openPR Recherche & Suche
Presseinformation

„Dünnbrettbohrer“ dominieren die Sterbehilfedebatte

21.01.201417:04 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
Bild: „Dünnbrettbohrer“ dominieren die Sterbehilfedebatte
Das kritische Internetportal zum Medizin-, Pflege- und Gerontopsychiatrierecht - Lutz Barth
Das kritische Internetportal zum Medizin-, Pflege- und Gerontopsychiatrierecht - Lutz Barth

(openPR) Mit Verlaub: Es ist nahezu unerträglich, auf welchem Niveau derzeit der Sterbehilfediskurs geführt wird.

Die jahrzehntelange Debatte über das frei verantwortliche Sterben eines schwersterkrankten und sterbenden Menschen und die Diskussion über die Liberalisierung des ärztlich assistierten Suizids wird nahezu ausgeblendet.



Die Protagonisten eines generellen Verbots der Sterbehilfe haben mal wieder eine Allianz „gegründet“ und so verwundert es nicht, wenn es dem neuen Bundesgesundheitsminister gelingt, sich zugleich als oberster Lebensschützer der Nation in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Von einem „ethischen Zuchtmeister“ kann derzeit nicht die Rede sein, will er doch immerhin bei einer möglichen Abstimmung im Parlament den Fraktionszwang ausgeschlossen wissen.

Gröhe selbst stößt mit seinem Vorschlag auf großes Interesse nicht nur bei den wertkonservativen Eliten, sondern vor allem auch bei den „Lebensschützern“, die zugleich hohe „Ämter“ in den ärztlichen Selbstverwaltungskörperschaften und in etlichen sog. „Deutschen Gesellschaften für…“ bekleiden.

Es wird unverhohlen der bisherige wissenschaftliche Meinungsstand in dem Diskurs ausgeblendet und macht es da noch Sinn, hieran zu erinnern?
Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin „wirbt“ für den § 16 in der ärztlichen Musterberufsordnung in ihrer neuesten Stellungnahme – sie wirbt also für ein ethisches Zwangsdiktat und wird sicherlich hierfür viel Lob von den Lebensschützer ernten. Da ist es auch wenig tröstlich, wenn die DGP meint, in besonders gelagerten Fällen könne man/frau von berufsrechtlichen Sanktionen absehen.

Mit Verlaub: Der DGP scheint völlig entgangen zu sein, dass andere, ebenfalls renommierte und in der Gesellschaft anerkannte Mediziner, Ethiker, Juristen und Theologen bis hin zu den Ethikräten eine völlig andere Auffassung vertreten und dass zumindest angeregt wird, eine Liberalisierung der Sterbehilferegelungen wohlbedacht vorzunehmen.

Die bei der BÄK eingerichteten Zentralen Ethikkommission scheint zum „Schweigen“ verpflichtet zu sein, wenngleich ein Blick auch in die aktuelle Zusammensetzung der Mitglieder keinen Zweifel daran aufkommen lässt, dass ein Großteil der Mitglieder für eine Liberalsierung der ärztlichen Suizidassistenz votieren würde, so wie auch der seinerzeitige Vorsitzende der Zentralen Ethikkommission, Urban Wiesing.

Die Statements solcher Persönlichkeiten werden in der Debatte „unterschlagen“; sie finden noch nicht einmal Erwähnung in einer Fußnote, geschweige denn sind die selbsternannten Lebensschützer daran interessiert, sich mit den vorgetragenen Argumenten inhaltlich (!) auseinanderzusetzen.

Gegenwärtig ist es populär, „Sonntagsreden“ zu verkünden. Sachverstand ist eben nicht gefordert und die „Glaubenskrieger“ unter den politisch Verantwortlichen können sich „ihrer Sache“ sichern sein: es wird sich kein nennenswerter ziviler oder ethischer Ungehorsam weder bei der Bevölkerung noch bei der Ärzteschaft regen, hat sich doch die Debatte um das frei verantwortliche Sterben schon längst abgenutzt.

Die Fronten sind nach wie vor verhärtet und ein Konsens ist nicht in Sicht.

Lebensschützer singen nach wie vor das hohe Lied auf die Segnungen der Palliativmedizin und das christliche Menschenbild mit all seinen sich daraus ergebenden „Verpflichtungen“, wohlwissend darum, dass auch die Befürworter einer Liberalisierung der Sterbehilfe immer wieder stets betonen, dass die Palliativmedizin selbstverständlich weiter ausgebaut gehört und dass gerade sich die Befürworter durch ein Höchstmaß an Toleranz auszeichnen. Es bedarf keiner gesonderten Betonung, dass ein Jeder nach seiner Facon leben und sterben darf; diejenigen, die da meinen, das Leben sei ein Geschenk Gottes, über das sie nicht verfügen dürfen, mögen sich hieran orientieren und derjenige, der eine andere Vorstellung hegt, mag sich nach seinen Innenansichten ausrichten, um ggf. seinem persönlichen Leid infolge schwerster Erkrankung entfliehen zu können.

Gesinnungsethiker freilich haben naturgemäß erhebliche Probleme, in einem Diskurs über zentrale Grundrechte sich zum Toleranzprinzip zu bekennen, würden diese sich doch letztlich als „ethische Überzeugungstäter“ selbst outen müssen.

Zuweilen wird phantasievoll auf der Klaviatur des „Grundgesetzes ärztlicher Sittlichkeit“ gespielt, ohne hierbei allerdings zu erkennen, dass vermehrt Disharmonien komponiert werden, die jedenfalls einer verfassungsrechtlichen Prüfung nicht standhalten.

Dass das „ethische Zwangsdiktat“ der BÄK salonfähig geworden ist und von den Lebensschützer und Oberethikern in diesem unserem scheinbar so „freien Ländle“ mehr als „nur“ begrüßt wird, ist ein erster Schritt hin zur „abschüssigen Bahn“: Grundrechte sowohl der Ärzteschaft als auch der schwersterkrankten Patienten, die im Zweifel für sich (und zwar nur für sich!) einen frei bestimmten Tod wünschen, werden unverhohlen und systematisch versenkt.

Der erste Schritt in die „ethische Gleichschaltung“ ist getan und wer da glaubt, „Ethik macht frei“, wird sich in naher Zukunft eines Besseren belehren machen müssen.

Wir werden als Bürgerinnen und Bürgern unseres eigenen Todes „beraubt“ und es bleibt da nur die Hoffnung, dass endlich Tacheles geredet wird.
Lassen wir es nicht zu, dass die Lebensschützer unter dem Tarnmäntelchen des „Lebensschutzes“ und des „christlichen Menschenbilders“ Grundrechte schlicht zu Grabe tragen, bevor wir überhaupt beerdigt werden.

Die „ethischen Nebelbomben“, die derzeit von den Lebensschützern, von einigen politisch Verantwortlichen und vor allem auch durch „hippokratische Ärzte und Palliativmediziner“ gezündet werden, sollen im Ergebnis nur eines bezwecken: den ungetrübten Blick auf den rechtsethischen Grundstandard unseres Grundgesetzes zu verhindern!

Die selbsternannten „Experten“ sind weiter denn je davon entfernt, uns mit ihren „pseudowissenschaftlichen Expertisen“ zu überzeugen und ich persönlich finde es tatsächlich unerträglich, mit welcher Arroganz die „Glaubenskrieger“ mit ihren scheinbar lebensbejahenden Botschaften den nachvollziehbaren und frei verantwortlichen Willen eines Schwersterkrankten und Sterbenden begegnen.

Wir als Bürgerinnen und Bürger sind nicht (!) verpflichtet, das ethische „Erbe“ Hippokrates, Hufelands oder auch eines Kants anzutreten, und noch weniger steht es den politisch Verantwortlichen und einigen entrückten Ärztefunktionären, Palliativmedizinern, Theologen und Ethikern zu, uns mit einem „ethischen Zwangsdiktat“ zu überziehen, mit dem wir in die Unfreiheit nicht nur unserer Gewissensentscheidung geführt, sondern mit Blick auf den individuellen Tod „gleichgeschaltet“ werden sollen!

Ein unglaublicher Vorgang im aufgeklärten 21. Jahrhundert und es bleibt zu hoffen, dass sich letztlich doch eine breite Allianz gegen eine solche „Zwangsethisierung“ bildet, mag auch dies auch nach jahrzehntelangen Diskussionen schwer fallen.

Wir müssen auch im noch „jungen“ Jahr 2014 um unsere „Freiheiten“ kämpfen und die Diskussion vitaler als bisher führen. Die Lebensschützerfraktionen werden dies aushalten müssen, auch in der Gewissheit, dass diese völlig zu Recht befürchten müssen, letztlich als ethische Überzeugungstäter überführt zu werden!

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 772178
 831

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „„Dünnbrettbohrer“ dominieren die Sterbehilfedebatte“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von IQB - Medizin-, Pflege- und Psychiatrierecht - Lutz Barth

Bild: Wir sollen nicht sterben wollenBild: Wir sollen nicht sterben wollen
Wir sollen nicht sterben wollen
Der „Diskurs“ (?) über das frei verantwortliche Sterben eines schwersterkrankten und sterbenden Menschen ist nach wie vor nicht nur soziologisch unterbelichtet, sondern zeichnet sich insbesondere durch Glaubensbotschaften der selbsternannten „Oberethiker“ und deren „Geschwätzigkeit“ aus. „Lebensschützer“ meinen zu wissen, was die Schwersterkrankten und Sterbenden wünschen und welcher Hilfe diese am Ende ihres sich neigenden Lebens bedürfen. Mit Verlaub: Es reicht nicht zu, stets die Meinungsumfragen zu kritisieren, in denen die Mehrheit der…
Bild: Sterbehilfedebatte - Der Kreis der ethischen Überzeugungstäter ist überschaubarBild: Sterbehilfedebatte - Der Kreis der ethischen Überzeugungstäter ist überschaubar
Sterbehilfedebatte - Der Kreis der ethischen Überzeugungstäter ist überschaubar
Es scheint an der Zeit, in einer hoch emotionalisierten Debatte „Ross und Reiter“ zu benennen, die sich fortwährend um den „Lebensschutz“ scheinbar verdienstbar gemacht haben und unbeirrt auf ihrer selbst auferlegten Mission fortschreiten. Einige politisch Verantwortlichen sind gewillt, die „Sterbehilfe“ gesetzlich zu regeln und wie es scheint, besteht das Ziel in einer strikten Verbotsregelung. Auffällig ist, dass es sich um eine handverlesene Schar von Ethiker, Ärztefunktionären, freilich auch Theologen und Mediziner handelt, bei denen ber…

Das könnte Sie auch interessieren:

Sterbehilfe und Strafrecht: Die politisch Verantwortlichen melden sich zu Wort
Sterbehilfe und Strafrecht: Die politisch Verantwortlichen melden sich zu Wort
Nachdem bereits der Präsident der BÄK zur Sterbehilfedebatte sein Statement abgegeben hat, ziehen nun die politisch Verantwortlichen nach. Sowohl die Bundesjustizministerin als auch die Landesjustizministerin aus Bayern lassen in ihren Verlautbarungen erkennen, dass diese keinen strafrechtlichen Reformbedarf bei den Fragen am Lebensende feststellen können. …
Bild: Paradigmenwechsel in der Sterbehilfedebatte gefordertBild: Paradigmenwechsel in der Sterbehilfedebatte gefordert
Paradigmenwechsel in der Sterbehilfedebatte gefordert
mmte Sterben noch vor uns zu Grabe getragen werden. Neben dem zivilen Ungehorsam muss sich insbesondere ein qualifizierter Sachverstand regen, der dieser leidigen Debatte endlich inhaltliche Konturen und damit eine Orientierung verleiht! Mit anderen Worten: Etwas mehr Wissenschaftlichkeit würde der Sterbehilfedebatte gut zu Gesichte anstehen!
Der Marcel Reich-Ranicki der Automobilbranche
Der Marcel Reich-Ranicki der Automobilbranche
… Themen, die etwas mit vier Rädern zu tun haben, nannte ihn Georg Meck von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) http://www.fas.net schon den „ewigen Dudenhöffer“, einen Dünnbrettbohrer mit dem „Geschäftsmodell Experte“. Man kennt diesen Effekt, wenn man eine Tüte Chips oder eine ganze Schachtel Pralinen aufgefuttert hat oder Dieter Bohlen nicht …
Bild: Sterbehilfe: Erlösung oder Moral?Bild: Sterbehilfe: Erlösung oder Moral?
Sterbehilfe: Erlösung oder Moral?
… nehmen, freibestimmt zu sterben, handeln ebensowenig unmoralisch wie diejenigen, die einen ärztlichen Suizid begleiten. Zu fragen ist, ob unserer Gesetzgeber in der Sterbehilfedebatte einen ethischen und moralischen Zwangskompromiss zu verordnen gedenkt, der einerseits den Sterbewilligen als auch den zur Sterbehilfe bereiten Arzt moralisch stigmatisiert …
Bild: Ghostwriter sind GespensterBild: Ghostwriter sind Gespenster
Ghostwriter sind Gespenster
… Ghostwriting der Schreiberling, der eigentlich keine Ahnung von dem hat, was er da macht, der aber wie am Fließband Doktorarbeiten für reiche Dünnbrettbohrer produziert. Medial scheint dieses immer wiederkehrende Szenario weitgehend akzeptiert, bedient es doch die beliebten Mainstream-Vorurteile zur sozialen (Un)Gerechtigkeit. Auf der einen Seite der …
Sterbehilfedebatte – Droht ein ethischer Paternalismus?
Sterbehilfedebatte – Droht ein ethischer Paternalismus?
In einem Beitrag von Johannes Seibel in Die Tagespost v. 25.01.07 wird darauf hingewiesen, dass die Debatte um Patientenverfügungen rhetorisch schärfer geführt wird. Der Münchener Palliativmediziner G.D. Borasio erhebt in der aktuellen Diskussion um die Verbindlichkeit von Patientenverfügungen gegen die Kritiker Vorwürfe und verwendet dabei Begriffe, die zum intellektuellen Einschüchtern Andersdenkender geeignet sind. Quelle: Die Tagespost v. 25.01.07 http://www.die-tagespost.de/Archiv/titel_anzeige.asp?ID=29385 Hierbei bezieht sich J. Seibe…
Verhaltensökonomik statt Modell-Schreinerei
Verhaltensökonomik statt Modell-Schreinerei
… in der politische Manipulatoren entscheidender Einfluss zugemessen wird, unerwartete, schädliche Nebeneffekte und Verzögerungen aber wegdefiniert sind“. Die VWL-Dünnbrettbohrer mit ihren ceteris paribus-Modellen würden fälschlicherweise Quantifizierung mit Wissenschaftlichkeit gleichsetzen. Die Modellschreiner und Makromechaniker bilden nach Ansicht …
Sterbehilfe und Grundrechtsschutz - Was leistet der kommende 66. DJT hierzu?
Sterbehilfe und Grundrechtsschutz - Was leistet der kommende 66. DJT hierzu?
… alltagstheoretisches Räsonnieren nicht hinaus kommen: es fehlt mancherorts die erforderliche Sensibilität für die höchst bedeutsamen Fragen am Ende Lebens und zwar insbesondere mit Blick auf die mit der Sterbehilfedebatte verbundenen verfassungsrechtlichen Fragen. >>> mehr dazu unter http://www.iqb-info.de/Sterbehilfe_und_Grundrechtsschutz.pdf
Bild: Sterbehilfedebatte - Der Kreis der ethischen Überzeugungstäter ist überschaubarBild: Sterbehilfedebatte - Der Kreis der ethischen Überzeugungstäter ist überschaubar
Sterbehilfedebatte - Der Kreis der ethischen Überzeugungstäter ist überschaubar
Es scheint an der Zeit, in einer hoch emotionalisierten Debatte „Ross und Reiter“ zu benennen, die sich fortwährend um den „Lebensschutz“ scheinbar verdienstbar gemacht haben und unbeirrt auf ihrer selbst auferlegten Mission fortschreiten. Einige politisch Verantwortlichen sind gewillt, die „Sterbehilfe“ gesetzlich zu regeln und wie es scheint, besteht das Ziel in einer strikten Verbotsregelung. Auffällig ist, dass es sich um eine handverlesene Schar von Ethiker, Ärztefunktionären, freilich auch Theologen und Mediziner handelt, bei denen ber…
Bild: Pro Sterbehilfe – ein SolidaritätsaufrufBild: Pro Sterbehilfe – ein Solidaritätsaufruf
Pro Sterbehilfe – ein Solidaritätsaufruf
… hinaus geboten sein.“ Quelle: Pro Sterbehilfe >>> mehr dazu >>>http://prosterbehilfe.de/index.php?option=com_content&task=view&id=13&Itemid=33 Kurze Anmerkung (L. Barth): Engagierter Aufruf inmitten der Sterbehilfedebatte, der im Kern das Selbstbestimmungsrecht des Patienten zu wahren sucht und hierbei davon ausgeht, dass …
Sie lesen gerade: „Dünnbrettbohrer“ dominieren die Sterbehilfedebatte