(openPR) Neuer Starttermin
Das BWK startet im März 2016 den siebten Jahrgang seiner Bikulturellen Journalistenfortbildung.
Manchmal sind wenige Zahlen klarer als lange Gedankengänge. Jeder Fünfte, so zählt die Statistik, lebt in Deutschland mit einem sogenannten Migrationshintergrund. Im Journalismus jedoch ist dieses Merkmal kaum ausgeprägt. Nur jeder Fünfzigste kann sich dieser Gruppe zuordnen. Wo immer ernsthaft über die Lösung von Integrationsproblemen in Deutschland gearbeitet wird, spielt die besonders missliche Lage in den Medien eine besondere Rolle. Es geht da nicht nur um einen Arbeitsbereich und seine soziale Zusammensetzung. Medien haben einen erheblichen Einfluss darauf, welche Themen in die Öffentlichkeit gelangen, welche Bedeutung ihnen zugemessen wird und wie sie gewichtet und gewertet werden. Migranten bleiben in der Berichterstattung vornehmlich schwarzweiß in den Rollen Opfer oder Täter. Es fehlen die Perspektiven, wie die Realitäten in Deutschland aus dem Blickwinkel der Migranten und ihrer Gruppen gesehen werden.
Mehr Migranten vor und hinter die Kamera, an die Mikrophone, in die Redaktionen: Diese Forderung begleitete von Anfang an die Arbeit am Nationalen Integrationsrat im Bundeskanzleramt. Die Charta der Vielfalt entstand aus ihm, viele Anregungen für die Medien und ihre Berichterstattung und auch die Empfehlung, in der journalistischen Bildungsarbeit neue Standards zu setzen und neue Wege zu ebnen.
Das Berliner „Bildungswerk in Kreuzberg“ (BWK) hat diese Anregungen aufgegriffen und bereits im Jahre 2008 die Initiative ergriffen, einen Ausbildungsgang für den Journalismus aufzubauen, der ausschließlich Migranten offen steht. Die „Bikulturalität“ soll also Grundlage sein, aus der Journalismus entwickelt und aktiv betrieben wird. Zugleich sollte die Ausbildung so aufgebaut werden, dass sie der Entwicklung der Medien im digitalen Zeitalter entspricht. Sie muss also „crossmedial“ ausgerichtet sein. Bewährte Standards der Grundlagen für eine crossmediale Ausbildung waren vorhanden. Neu war ihre Verbindung mit einer individuellen Biografie, die andere Wahrnehmungen und Bewertungen in den Journalismus einbringt.
Eine zweite Hürde musste abgebaut werden, bevor 2009 mit dem ersten Kurs begonnen werden konnte. Für etwa 15 KursteilnehmerInnen mussten Praktikaplätze in den Redaktionen gefunden werden. In den Redaktionen gibt es traditionell Vorbehalte gegen MigrantInnen, weil diese entweder nicht richtig in das Redaktionsmilieu passen oder in der deutschen Sprache nicht über ausreichende Exzellenz verfügen. Letzteres konnte schnell in den Auswahlverfahren widerlegt werden. Gerade in der Sprachkompetenz weisen viele angehende JournalistInnen mit Migrationshintergrund ein bisweilen überdurchschnittliches Sprachvermögen und eine oft ausgebildete Sprachsensibilität aus, wie sie unter deutschen Berufskollegen nicht immer vorzufinden ist.
Um den Weg in die Redaktionen zu öffnen, hat das BWK mit zahlreichen Redaktionen vornehmlich der großen journalistischen Medienhäuser Kooperationsvereinbarungen abgeschlossen. Denn klar war, die neue journalistische Bildungsoffensive kann nicht gegen die Medien, sondern nur mit den Medien gelingen. Die Kooperationstafel des BWK schmücken deshalb auch namhafte Logos: ZDF, WDR, RBB, Tagesspiegel, Berliner Zeitung, taz, Freitag, Metropol FM, BILD, Spiegel und manche mehr. Als besondere Form der Kooperation wurde ergänzend von den Neuen Deutschen Medienmachern ein Mentorenprogramm aufgebaut. Erfahrene, oft prominente Journalistinnen und Journalisten begleiten und beraten die Kursteilnehmer während der Ausbildung und auf ihren ersten Schritten in die redaktionelle Praxis.
Die Ausbildung dauert 15 Monate. Neun Monate lernen die Teilnehmer im Seminar am BWK. Danach gehen sie für sechs Monate in die Redaktionspraktika.
Im März 2016 soll nun bereits der siebte Kurs beginnen. Der obligatorische
01.Oktober konnte im Jahr 2015 erstmalig nicht eingehalten werden. Noch immer sieht sich das Projekt der Problematik ausgesetzt, das einerseits sehr gute BewerberInnen gesucht werden, andererseits die Finanzierung aus den Mitteln der Arbeitsverwaltungen gewährleistet werden muss.
Dies scheint besonders widersinnig, kann doch bereits jetzt behauptet werden, dass dieses Modell - immer noch einmalig in Deutschland – eine Erfolgsgeschichte geworden ist. Zwar sitzt nicht jeder Absolvent auf einem guten Redaktionssessel. Viele arbeiten als freie Journalisten und liegen finanziell, wie alle freien Journalisten, nicht auf rosigen Betten. Aber sie gewinnen Journalistenpreise. Sie arbeiten mit an Spiegel-Titelgeschichten, werden in der Tagespresse präsent und machen den Journalismus über Online, im Fernsehen oder Radio bunter. Die aktuelle Verbleibserhebung zeigt, dass 92% der AbsolventInnen als JournalistInnen oder als PR MitarbeiterInnen arbeiten. 85% können ohne Unterstützung damit ihren Lebensunterhalt verdienen (Erhebung vom Juni 2015).
Die DozentInnen sind allesamt renommierte und erfahrene JournalistInnen, die überwiegend selbst die Erfahrung journalistischer Arbeit als MigrantIn machen.
Die Förderung kann durch die Jobcenter erfolgen, sofern die BewerberInnen arbeitssuchend gemeldet sind.
Weitere Informationen für InteressentInnen gibt gerne der Projektleiter











