openPR Recherche & Suche
Presseinformation

SoziologInnen untersuchen Esskultur im Wandel

24.08.201513:43 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Essen und Körper werden immer mehr zum Ausdruck von Lebensqualität und Identität. Welche gesellschaftlichen Auswirkungen der Wandel von Esskultur hat, wird nun in einem Projekt des Wissenschaftsfonds FWF am Beispiel von Vietnam untersucht.


Bis 2050 wird die Zahl der Bevölkerung laut demografischen Prognosen auf neun bis zehn Milliarden anwachsen. Eine der zentralen Fragen rund um das Bevölkerungswachstum ist jene der Ernährung. Dabei kommen hier zunehmend die Folgen des Nahrungsmittelüberflusses zum Tragen. Diese Entwicklungen stellen auch die Forschung vor große Herausforderungen. Ein Grundlagenforschungsprojekt des Wissenschaftsfonds FWF will dem Thema nun eine neue Perspektive aus entwicklungssoziologischer Sicht hinzufügen. Am Beispiel von Vietnam untersuchen Forscherinnen und Forscher der Universität Wien den Wandel in der globalen Esskultur und fragen, welchen Sinn Menschen dem Essen und ihrem "konsumierenden" Körper heute zuschreiben.

Empirisches Verständnis entwickeln
Nach Jahren des Krieges und der Nahrungsmittelknappheit erlebt Vietnam derzeit einen Boom an Lebensmittelvielfalt, an moderner Esskultur und Esstrends, wie sie gerade in urbanen Regionen weltweit zu beobachten sind. "Essen wird immer mehr zum Ausdruck von Lebensqualität, Lebensstil und einer Frage der Zugehörigkeit", erklärt Judith Ehlert vom Institut für Internationale Entwicklung der Uni Wien. In dem soeben gestarteten dreijährigen FWF-Projekt "Ein körperpolitischer Ansatz des Essens" geht die Soziologin mit ihrem Team den gesellschaftlichen Auswirkungen einer sich verändernden Esskultur nach. "Das Thema Esskultur ist sozusagen ein Vergrößerungsglas, anhand dessen größere gesellschaftliche Veränderungsprozesse in Vietnam, aber auch weltweit, verstanden werden sollen", erklärt Ehlert das Ziel des Projekts.

Fragestellungen der Feldforschung
Das Projekt hat einen klaren urbanen Fokus. Geforscht wird in der Metropole Ho-Chi-Minh City mit ihren 7,1 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. Vor Ort erheben die Wissenschafterinnen und Wissenschafter der Universität Wien über einen Zeitraum von rund einem Jahr zahlreiche Daten. Dazu führen sie Gespräche mit Expertinnen und Experten aus unterschiedlichsten Bereichen wie zum Beispiel der Medienbranche, aus der Gastronomie, der Medizin oder Diätologie. Interviews mit Fokusgruppen aus der Bevölkerung sollen weiters Antworten auf Fragestellungen rund um die Themen Essen und Alter, Geschlecht, soziale Zugehörigkeit, Körperkonzepte und Schönheitsideale liefern.

Essen verbindet, oder doch nicht?
Vietnam ist dabei für die Wissenschaft von besonderem Interesse, weil das Land über viele Jahrzehnte für Forschung, besonders ethnografische Forschung, nicht zugänglich war. Zudem befindet es sich inmitten eines starken Veränderungsprozesses. Erst Mitte der 80er-Jahre erlebte Vietnam eine Marktöffnung. Noch weit später, 2007, erfolgte der Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO. Im Fall von Vietnam würde sich laut Ehlert insbesondere die Frage stellen, wie Ess-, Körper- und Lebensstilpraktiken für die entstehende Mittelschicht eine identitätsstiftende Rolle spielen und generell zur sozialen Differenzierung beitragen.

Soziale Distinktion, Körperkonzepte und Schönheitsideale
"Schon zu Kolonialzeiten hat das propere Kind einen Klassenunterschied gemacht. Auch heute ist der wohlgenährte Nachwuchs der Beweis dafür, dass man sich Essen leisten kann. Oft werden Kinder aber 'überfüttert'", weist Ehlert auf die Problematik gesundheitlicher Folgen hin. Gleichzeitig boomt auch in Vietnam die Schlankheits- und Diätindustrie. Dabei vermischen sich westliche und asiatische Schönheitsideale. Bleaching-Cremes sollen zu einer helleren Haut verhelfen. Dem männlichen Ideal des muskulösen Körpers kann mit der Einpflanzung von künstlichen "Sixpacks" nachgeholfen werden. "Alle diese Ideale, Regeln und auch kulinarischen Geschlechterzuschreibungen werden gerade neu verhandelt", so die Soziologin und nennt ein Beispiel: "Vor der Öffnung Mitte der 80er-Jahre waren öffentliche 'kulinarische Räume' männlich dominiert. Heute weichen diese Geschlechterräume auf. Und dennoch bleiben Rollenzuschreibungen bestehen. Männer trinken bevorzugt den bitteren und starken schwarzen Kaffee, Frauen den weiblich konnotierten Eiskaffee mit dickflüssiger, süßer Kondensmilch."

Zur Person
Judith Ehlert hat eine Postdoc-Stelle im Bereich Entwicklungssoziologie am Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien inne. Davor war die Soziologin wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Entwicklungsforschung, Abteilung Politischer und kultureller Wandel (ZEFa), der Universität Bonn. Als Entwicklungssoziologin forscht Ehlert zu den Schwerpunkten Ernährung, Körper- und Schönheitsideale, Umwelt und soziale Räume.

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 867267
 586

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „SoziologInnen untersuchen Esskultur im Wandel“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Der Wissenschaftsfonds FWF

Entwicklungspolitik in der Zeit des Kalten Krieges
Entwicklungspolitik in der Zeit des Kalten Krieges
Historiker der Universität Wien waren in einem Projekt des Wissenschaftsfonds FWF dem Alltag von Entwicklungspersonal zur Zeit des Ost-West-Konflikts auf der Spur. Damit haben sie einen wesentlichen Beitrag zur globalen Geschichte der Entwicklungspolitik geleistet. Rund 30 DDR-Ingenieure, 200 kubanische Monteure und 4.000 einheimische Arbeiter waren am Bau der Zementfabrik "Mugher" in Äthiopien tätig. Die Fabrik, die ab 1980 errichtet wurde und im Wesentlichen noch heute besteht, war nur eines von vielen entwicklungspolitischen Projekten de…
Körpersprache im Unterricht
Körpersprache im Unterricht
Körpersprache nimmt gerade in der Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden einen hohen Stellenwert ein. Das ist das Ergebnis eines Projekts des Wissenschaftsfonds FWF, das seinen Fokus auf die verborgenen Seiten des Unterrichts lenkte. Ein ermunterndes Lächeln, skeptisches Stirnrunzeln, ablehnendes Kopfschütteln: Körpersprache ist vielfältig und wirkt. Die Hirnforschung hat das mit der Entdeckung der Spiegelneuronen wissenschaftlich belegt, indem sie aufzeigte, wie diese Nervenzellen die Handlungen eines Gegenübers, wie zum Beispiel ei…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Architektur trifft EsskulturBild: Architektur trifft Esskultur
Architektur trifft Esskultur
… broich-locations.com präsentierte Premium Caterer Georg W. Broich kürzlich erst sein neues Locationportal, da stehen schon weitere Neuerungen ins Haus. architektur & esskultur heißt die neue Location im Programm des Broich-Locationmanagement. Im Düsseldorfer Szene-Stadtteil Flingern hat die Architektin Petra Sievert und Innenarchitekt Gerhard Leister …
Bild: „smoothfood - 5 Sterne für die Heimküche“ ist erschienenBild: „smoothfood - 5 Sterne für die Heimküche“ ist erschienen
„smoothfood - 5 Sterne für die Heimküche“ ist erschienen
… zum leckeren Essen - Der Lambertus-Verlag verhilft mit dem neuem Kochbuch "smoothfood - 5 Sterne für die Heimküche" Menschen mit Kau- und Schluckstörungen zu mehr Esskultur. Nach Angaben des Deutschen Instituts für Ernährungsmedizin und Diätetik (DIET) leiden bis zu 7 Prozent der deutschen Bevölkerung unter Kau- und Schluckstörungen beim Essen und Trinken. …
Projekte als Kulturerlebnis erfahren auf der interPM 2009
Projekte als Kulturerlebnis erfahren auf der interPM 2009
… Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement und der GI Gesellschaft für Informatik unter dem Motto „Projekte als Kulturerlebnis“. Kooperationspartner sind der Berufsverband Deutscher Soziologinnen und Soziologen (BDS), die Gesellschaft für Organisation (gfo), net´swork, die swiss project management association (spm) sowie der Verband zur Förderung der …
Bild: Provozierende Ergebnisse der InterPM 2006 :" Agiles" Projektmanagement dank erfolgreicher Integration der Praxissoziologie in das Projektmanagement von IngenieurenBild: Provozierende Ergebnisse der InterPM 2006 :" Agiles" Projektmanagement dank erfolgreicher Integration der Praxissoziologie in das Projektmanagement von Ingenieuren
Provozierende Ergebnisse der InterPM 2006 :" Agiles" Projektmanagement dank erfolgreicher Integration der Praxissoziologie in das Projektmanagement von Ingenieuren
… - Vom 28-29.4. 2006 veranstaltete die Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) gemeinsam mit der Gesellschaft für Informatik e.V. und dem Berufsverband Deutscher Soziologinnen und Soziologen (BDS) die InterPM 2006 im Commerzbank Collegium in Glashütten im Taunus. Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement (GPM), Prof. Dr. …
Sozialphysik - erfolgreiches erstes Publikationsjahr
Sozialphysik - erfolgreiches erstes Publikationsjahr
Sozialphysik, ein Online-Magazin für Soziologie (sozialphysik.at) und Publikationsplattform für junge Soziologinnen und Soziologen blickt auf ein erfolgreiches erstes Jahr zurück. Die Resonanz der Leser(innen) bewegte die aktuelle Redaktion dazu, ausgewählte Artikel der ersten sieben Ausgaben in gedruckter Form ab Sommer anzubieten. Für die Zukunft ist …
Bild: Benefiz-Brunch im Restaurant EsskulturBild: Benefiz-Brunch im Restaurant Esskultur
Benefiz-Brunch im Restaurant Esskultur
Hamburg - Am Sonntag, den 7. Oktober 2007, um 10 Uhr, bittet Hannelore Lay zum Klassik-Brunch für die Stiftung Kinderjahre in das Restaurant ESSKULTUR (Trommelstr. 4, 20359 Hamburg). Das Charity-Frühstück wird die junge Sopranistin Julia Wachsmann mit ihrer feinfühligen Stimmarbeit und interpretatorischer Finesse musikalisch begleiten. Als Mitglied …
Bild: Dîner der Grands Chefs: 60 Spitzenköche im Château de VersaillesBild: Dîner der Grands Chefs: 60 Spitzenköche im Château de Versailles
Dîner der Grands Chefs: 60 Spitzenköche im Château de Versailles
… du Monde, Marc Haeberlin, wird am 6. April 2011 ein „Dîner der Grands Chefs“ mit 60 internationalen Spitzenköchen aus neun Ländern zu Ehren der französischen Esskultur im Schloss Versailles stattfinden. Im prunkvollen Rahmen der Schlachtengalerie, nach einer privaten Besichtigung der Spiegelgalerie und der Ausstellung „Trônes en Majesté“ im Herzen …
Bild: SPENDIT AG ist HR Newcomer of the Year in ÖsterreichBild: SPENDIT AG ist HR Newcomer of the Year in Österreich
SPENDIT AG ist HR Newcomer of the Year in Österreich
… keine Restaurants mehr gebunden, die Arbeitgeber profitieren vom automatisierten Administrationsprozess und reduzierten Kosten und die Gastronomen von eingesparten Provisionen. „Wir haben Österreichs ausgeprägte Esskultur schon immer bewundert. Umso mehr sind wir stolz, dass wir sie künftig mit Lunchit digital mitgestalten dürfen. Wir glauben fest daran, …
Die Soziologie der Unterschicht ist nicht weltfern, Herr Minister
Die Soziologie der Unterschicht ist nicht weltfern, Herr Minister
Der Berufsverbandes Deutscher Soziologinnen und Soziologen (BDS) weist die Kritik von Vizekanzler und Arbeitsminister Franz Müntefering zurück,das Wort Unterschicht sei "eine Füllung, die vielleicht lebensfremde Soziologen so gebrauchen können, aber für das politische Handwerk und die gesellschaftliche Debatte nicht zu gebrauchen" sei. "Die Unterschicht …
Bild: Neuerscheinung im Hospiz VerlagBild: Neuerscheinung im Hospiz Verlag
Neuerscheinung im Hospiz Verlag
… ist. Eine hospizliche Haltung führt zu einer deutlich besseren Lebens- und Sterbekultur. Ein wichtiger Aspekt bei der Pflege demenziell erkrankter Menschen ist deren Esskultur. Bei fortgeschrittener Erkrankung kann es nicht selten zu Essstörungen kommen. Es gilt, die Ursache/n für dieses Verhalten zu finden. Erweiterte Ursachenforschung ist notwendig …
Sie lesen gerade: SoziologInnen untersuchen Esskultur im Wandel