(openPR) Märchen sprechen das Herz an und lösen Emotionen aus. Die Erftstädter Autorin Gudy Fellow – Herausgeberin des Ratgebers „Alltagstipp Demenz“ für Angehörige – erzählt Märchen speziell für Demenzerkrankte.
Warum aber speziell für die Zielgruppe Demenzerkrankte? Die Erzählweise von Märchen unterscheidet sich – je nachdem, ob für gesunde Menschen, Kinder oder erkrankte Menschen erzählt wird.
Die meisten an Demenz erkrankten Menschen lieben Märchen. Das Erleben von Demenzerkrankten wird sehr von Emotionen geprägt. Das Kurzzeitgedächtnis ist in der Regel gestört, aber an die Märchen aus der Kindheit erinnern sich die Patienten noch. Es ist ein Erfolgserlebnis, wenn die erkrankte Person sich an den zentralen Satz: „Spieglein, Spieglein an der Wand“ erinnert und diesen vielleicht sogar noch mitsprechen kann.
Trotzdem haben viele Betreuer bereits die Erfahrung gemacht, dass sie ein Märchen vorgelesen haben und während des Vorlesens die Zuhörer die Aufmerksamkeit verlieren oder sogar einschlafen. Das ist schade, denn das Märchen soll Unterhaltung und Freude bringen. Daher ist der Aufbau der Märchenstunde von Bedeutung.
Zu Beginn einer Märchenstunde ist es wichtig, herumzugehen und sich freundlich den einzelnen Zuschauern vorzustellen und zu erklären, dass ein Märchen erzählt wird und welches Märchen es ist. Es geht nicht nur darum, hiermit die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu erhalten, sondern ihnen auch das Gefühl zu geben, dass sie wichtig für den Erzähler sind. In aller Regel ist die Resonanz auf diese individuelle Vorstellungsrunde sehr positiv. Eine überschaubare Anzahl von Zuschauern verhindert, dass das persönliche Vorstellen zu lange dauert und die Aufmerksamkeit wieder verloren geht.
Während des Märchenvortrags sollte Bewegung herrschen. Das statische Sitzen auf einem Stuhl, das viele Märchenerzähler, die für gesunde Menschen oder Kinder erzählen, praktizieren, ist bei dieser Zielgruppe nicht sinnvoll. Das Umhergehen und Einbeziehen der Zuschauer, wenn diese Passagen mitsprechen können, erhält die Aufmerksamkeit und gibt den Zuschauern kleine Erfolgserlebnisse. Das Untermalen des Vortrags durch Gegenstände, die im Märchen vorkommen und die entsprechend während des Vortrags genutzt werden, veranschaulicht noch einmal, welche Stelle des Märchens gerade vorgetragen wird. So können sogar Personen, die nicht mehr so gut hören können, dem Märchen mit Freude folgen. Daraus folgt automatisch, dass das Märchen frei vorgetragen sein muss. Das reine Vorlesen aus einem Buch verhindert das aktive Begleiten des Märchens. Man kann sagen, dass ein Märchenvortrag für Demenzerkrankte einem 1-Mann-Theaterstück gleichkommt.
Zum Abschluss der Märchenstunde sollte eine individuelle Verabschiedung von den Zuschauern erfolgen, sofern diese noch im Raum sind. Das gibt dem Vortrag einen geschlossenen Rahmen und zeigt noch einmal die Wertschätzung, die der Vortragende für die Zuschauer hat. Außerdem gibt es den Zuschauern Gelegenheit, noch einmal über das Märchen zu sprechen. So wie ein Herr, der am Ende des Vortrags zu Gudy Fellow sagte: „Sie haben mich ganz tief im Herzen berührt.“ Und diese Freude, die ein Märchenerzähler bei Demenzerkrankten hervorrufen kann, ist nicht nur das Ziel des Erzählers, sondern gibt ihm selbst auch viel zurück.












