(openPR) Ursprünglich sind Menschen wie ihre äffischen Vorfahren vor allem damit beschäftigt, ihre leiblichen Bedürfnisse zu befriedigen. Daneben spielen sie als Rudeltiere ihre Rollen. Mit der Zeit erkennen einige, daß sie bestimmte Aufgaben, die für den Lebensunterhalt ihres Rudels notwendig sind, besser als andere tun können. Sie spezialisieren sich darauf und erwerben damit Ansehen und Tauschmittel, in jüngster Zeit z.B. Geld. Das ist der Beginn der Arbeitsteilung.
Es entstehen Kunden-Lieferanten-Beziehungen. Der Erfolg bei der Befriedigung von Kundenbedürfnissen und die dadurch steigende Nachfrage treibt die Lieferanten an, mehr zu produzieren. Sie gewinnen Übung und Erfahrung. Das für die Kunden zu Tuende können sie immer besser tun, Systematisierung und Organisation führen zu höherer Produktivität. Beim Tauschen ihrer Produkte und Dienstleistungen gewinnen sie die Mittel zur Steigerung der Produktivität und zur Erweiterung ihres Angebots. Darüber hinaus bleibe ihnen immer mehr Mittel für persönliche Zwecke.
Die Produzenten und Dienstleister binden immer mehr Mitmenschen als Produktionsmittel in den Produktionsprozeß ein. Das Produktionssystem beginnt allmählich eigene Bedürfnisse zu „entwickeln“, denen die in ihm tätigen Menschen entsprechen müssen. Das System soll möglichst reibungslos funktionieren und es soll wachsen, sich ausbreiten, Mehrwert erwirtschaften. Gemessen am schließlich einzigen Erfolgsmaßstab: dem Profit, muß es erfolgreich sein.
Menschen, die nicht profitabel eingesetzt werden können, sind überflüssig. Sie können von Glück sagen, wenn sie hohe Abfindungen oder gute Pensionen bekommen. Die meisten vegetieren als Verharzte.
Mit fortschreitendem Wachstum unter dem Gesetz der Profitmaximierung nehmen die Bedürfnisse des Produktionssystems immer mehr zu und bedrängen immer stärker die Bedürfnisse derer, für deren Bedürfnisse eigentlich produziert werden sollte. Schließlich geht es überhaupt nur noch um die Befriedigung der Systembedürfnisse bzw. um die Befriedigung der Bedürfnisse derer, die über das Produktionssystem verfügen. Die Bedürfnisse der Menschen, seien sie Produktionsmittel oder Abnehmer der Produkte und Dienstleistungen, spielen nur noch eine untergeordnete Rolle, soweit man sie nicht gänzlich vernachlässigen oder im Sinne der Systembedürfnisse manipulieren kann.
Der Begriff „Dienstleistungsgesellschaft“ bekommt die Bedeutung: Die Massen werden benutzt, um der herrschenden Minderheit zu dienen.
Nicht mehr die menschlichen Bedürfnisse, denen das System ursprünglich dienen sollte, sondern die Systembedürfnisse dominieren. Am Ende sind nicht mehr die Menschen der Zweck und das Produktionssystem das Mittel zu ihrer Bedürfnisbefriedigung, sondern umgekehrt das Produktionssystem der Zweck und die Menschen die Mittel zu seiner Bedürfnisbefriedigung. Wir erleben derzeit wie Mensch im Prozeß der Zivilisation vom Zweck zum Mittel degeneriert. Sogar die jeweiligen Beherrscher dieses Prozesses sind schließlich nichts weiter als seine Sklaven.
Schöne neue Welt. Aldous Huxley hat weit voraus geblickt. Aber müssen vernünftige Menschen diesen Entwicklungsprozeß der Zivilisation wirklich unaufhaltsam weiter vorantreiben?
Prof. Querulix, Essayist, Aphoristiker, Satiriker und Alltagsphilosoph, redet Tacheles In fünf Bänden eBooks sind seine zeitlos-zeitkritischen Beobachtungen und Kommentaren zum fragwürdigen Treiben des Menschentiers bereits im eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital (www.read.ruedenauer.de) erschienen. Ein sechster Band wird vorbereitet. Die eBooks sind für je 9,95 Euro beim Verlag und in allen guten (Internet-)Buchhandlungen erhältlich.
READ Pressestelle













