(openPR) Straßennamen sind historische Dokumente, Zeugnisse der Wertschätzung, die Personen oder Ereignisse zur Zeit der Straßenbenennung genossen haben. Eine Umbenennung läuft daher auf eine rückwärts gewandte Korrektur der Geschichte hinaus, genauer gesagt: Auf eine erinnerungspolitische Umdeutung von Geschichte , die in der Regel mit den aus unserer Gegenwart stammenden moralischen Bedenken begründet wird.
Schon Immanuel Kant hat bei der Begründung seines kategorischen Imperativs („Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“), dessen moralische Aspekte auch aktuell maßgebend sind, diesen als Ergebnis historischen Fortschritts angesehen und deshalb seine Anwendung für die Zukunft verlangt, für die Vergangenheit dagegen ausgeschlossen. Georg Wilhelm Hegel hat ebenso festgestellt, dass universale Rechte – und hier geht es um Menschenrechte – eine historische Genese benötigen. Die Anlegung eines gegenwärtigen Maßstabs an Handlungen der Vergangenheit führt zu unauflöslichen logischen Widersprüchen – man denke nur (im Blick auf H.G.Wells) an die Zeitreise, deren Ergebnis die Tötung der eigenen Vorfahren und damit die Beseitigung der eigenen Existenz sein kann - ; sie bedeutet zugleich eine Missachtung der Sinn- und Wertsysteme früherer Generationen, also der Vorläufer der eigenen Gemeinschaft, was praktisch deren völligen Identitätsverlust zur Folge haben kann, weil niemand sich mit jener Vergangenheit zu identifizieren wagt, die doch überhaupt in ihrer geschichtlichen Entwicklung erst den moralischen Standpunkt der Gegenwart herbeigeführt hat.
Damit erweist diese Haltung sich als gemeinschaftsfeindlich, als asozial, und sie ist auch barbarisch – schon im alten Ägypten haben manche Pharaonen die Vorgänger über den Tod hinaus mit ihrem Hass verfolgt und die Namen aus den Steinplatten meißeln lassen, um ihnen den Weg in die Unsterblichkeit zu verbauen (so Thutmosis III. 1479 v.Chr., gegen Hatschepsut).
Sie ist auch undemokratisch, wie ein Blick in Orwells Roman „1984“ zeigt, in dem die totalitäre Herrschaft des Großen Bruders u.a. auf dem Leitsatz beruht: „Wer die Vergangenheit beherrscht, beherrscht die Zukunft. Wer die Gegenwart beherrscht, beherrscht die Vergangenheit (Kap.3)“.
Schließlich sei zur praktischen Seite noch angemerkt, dass die Umbenennung von Straßennamen aus jeweiligen tagespolitischen Neubewertungen heraus zu permanenten Umbenennungen und einem instabilen, rollierenden Straßennamensystem führen kann, das nicht Ordnung und Orientierung bietet, sondern Chaos stiftet.









