(openPR) Das Ringen um bessere Löhne für die Beschäftigten der Kommunen und des Bundes wird zum Kräftemessen. In unvorhergesehener Stärke zeigten sich die Gewerkschafter heute in Bochum. Der DBB NRW hatte dort zum Warnstreik aufgerufen.
Statt der erwarteten 3.000 Menschen waren 8.000 dbb-ler aus ganz Nordrhein-Westfalen in die alte Zechenstadt gekommen. Sternförmig verstopfen die Reisebusse schon vormittags die Autobahnen. Über facebook posteten viele die Uhrzeiten, zu denen sie voraussichtlich eintreffen würden.
Die Unverzichtbaren zu Tausenden in Bochum
Nachdem in den letzten Tagen Busse stehen blieben und Kitas geschlossen waren, schließen sich heute Streiks auf den großen deutschen Flughäfen sowie in Bochum an. Mitglieder des Deutschen Beamtenbundes haben sich mit Vertretern vieler Fachgewerkschaften - darunter vor allem der komba, NahVG, GdS und VDStra - auf den Weg gemacht und die Stadt magenta eingefärbt. Schon ab 10 Uhr dominierte die dbb-Farbe den Kirmesplatz auf der Castroper Straße. Da war Treffpunkt und Ausgabe von Streikwesten für die rund 8.000 Beschäftigten. Von dort aus trugen sie ihren Unmut laut pfeifend auf die Straße. Angeführt von jungen Arbeitnehmern, die gemeinsam ein XXL-Shirt mit der Aufschrift "Die Unverzichtbaren" füllten, unterstützte die Jugend der dbb-Familie den Streikzug. Auch Maskottchen "Horst" begleitete den kompletten Zug und bildete für viele einen Blickfang.
Wirkungsvoll zeigte sich der Marsch der Tausenden und ließ zahlreiche Passanten innenhalten. Mit Handys fotografierten sie die pfeifenden Massen. Der Willy-Brandt-Platz, an dem nach langem Weg durch die Innenstadt die Abschlusskundgebung stattfand, konnte die magentafarbene Menge gar nicht mehr fassen. "Bis in die Nebenstraßen, die den Platz umgeben, standen die Streikenden", berichtet ein Augenzeuge. Seite an Seite standen neben Angestellten auch Beamte, die eigens Urlaub genommen hatten, um den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen, nachdem auch die zweite Verhandlungsrunde vor gut einer Woche ergebnislos zu Ende gegangen war.
Tröpfchenweise Umdenken in der Politik
Der Öffentliche Dienst zwingt das Land zum Umdenken: Die Streiks sind derart massiv geworden, dass die Arbeitgeber darüber nicht länger hinweg sehen können. "Die Beschäftigten haben die Nase voll, weitere Einbußen in ihren Gehältern in Kauf zu nehmen", sagt der Vorsitzende der dbb jugend nrw, Jano Hillnhütter und fährt fort: "Doch das Delta zwischen den Gehaltsvorstellungen ist noch groß." Das kommt tröpfchenweise auch in der Politik an. Heute äußerte der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Martin Burkert, sein Verständnis für die Streikenden des Öffentlichen Dienstes, um auf diese Art und Weise die laufende Tarifrunde zum Erfolg zu führen.
"Ohne euch gibt es Stillstand", rief komba-Bundes- und Landesvorsitzender Uli Silberbach den Streikenden von der Bühne aus zu. Der komba-Landesjugendvorsitzende Christian Dröttboom nahm in seiner Ansprache vor allem Bezug auf die Diätenerhöhung des Bundestages und das Gerangel um das Offenlegen von Nebenverdiensten.
3,5 Prozent - alles andere als maßlos
Die Streikenden hatten beim Umzug Schilder mit der Aufschrift: "Wasser predigen und Wein saufen" hoch gehalten. Viel Zustimmung bekam Dröttboom für seine Äußerung: "Ich gönne euch, liebe Politiker, sogar ein wenig euren Wein. Aber: Wir trinken nicht euer Wasser!" Die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes wollen auch eine gerechte Entlohnung ihrer Arbeit. "Für die seid ihr als Gesetzgeber und Regierungen verantwortlich", erinnerte er die Politik an ihre Verantwortung. Eine Forderung von 3,5 Prozent angesichts eigener Mehrverdienste als maßlos zu bezeichnen, sei unglaubwürdig. Vor allem in Anbetracht dessen, dass viele Berufsgruppen des Öffentlichen Dienstes in Deutschland unverzichtbar geworden seien.
In wenigen Tagen wird man sehen, was das Aufbäumen der Beschäftigten in den Köpfen der Arbeitgeber bewirken konnte und was von den Forderungen von 100 Euro Sockel und 3,5 Prozent mehr Einkommen sowie eine unbefristete Übernahme für alle Auszubildenden auf der Arbeitgeberseite ankommt. Am 31. März werden die Verhandlungen in Potsdam fortgesetzt.












