(openPR) Er sagt, er sei nicht pädophil. Er sagt, er könne nicht nach Hause, um persönliche Angelegenheiten zu klären, wie Pflanzen gießen und Post sichten, weil sich vor seinem Haus drei Autos mit Journalisten und zwei mit Neonazis postiert hätten. Er erklärt, er habe feststellen müssen, dass ihm sein Laptop gestohlen worden sei, als er auf einer privaten Reise mit der Bahn den Zug verlassen und das Gerät währenddessen unvorsichtigerweise an seinem Sitzplatz gelassen habe. Was der frühere SPD- Politiker und Bundestagsabgeordnete nicht sagt, ist, dass ihm sein Verhalten, Nacktaufnahmen von Kindern und Jugendlichen gekauft zu haben, leid täte.
Stattdessen rechtfertigt er den Besitz der bei ihm gefundenen Nacktaufnahmen von Kindern und Jugendlichen mit dem Argument, der männliche Akt - auch der von Kindern und Jugendlichen - hätte in der Kunstgeschichte eine lange Tradition und man könne dies ästhetisch finden, müsste es aber nicht. Das können wir als Verein, der sich für Betroffene sexualisierter Gewalt einsetzt, nicht nachvollziehen. Wir möchten an dieser Stelle ganz klar betonen: Ein Kind wird sich freiwillig niemals in sexuell anregende Positionen begeben, oder gar den Akt vollziehen und ein Jugendlicher würde sich dabei sehr wahrscheinlich nicht ablichten oder gar filmen lassen wollen. Uns erinnert dies an die Pädophilie-Diskussion in den 70ern und 80ern, bei der die Päderastie im antiken Griechenland gern als Beleg für mögliche einvernehmliche Sexualkontakte von Erwachsenen mit Kindern und Jugendlichen angeführt wurde, um die Schutzaltersgrenzen gesetzlich abzuschaffen. Mal ganz davon abgesehen, dass solche Aufnahmen ganz sicher nicht mit der Absicht hergestellt werden, um „Kunst“ zu schaffen. Darüber hätte sich Herr Edathy doch bewusst sein müssen.
Das zeigt uns, dass es noch immer Lücken im Gesetz gibt, die sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen legitimieren. Bilder und Videos von Kindern und Jugendlichen, die mit der kommerziellen Absicht aufgenommen werden, um beim Betrachter pädophile Neigungen zu befriedigen, stellen einen schweren Verstoß gegen die Menschenwürde dar. Auch wenn diese Bilder selbst keine sexuellen Handlungen zeigen, liegt ihnen unserer Auffassung nach aufgrund der fehlenden Spontanität eindeutig ein sexueller Missbrauch zu Grunde.
Edathy beruft sich immer wieder auf seine Privatsphäre und auf das Recht sein Privatleben frei gestalten zu können, solange man keine Straftat beginge. Damit mag er nicht ganz Unrecht haben, doch fragen wir uns: Hat er beim Bestellen auch an die Privatsphäre der Kinder und Jugendlichen gedacht, die er sich da ansieht? Die Medienberichte über die Opfer solcher Bilder scheinen Herrn Edathy kalt zu lassen. Schade, dass er keinerlei Einsicht zeigt, denn als Person des öffentlichen Lebens hat er somit die Chance vertan aktiv dazu beizutragen, die Situation der leidtragenden Kinder und Jugendlichen zu verbessern.
Auch wenn die Umstände, wie diese Sache öffentlich geworden ist, für Herrn Edathy bedauerlich sein mögen, ist sein Verhalten unserem Verständnis nach nicht nur moralisch äußerst verwerflich, sondern auch missbräuchlich gegenüber den Kindern und Jugendlichen, deren Bilder und Videos er konsumiert hat. „Würde man Edathys Argumentation folgen, würde künftig womöglich auch die Visualisierung von sexuellem Kindesmissbrauch - übrigens auch Kinderpornografie genannt - unter dem Deckmantel der Kunst geführt werden.“ (Ingo Fock). Die nun stattfindende Debatte ist längst überfällig und wäre ohne Sebastian Edathy wahrscheinlich nicht in Gang gekommen.









