(openPR) Erstmals erhielt 2002 keine Person oder Gruppe den Karlspreis für besondere Verdienste um die europäische Einigung, sondern der Euro. Der Euro, so die Begründung, fördere die Identifikation der europäischen Völker mit Europa.
Der damalige Laudator, der italienische Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi, sprach von einem "historischen Moment". Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, nahm die Preis-Urkunde und die Medaille nahm, entgegen. In seiner Dankesrede sprach er von einem „kühnen Schritt“, die Gemeinschaftswährung als Mittel eines umfassenderen Prozesses einer nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch politischen Vereinigung Europas zu konzipieren.
Die Einführung der Gemeinschaftswährung war nicht nur ein kühner Schritt, sondern ein sehr leichtsinniger Schritt, bei dem die absehbaren Probleme mit den unterschiedlichen Mentalitäten der der Mitgliedsvölker ganz außer Acht gelassen wurden. Aber am verhängnisvollsten war die erschummelte Aufnahme Griechenlands und der Verzicht auf den Hinauswurf nach der Entdeckung.
Heute befindet sich der Euro in höchster Gefahr. Nicht nur wegen Griechenland, daß möglicherweise doch noch aus der Währungsunion ausscheiden wird, sondern auch wegen der Tagträumerei einiger Politiker, die sich an dem Gedanken erwärmen, ihre unsolide Haushaltspolitik auf Dauer von den solide wirtschaftenden Ländern alimentieren zu lassen.
Der Euro ist eine Frühgeburt, der leider nicht die fachkundige Aufmerksamkeit und Betreuung zuteil geworden ist, die sie gebraucht hätte. Die Politiker, die gegen den Rat der Fachleute auch Staaten in die Eurozone aufgenommen haben, deren Bevölkerung eine eher laxe Einstellung zu solider Haushaltspolitik, Inflation, Vetternwirtschaft, Korruption und Steuerehrlichkeit haben, haben sich als Amateure geoutet.
Ratlosigkeit hat sich verbreitet. Und die Furcht vor den ungewissen Folgen eines Zerbrechens der Eurozone. So ist das, wenn man die Zügel schleifen läßt und der Gaul durchgeht. Die Frage ist deshalb jetzt nur noch: Wieviel Geld sind Deutschland und andere Geldgeber bereit, für die europäische Idee und ihr Symbol zu bezahlen? Oder genauer: Wieviel Geld können die, die über Deutschland verfügen, den sozialen Unter- und Mittelschichten des Landes in den kommenden Jahren (und Jahrzehnten?) für die Rettung und Erhaltung des Euros aus der Tasche ziehen, ohne politische Instabilitäten zu riskieren und soziale Unruhen zu erzeugen?
Die Verleihung des Karlspreises war wohl doch sehr verfrüht. Man soll den Tag bekanntlich nicht vor dem Abend loben.
Bleiben wird auf jeden Fall eine Rarität. Anläßlich der Verleihung des Karlspreises wurde Kassette mit sämtlichen 12 Kursmünzensätzen der Gründerstaaten hergestellt. Jeder Kursmünzensatz ist auf einer eigenen Karte untergebracht, auf der auch interessante Informationen zu dem betreffenden Land zu lesen sind. Die Auflage dieser Gedenk-Kassette betrug nur 2002 Exemplare. Die Besitzer dieser Kassette verfügen auf jeden Fall über eine historische Erinnerung und Rarität ersten Ranges. Eine Abbildung ist auf der WebSite www.sammlerfreund.de zu sehen.
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