openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Energie wird neuer US-außenpolitischer Hebel

19.12.201315:52 UhrEnergie & Umwelt
Bild: Energie wird neuer US-außenpolitischer Hebel

(openPR) Energie wird neuer US-außenpolitischer Hebel

Von Alexander Mirtchev


LONDON, UNITED KINGDOM - In der umfangreichen aktuellen politischen Debatte über die Förderung nicht-traditioneller fossiler Brennstoffe wie z.B. Schiefergas und die daraus entstehenden Einsatzmöglichkeiten für diese Ressourcen durch die Vereinigten Staaten kommt einem wichtigen Aspekt nicht die gebotene Aufmerksamkeit zu: die geo-ökonomischen und außenpolitischen Auswirkungen und Vorteile für die USA, ihre Verbündeten und die globale ökonomische Sicherheit insgesamt, die sich aus diesen neuen fossilen Energieträgern ergeben.

Neue Gasvorkommen und die Exporte von Flüssigerdgas (LNG) aus den USA stellen eine zusätzliche wirtschaftliche Ressource dar, mit der die USA ihre eigene Abhängigkeit und die vieler ihrer europäischen Verbündeten von fremden fossilen Brennstoffen mindern können. Europa ist weitgehend abhängig von Gasimporten, besonders aus Russland, sowie Algerien, Katar und anderen Ländern. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur hing Europas Bedarf im Jahr 2010 zu 60% von Erdöl- und Gasimporten ab und diese Abhängigkeit wird bis 2035 auf über 80% steigen. Gleichzeitig haben die ausländischen Energielieferanten für die EU ihre Bereitschaft bewiesen, die energiewirtschaftliche Abhängigkeit Europas für außenpolitische Zwecke einzusetzen. In der jüngeren Geschichte hat Russland mehrmals Konflikte mit Ländern ausgefochten, die Transitländer für diese Pipelines sind - besonders auffällig waren diese Auseinandersetzungen mit der Ukraine 2006 und 2009 - und diese Konflikte führten entweder zu tatsächlicher oder befürchteter Lieferverknappung nach Europa. Dies hat ausgereicht, um die lokalen Märkte aufzumischen. Allein das Wissen um die Abhängigkeit Europas von fremdem Gas hat ausgereicht, damit die Exportländer ihre Erzeugermacht als außenpolitischen Hebel einsetzen.

Der bevorzugte Transportweg für Erdgas nach Europa sind Pipelines, aber derzeit befindet sich lediglich eine alternative Pipelineroute im Entwicklungsstadium, nämlich von Aserbaidschan nach Europa, um der russischen Erdgasmacht entgegenzuwirken. Dies steigert die Bedeutung von LNG, der weiteren Alternative, entfernte Märkte zu beliefern. Da LNG mit Schiffen transportiert wird, ist die Versorgung nicht durch eine Pipeline-Infrastruktur eingeschränkt. Es kann vielmehr in beliebige Märkte geliefert werden, sofern dort Anlagen für die Rückvergasung bestehen. Derzeit sind in Europa Belgien, Frankreich, Italien, die Niederlande, Portugal und Spanien Länder, die Flüssigerdgas einführen. Zusätzliche Rückvergasungsanlagen und ein steigendes LNG-Angebot auf dem Weltmarkt stärken Europas energiewirtschaftliche Sicherheit. An dieser Stelle sind die USA in der Lage, eine geeignete Option als Lieferant von Energieträgern und Energiesicherheit für seine europäischen Verbündeten zu werden.

Mit einem riesigen Angebot an Erdgas und den technischen Möglichkeiten, stetig große Mengen Gas über die kommenden Jahre zu fördern, wird die Belieferung der Weltmärkte mit bedeutenden Mengen an LNG aus den USA die aktuellen Märkte verändern, die aktuellen Player aufschrecken und letztendlich zur Einrichtung eines liquiden Spotmarktes für Flüssigerdgas führen. Dies erfordert keine Duplizierung der Infrastruktur. Einige Erweiterungen und Anpassungen würden ausreichen, um dafür zu sorgen, dass der Ausfall anderer Versorger die Verbraucher nicht beeinträchtigt. Sobald die Einkäufer in Europa in der Lage sind, liquide globale Märkte anzuzapfen, statt an langfristige Verträge mit einem oder zwei Lieferanten gebunden zu sein, verliert die Aussicht auf Liefersperren oder andere Formen der Manipulation von Gaslieferungen ihren Schrecken. Allein schon die Verfügbarkeit einer adäquaten Infrastruktur für die Rückvergasung von LNG und das Angebot würden eventuell ausreichen, um die Gasexporteure daran zu hindern, ihre Erdgaslieferungen als geopolitischen Hebel einzusetzen. Sie würden ermuntert, sich ernsthaft um Diversifizierung zu kümmern und Marktreformen in Gang setzen, die einen Beitrag zur Verbesserung der globalen wirtschaftlichen Sicherheit führen würden.

Die geopolitischen Chancen, die sich aus der Schiefergasrevolution ergeben, sowie die Aussicht auf Flüssiggasexporte dürfen nicht unterschätzt werden. Trotzdem scheinen diese Überlegungen selten eine Rolle in der inneramerikanischen Debatte über LNG-Exporte zu spielen. Die wirtschaftliche Begründung für eine Steigerung der LNG-Exporte aus den USA sind gut dokumentiert. Eine kürzliche IHS-Studie veranschlagt die Steigerung der Industrieproduktion in den USA auf 252 Mrd. Dollar bis 2020, dank der niedrigeren Energiepreise in den USA und anderen ökonomischen Folgewirkungen aus nicht-konventionellem Erdöl und Gas. Die Gegenargumente teilen sich in zwei Kategorien: 1. Diejenigen der industriellen Großverbraucher in den USA profitieren von niedrigen Erdgaspreisen und wollen deshalb aus Eigennutz die Nachfrage eingrenzen, indem Exportmärkten der Zugang verwehrt wird. Damit wird ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zementiert, das zu künstlich niedrigen Preisen führt. 2. Umweltinteressen, die sich der Fracking-Technik widersetzen, die für die Förderung eines Großteils des US-Erdgases eingesetzt wird. Sie wollen Exportmärkte außen vorlassen, um auf diese Weise die Erdgasförderung einzuschränken. Diese Einwände werden allein schon durch das ökonomische Argument entkräftet. Darüber hinaus gewinnt das Argument pro US-LNG-Exporte an Überzeugungskraft, wenn weiter berücksichtigt wird, dass US-LNG-Exporte die außenpolitischen, geo-ökonomischen und geopolitischen Interessen der USA fördern. Statt einem geopolitischen Rückzug der USA das Wort zu reden, könnten die neuen Chancen aus Schiefergas und Öl eine mögliche strategische Ausweitung der geopolitischen Rolle Amerikas ankündigen.



Dr. Mirtchev ist Wirtschaftsexperte des Woodrow Wilson Centers in Washington D.C. Er schreibt regelmäßig zum Thema Wirtschaft- und Energiesicherheit.

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 768194
 817

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Energie wird neuer US-außenpolitischer Hebel“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Das könnte Sie auch interessieren:

Eiszeit zwischen Deutschland und USA noch längst nicht beendet
Eiszeit zwischen Deutschland und USA noch längst nicht beendet
Wir warten auf konkrete Konzepte Zum Besuch des Bundesministers der Verteidigung, Dr. Peter Struck MdB, in den USA erklärt der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Christian Schmidt MdB: Nach dem Besuch von Verteidigungsminister Struck bei seinem amerikanischen Amtskollegen Rumsfeld ist die Eiszeit zwischen Deutschland und den USA noch längst nicht beendet. Rumsfeld hat jetzt den Preis für Schröders charakterlosen anti-amerikanischen Wahlkampf präsentiert. Hatte Struck in der Debatte zur Regierungserklärung des B…
Deutscher Umfall im Weltsicherheitsrat brüskiert Kofi Annan
Deutscher Umfall im Weltsicherheitsrat brüskiert Kofi Annan
Zur von Bundeskanzler Schröder angekündigten Zustimmung Deutschlands im UN-Sicherheitsrat zu der von USA vorgelegten Irak-Resolution erklärt Wolfgang Gehrcke, außenpolitischer Sprecher der PDS:
Germans to the Front
Germans to the Front
09.02.2004 - Zur Münchner Sicherheitskonferenz erklärt Wolfgang Gehrcke, außenpolitischer Sprecher der PDS: Die Münchener Sicherheitskonferenz, die nicht-parlamentarische Denkfabrik von Militär, Rüstung und Politik, lässt für die künftige Außen- und Sicherheitspolitik Deutschlands Prognosen zu. - Deutschland wird zur führenden Militärnation im Afghanistan-Konflikt. Es ist davon auszugehen, dass weitere Bundeswehrkontingente über Jahre in Afghanistan stationiert werden. Die Trennung zwischen UN-mandatierten Truppen (ISAF) und US-Kampfeinsätze…
Verteidigungsminister Struck bestätigt die Warnungen der PDS vor einem Kurswechsel in der Irak-Polit
Verteidigungsminister Struck bestätigt die Warnungen der PDS vor einem Kurswechsel in der Irak-Polit
Wolfgang Gehrcke, außenpolitischer Sprecher des Parteivorstandes der PDS, erklärt: 19.09.2003 - Bundesverteidigungsminister Stuck erklärt, dass die Bundesregierung vorerst keine deutschen Soldaten in den Irak entsenden wird und eine Stationierung von NATO-Truppen im Irak nicht automatisch eine deutsche Beteiligung mit sich bringt. Dies bestätigt den Eindruck der PDS, dass die Bundesregierung einen Kurswechsel in ihrer Irak-Politik vorbereitet. Vorerst bedeutet im Klartext, dass die Bundesregierung die Entsendung deutscher Soldaten in den Ir…
Keine Raketen nach Israel liefern
Keine Raketen nach Israel liefern
Zur israelischen Anfrage nach einer Lieferung von Patriot-Raketen durch Deutschland erklärt Wolfgang Gehrcke, außenpolitischer Sprecher der PDS 26.11.2002
Bundesregierung total unprofessionell - Der Kanzler hat die Sache nicht mehr in der Hand
Bundesregierung total unprofessionell - Der Kanzler hat die Sache nicht mehr in der Hand
Zu den widersprüchlichen Einlassungen der Bundesregierung auf die Unterstützungsersuchen der US-Regierung bei einem eventuellen Vorgehen gegen den Irak erklärt der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dr. Wolfgang Schäuble MdB: Das Chaos innerhalb der Koalition nimmt zunehmend alarmierende Ausmaße an. Ob Verteidigungsminister, Wehrexperte oder Fraktionschefin, jeder darf zum Thema Raketenabwehrsystem und ABC-Spürpanzer zum Besten geben, was gerade in den Kram passt. Der Kanzler hat die Sache nicht mehr in der Hand. E…
Die Luft wird dünn für Verteidigungsminister Struck
Die Luft wird dünn für Verteidigungsminister Struck
26.09.2003 Zur erneuten Zulassung einer Klage auf einstweilige Verfügung gegen die sofortige Inbetriebnahme des Luft-Boden-Schießplatzes in der Kyritz-Ruppiner Heide erklärt Wolfgang Gehrcke, außenpolitischer Sprecher des Bundesvorstandes der PDS:
An diesem Vorabend des Krieges müssen die Gedanken bei den Menschen im Irak sein
An diesem Vorabend des Krieges müssen die Gedanken bei den Menschen im Irak sein
Wolfgang Gehrcke, außenpolitischer Sprecher der PDS, erklärt: Datum: 17.03.2003 - Selten zuvor in der Geschichte ist ein Massenmord an unschuldigen Menschen so in aller Öffentlichkeit vorbereitet worden wie der Krieg gegen den Irak. US-Präsident Bush - assistiert vom britischen Premier Blair und vom spanischen Ministerpräsidenten Aznar - ist bereit, für einen militärischen Sieg über den Irak im Wortsinne über Leichen zu gehen, die Vereinten Nationen zu zerstören und Europa und viele Staaten der Welt zu demütigen. , bei ihren Ängsten und Nöt…
Bild: OPEC+ und die Steuerung von Fördermengen prägen weiterhin die EnergiemärkteBild: OPEC+ und die Steuerung von Fördermengen prägen weiterhin die Energiemärkte
OPEC+ und die Steuerung von Fördermengen prägen weiterhin die Energiemärkte
München, 22. Juni 2026Die Entwicklung der globalen Energiemärkte wird nicht allein durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Entscheidungen über Fördermengen, Produktionskapazitäten und strategische Marktsteuerung beeinflussen zunehmend Energiepreise, Investitionsentscheidungen und wirtschaftliche Stabilität weltweit. Besonders die Rolle von OPEC+ steht …
Die Notgemeinschaft Bush-Schröder funktioniert wieder
Die Notgemeinschaft Bush-Schröder funktioniert wieder
25.09.2003 - Zur Rede des Bundeskanzlers vor der UN-Vollversammlung und zum Treffen mit US-Präsident Bush erklärt Wolfgang Gehrcke, außenpolitischer Sprecher des Parteivorstandes der PDS: Deutschland will eine führende Rolle in der Weltpolitik spielen. Das war die Hauptbotschaft des Bundeskanzlers Schröder an die Vollversammlung der Vereinten Nationen. Deshalb müssen die Differenzen zu den USA eingeebnet werden. So die Schrödersche Logik. Beiden Ansprüchen ist er nachgekommen zum Schaden der deutschen Außenpolitik. Nach vorn und nicht zurück…
Sie lesen gerade: Energie wird neuer US-außenpolitischer Hebel