten Vögel für mich sind die Fregattvögel. Sie können nicht tauchen, nicht laufen, nicht Mal schwimmen, trotzdem begegnet man ihnen weit draußen auf See, deren Anwesenheit kündigt immer große Fische an. Es ist lustig zu beobachten, wie sie den Raub Möwen ihre Beute abjagen; sie jagen sie so lange, bis die ihre Fische herausspucken oder grabschen sie einfach beim Hals oder den Beinen und schütteln sie, bis sie den Fisch kriegen, da hilft kein schreien oder zappeln. In der Karibik sah ich einen Fregattvogel heftige Loopings drehen, bis er einen kleinen Ball herauswürgte. Als ich näher kam entpuppte sich der Ball als Pufferfisch, der gemütlich voll aufgeblasen mit dem kleinem Schwanz wedelte und sich sichtlich amüsierte. Der Vogel hatte Glück dass er ihn los wurde, sonst hätte er sterben müssen, dieses Missgeschick passiert sogar den Haien.
Pelikane sind die am besten organisierte Vogelart. Wie Bombergeschwader fliegen sie in Linie, bevor sie sich wie Stukas im II Weltkrieg einer nach dem Anderen auf die Beute stürzen. Ihre Jungen kriegen sie im Spätherbst, wenn gerade die Jungfische in Unmengen die Buchten unter deren Brutplätzen auffüllen. Wenn die Jungen flügge werden verlassen die Altvögel die Bucht und überlassen dem Nachwuchs den vollen Futterplatz. In hohem Alter wird deren Sicht schwächer, so sehen sie ihre Beute nicht mehr. Oft sieht man einen alten Vogel, der um jeden Preis einem jungen auf Flügelweite folgt und sich zusammen mit ihm ins Wasser stürzt. Wenn er keine Kraft mehr hat, um diesen Leistungswettbewerb mitzumachen, sitzt der Alte dann einsam und verlassen auf einem niedrigen Felsen oder auf einer Boje und versucht von da aus seine Beute zu kriegen. Eines Tages dann ist sein Platz leer, keine Spur von dem Besetzer, er verabschiedete sich lautlos.
Die einsamsten Vögel sind die riesigen Albatrosse und die weißen Langschwanz Möwen, Henry nannte sie Bajakov. Meist fliegen sie hoch über dem Wasser, schreien laut und sind fast immer alleine. Sie haben kurze Flügel, die immer am flattern sind und können nicht segeln wie Möwen, wie sie diesen Kräfteverschleiß durchhalten ist mir ein Rätsel. Sie nisten auf abgelegenen Inseln, sehr oft in den steilen Wänden. Auf Henderson fanden wir einen jungen Vogel, der gerade seine ersten Schritte machte, den ganzen Tag kam keiner der Eltern in Sicht. Man begegnet ihnen weit auf offener See, ich wundere mich, wo sie und andere Möwen nachts schlafen, ohne von Haien gefressen zu werden.
Auch die Vögel bezahlen für den Fortschritt unserer Zivilisation, nicht genug dass man denen die Futterquelle und die meisten Nistplätze wegnahm, dazu werden von Einheimischen in Pazifik und anderswo die Jungvögel gefangen, die dann auf Regierungs Partys serviert werden, besonders beliebt sind die Babys der großen Fregatvögel. Natürlich sind auch die kleinsten Vögel gefragt, wenn es keine größeren gibt.
Mensch, wache auf, Dein Ende kommt sonst auch bald.






















