(openPR) Im Schaukelstuhl in der Sonne auf der Veranda sitzen, die müden, alten Beine hochlegen und das Leben genießen. So oder so ähnlich stellen wir uns in schönen Träumen die Zeit nach dem Erwerbsleben vor. Nicht mehr die tägliche Arbeit soll dann unser Leben bestimmen. Stattdessen dürfen wir die Früchte unseres Erwerbslebens ernten. Doch spätestens jetzt kommt der Filmriss. Denn nach den Plänen der Bundesregierung erntet nur der etwas, der fleißig in die Rentenversicherung eingezahlt hat und zusätzlich auch noch privat ausreichend vorgesorgt hat.
Äußerst klein und mickrig sehen die Früchte hingegen für diejenigen aus, die den Plänen der Politik nicht nachkommen konnten. Das sind all die Geringverdiener mit 400-Euro-Jobs, die Alleinerziehenden mit Kleingehalt, die Teilzeitbeschäftigten und die, die nach einer 40-Stunden-Woche nicht so viel Geld in der Tasche hatten, dass sie zusätzlich zu den laufenden Kosten auch noch Vorsorge hätten treffen können.
Lange ist bekannt, dass die Zahl der Rentenbeitragszahler weiter abnehmen wird und die der Rentner, die finanziert werden wollen, zunimmt. Seriöse Zahlen gibt es dazu allerdings nicht, denn zu viele Faktoren nehmen auf diese Entwicklung Einfluss. Da sich aber nur mit Zahlen auch tatsächlich rechnen lässt, hat die Bundesregierung eigene Hochrechnungen angestellt, um politisch gewappnet zu sein. Noch im Jahr 1950 kamen statistisch gesehen 6,25 Erwerbstätige auf einen Rentner. Im Jahr 1991 waren es noch vier und im Jahr 2030 werden es nur noch zwei sein. Und das ist noch eine optimistische Schätzung, denn Mitte 2011 gab es in Deutschland etwa 20,5 Millionen Rentner und bloß 35,4 Millionen Beitragszahler.
Die Idee, dass die jungen Menschen nicht nur die Renten der Alten zahlen müssen, sondern nebenbei auch noch ausreichend viel Geld in private Rentensicherungssysteme pumpen sollen, ist angesichts dieser Entwicklung für die Deutsche Beamtenbund-Jugend NRW (dbb jugend nrw) äußerst problematisch. Auf dem Landesjugendtag des gewerkschaftlichen Dachverbandes für die jungen Beschäftigten im Öffentlichen Dienst, der am 12./13. April in Neuss stattfinden wird, soll daher ein Antrag verabschiedet werden, der sich konkret mit fairen Renten auch für junge Menschen auseinandersetzt.
"Uns ist die derzeit laufende Praxis zu kurz gegriffen, das Risiko für die Altersversorgung auf die private Schiene zu verlagern", sagt dazu der stellvertretende Vorsitzende des gewerkschaftlichen Jugenddachverbandes, Jano Hillnhütter. Das ursprünglich auf die Solidargemeinschaft Arbeitgeber-Arbeitnehmer ausgelegte System sei durch die private Vorsorge aufgebrochen worden. Es habe sich gezeigt, dass in verschiedenen Modellen der Absicherung die erwirtschafteten Erträge das eingezahlte Kapital oft nur knapp übersteigen. "In manchen Fällen sind sogar nur negative Renditen übrig geblieben", sagt Hillnhütter. Das zeige, dass die private Vorsorge nicht mehr Erträge erwirtschafte als das System der Rentenversicherung, wie wir es haben. Darum empfiehlt der Vorstand der dbb jugend nrw seinen Mitgliedern, für einen Ausbau und die Stärkung der gesetzlichen Rente zu stimmen.
"Zudem ist derzeit der Arbeitnehmer der Leidtragende. Seine Ausgaben steigen, wenn er wirtschaftlich vorsorgen will", moniert Vorstandsmitglied Hillnhütter. Profiteure dieses Systems seien lediglich die Versicherer und die Arbeitgeber, deren Lohnkosten sich senken. Damit habe man keine Lösung, sondern nur eine Risikoverlagerung erreicht. Besser würde sich die Zukunft junger Menschen darstellen, wenn die gesetzliche Rente erhalten bliebe. Darum könnte ein Beschluss der dbb jugend nrw im April sein, die gesetzliche Rentenversicherung zu stärken. Durch Lohnerhöhungen könnte man die Einnahmen der Rentenkassen verbessern. Der Öffentliche Dienst habe seit dem Jahr 2000 gravierende Reallohnverluste einstecken müssen. "Dadurch hat der Staat als Arbeitgeber die gesetzliche Rentenversicherung immer weiter geschwächt, denn wer wenig verdient, zahlt auch nur geringe Beiträge in die Versicherung ein", erläutert Jano Hillnhütter. Noch schlimmer stelle sich die Situation bei Geringverdienern und prekär Beschäftigten dar.
Würden die Einkommen grundsätzlich angehoben, würde nicht nur der Arbeitnehmer mehr Geld in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Erhöht würden die Einnahmen auf dieser Seite zudem durch die Zahlungen der Arbeitgeber, die in der Pflicht seien, ihren Beitrag auch entsprechend zu leisten. Diese vorgeschlagene Vorgehensweise ist allerdings nur Teil eines breiten Maßnahmenpakets, das der Vorstand der dbb jugend nrw derzeit diskutiert und entsprechend als Antrag in den Landesjugendtag einbringen wird.












