(openPR) Die Indizes der Lebenshaltungskosten sind ein äußerst fragwürdiges Instrument zur „Messung“ von Inflation, also Geldentwertung, und auch anfällig für Manipulationen. Daß die EZB den Erfolg ihrer Geldvermehrungs- und Sparerenteignungsaktionen daran mißt, möchte man eigentlich gar nicht glauben. Sie sollte doch wissen, daß Volkswirtschaften heutzutage sehr komplex und mit einfachen Maßnahmen der Geldpolitik wohl kaum zu steuern sind.
Es sieht ganz so aus, als ob offensichtlich Inkompetente auf ihren hochbezahlten einflußreichen Posten ohne jegliche demokratische Legitimation grausames Schicksal für Millionen Menschen spielen, ohne zu wissen, was sie eigentlich tun, wenn sie Banken und Bankster immer neue Geldfluten in die gierigen Rachen schütten. Offiziell jagen sie das Gespenst der Deflation, inoffiziell finanzieren sie vor allem Spekulanten.
Daß die – sozusagen amtlich gemessene – Inflationsrate gering ist, hat ganz natürliche Gründe.
Inflation hat immer etwas mit Geldausgeben zu tun. Wenn die Bürgerinnen und Bürger mehr Geld ausgeben sollen als es zur Erhaltung ihres Lebensstandards notwendig ist, müssen sie Gründe dafür haben. Einer der wichtigsten ist wahrscheinlich die Befürchtung, daß künftig alles teurer wird. Dann werden Anschaffungen vorgezogen oder man lebt ein wenig „besser“ in der Befürchtung, daß man es sich in Zukunft vielleicht nicht mehr leisten kann. Davon kann aber keine Rede sein, wenn auch – oft politisch verschuldet oder sogar administriert – manche Preise tatsächlich steigen.
Wertstoffe, wie zum Beispiel Rohöl, Erdgas, Aluminium, Kupfer, Gold, Silber, Platin sind sogar erheblich billiger geworden. Rohöl gibt es derzeit mehr als genug und zu den im Verhältnis zu ihrer Seltenheit niedrigen Börsenkursen vieler Edel- und Industriemetalle muß man die Bankster befragen, was sie vorhaben. Vielleicht arbeiten sie am größten Coup, den die Menschheit jemals gesehen hat, oder unwissentlich an am größten Bankenkrach der Weltgeschichte.
Selbst die starkt gedrückten Edelmetallkurse sind aber kein Indiz für eine Deflation. Das anzunehmen, weil die Inflation derzeit – mit unzureichenden Mitteln „gemessen“ – gering zu sein scheint, ist hanebüchen. Und noch abwegiger ist die Annahme, die Bankster würden lieber Kredite geben als mit dem vielen neuen faktisch kostenlosen Geld der EZB zu spielen. Letzteres ist für sie viel lukrativer und sie können ihre Bilanzen besser aufhübschen. Und wenn die Blasen platzen, können sich die Bankster als Insider noch am besten retten.
Stagnierender Preisauftrieb und in Einzelfällen auch rückläufige Preise sind auch auf mangelnde Kaufkraft zurückzuführen, die Warenanbieter daran hindert, ihre Preise zu erhöhen. Wer Geld ausgeben soll, muß es schließlich erst einmal haben. Nur mit Krediten, auch wenn sie für die Verbraucher erschwinglich sind, ist es nicht getan. Vielen Menschen liegt es nicht, auf Pump zu leben und dafür auch noch zusätzlich Geld auszugeben. Dennoch sind viele Millionen Haushalte in Deutschland bereits hoch verschuldet, auch überschuldet und faktisch bankrott. Sie bekommen nicht einmal mehr einen Kleinkredit und fallen als Konjunkturlokomotiven und Inflationstreiber trotz aller Konsumbereitschaft aus.
Eine sehr geringe Geldentwertung ist unter den gegebenen Umständen vollkommen normal und gar nicht anders zu erwarten. Wenn man überhaupt an deflationäre, also über einen normalen Rückgang der Inflation hinausgehende Tendenzen denken kann, dann im Zusammenhang mit fortgesetzter Verarmung der Bevölkerung. Denn die Enteignung der Sparer durch reale Negativzinsen ruiniert sukzessive die privaten Altersversorgungen von Millionen Bürgerinnen und Bürgern, die auf Geldsparen beruhen, wie z.B. Kapitallebensversicherungen. Angesichts des von den Agendapolitikern abgesenkten Niveaus der gesetzlichen Rentenversicherung und unzureichender Renten von Bürgerinnen und Bürger mit besonderen – in vielen Fällen auch von verfehlter Sozal- und Arbeitspolitk verschuldeten – gebrochenen Erwerbsbiographien ist in Zukunft ein erheblicher Nachfragerückgang mangels Kaufkraft zu erwarten.
Kann es nennenswerte Inflation geben, wenn seit Jahren immer mehr Menschen ärmer werden? In den Industrieländern steigen Einkommen seit mehr als drei Jahrzehnten umso stärker, je höher sie schon sind. Vorstände von Großunternehmen erhalten hohe Millionengehälter zuzüglich, meist vom Börsenkurs ihrer Unternehmen abhängiger üppiger Boni, auch wenn sie nur das Allernötigste dessen leisten, was man von Geschäftsführern erwarten sollte. Die Einkommen ihrer Mitarbeiter versuchen dieselben Vorstände mit allen Mitteln, vorzugsweise durch Schließung oder Ausgliederung von Betriebsteilen, zu drücken, um im Wettbewerb mit Billiglohnländern mithalten zu können.
Niedrige Einkommen sinken je geringer sie schon sind. Die Zahl der prekären Arbeitsverhältnisse, von deren Lohn niemand leben kann, nimmt auch in Deutschland beängstigend zu. In der Arbeitslosenstatistik sieht diese soziale Katastrophe dann gut aus. Die Folgen für die Gesellschaft sind dagegen katastrophal und die sozialen und politischen Auswirkungen werden uns noch große sorgen bereiten. Die gegenwärtige „Generation Praktikum“ hat bis ins mittlere Lebensalter keine befriedigenden Lebensperspektiven, wenn sie überhaupt jemals solche erreicht. Die Folgen: Familiengründung wird fraglich, eine auskömmliche Rente ist nicht mehr zu verdienen, und für private Altersvorsorge fehlt das Geld. Die Politiker aller Couleur fördern das Reicherwerden der Reichen und das Ärmerwerden der Armen nach Kräften, statt der zunehmenden sozialen Schieflage und den absehbaren sozialen und politischen Folgeproblemen mit konsequenter, am Allgemeinwohl orientierter Arbeitsmarkt- und Steuerpolitik zu begegnen.
Inflation verlangt nachhaltig steigende Masseneinkommen und damit einhergehend gesteigertes Geldausgeben, das den Warenanbietern ermöglicht, ihre Preise zu erhöhen. Damit dieser Prozeß ingang kommt, müßten die Gewerkschaften aber erst einmal auf breiter Front dafür sorgen, daß vor allem die unteren Einkommen kräftiger steigen als bisher und prekräre Arbeitsverhältnisse verhindert werden. Das kann ebenso durch streikbewährte Forderungen wie auch durch engagierte Lobbyarbeit, zum Beispiel zur Änderung des Einkommensteuertarifs zugunsten niedriger und zu Lasten hoher Einkommen geschehen. Der steigenden Zahl nicht auskömmlicher Altersrenten muß mit einer zur Teilnahme am sozial-kulturellen Leben auskömmlichen Mindestrente begegnet werden.
Solche am allgemeinen Wohl orientierten politischen Entscheidungen kommen aber weder Christdemokraten noch Sozialdemokraten in den Sinn. Namen sind in der Politik eben immer Etikettenschwindel und nichts weiter als Mimikry. „Wer Politiker gerecht beurteilen will, sollte nicht vergessen, daß die meisten von ihnen nicht antreten, um die Probleme des Staates und der Bevölkerung zu lösen, sondern ihre eignen“, gibt Prof. Querulix zu bedenken.
Solange die von der EZB – wie auch von anderen Notenbanken weltweit – frisch „gedruckten“ Milliarden und Billionen im Finanzsystem versickern und nur Bankstern und Großspekulanten für ihre Spielchen zur Verfügung stehen, kann Inflation nur bei Anleihen, Aktien, Immobilien sowie bei Kunst und Antiquitäten staatfinden, die immer teurer werden, ohne deshalb an nachhaltigem volkswirtschaftlichem Wert zu gewinnen – Blasen eben, die platzen werden, sobald die ersten Spekulanten kalte Füße bekommen. Und dafür wird es auch diesmal einen Anlaß geben, vielleicht einen ganz lächerlichen, aber die Auswirkungen werden katastrophal sein.
Anregungen für die Politik in der Zeit danach gibt eine kleine Studie mit dem Titel „Unbedingtes individuelles Grundeinkommen in Gestalt einer negativen Einkommensteuer - Kernstück einer unvermeidlichen Radikalreform unserer Gesellschaft“. Die Einkommenssicherung für die gesamte Bevölkerung betrachtet der Verfasser lediglich als Herzstück einer grundlegenden sozialen und politischen Reform, die nach einem möglichen wirtschaftlichen Zusammenbruch oder kriegerischen Ereignissen leichter durchzuführen wäre als mit etablierten Nützlingen des Status quo an den Schaltstellen des politischen Machtsystems. Die Studie (ISBN 978-3-943788-18-1, eBook (PDF), 79 S., ist für 9,95 Euro beim eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital (www.read.ruedenauer.de) und in allen guten (Internet-)Buchhandlungen erhältlich.
„Ob Christ, Sozialer, Freidemokrat oder Sozialist: Wenn die Moral der Politik kollabiert, landet die Gesellschaft auf dem Mist.“ (Prof. Querulix)
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