(openPR) 70 Prozent der deutschen Behörden fänden eine Mitmachverwaltung prima. Glaubt man einer forsa-Umfrage, sprechen sich in den Verwaltungen viele für eine aktive Mitarbeit von Bürgern in ihrem Bereich aus. Wie aber machen Bürger in den Kommunen, beim Land und Bund mit?
Ob es die ehrenamtliche Mitarbeit bei der Kinderbetreuung ist, die Nachbarschaftshilfe oder die Altenpflege. Um neue Formen der Bürgermitarbeit erschließen zu können, setzt die öffentliche Verwaltung auf den Ausbau von Angeboten wie E-Government, Open-Government und Social-Media. So steht es in der forsa-Studie "Branchenkompass 2012 Public Services" von Steria Mummert Consulting in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut. 100 Entscheider aus 100 großen deutschen Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen wurden dafür zu den aktuellen Herausforderungen und den bis 2014 geplanten Maßnahmen befragt, die die Effizienz in der Verwaltung erhöhen sollen. Schwerpunkte waren Verwaltungsmodernisierung, IT und E-Government, Kooperationen mit der privaten Wirtschaft sowie Bürgerbeteiligung.
Ehrenamtliches Engagement genießt demnach vor allem in den Kommunen einen hohen Stellenwert. 86 Prozent der Befragten aus den Kommunen schenken der Bürgermitarbeit eine große Bedeutung. Besonders gefragt ist die Mitarbeit der Bürger in Nordrhein-Westfalen. 76 Prozent halten dort diese Form der Beteiligung für wichtig. Damit ist NRW Vorreiter in Sachen Bürgerbeteiligung.
Hier packen Bürger mit an
Zu dieser großen Mitmachverwaltung sollen auf der einen Seite die Bürger gehören und die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst auf der anderen Seite. Tatsächlich sind es mehr als 23 Millionen Menschen in Deutschland, die sich in irgendeiner Form ehrenamtlich einbringen, sei es beim Sauberhalten der öffentlichen Parkanlagen, bei der Essensausgabe in Schulen, in der Kinderbetreuung oder als Vorleseoma.
Hinter dem Wunsch nach mehr Teamwork mit dem Bürger verbirgt sich das Ziel, die Effizienz der Verwaltung und die Dienstleistungsqualität zu steigern. Gleichzeitig wollen die Behörden, so das Studienergebnis, per Mitmachverwaltung Kapazitätslücken schließen und damit auf den demografischen Wandel reagieren. Denn 80 Prozent der Entscheider in der öffentlichen Verwaltung stellen sich auf gravierende Engpässe bei der Personalbesetzung ein.
Für ein unfassbares Sparmodell hält das die dbb jugend nrw. "Es darf in keinem Fall dazu kommen, dass originäre Aufgaben, die die Verwaltungen als Serviceorganisationen für den Bürger tun, auf den Bürger selbst abgewälzt werden, nur um Geld für Personalkosten zu sparen", kommentiert dies der Vorsitzende der dbb jugend nrw, Markus Schallenberg. Er fürchtet, dass sich dann die Öffentlichkeit im Zuge weiterer Sparmaßnahmen auf ehrenamtliche Lehrer, freiwillige Pflegekräfte in Krankenhäusern oder andere Dinge einstellen müsse, die dann dem Bürger wiederum als tragfähiges Zukunftsmodell verkauft würden.
Online-Beteiligung, die sinnvoll ist
Doch zurzeit ist das Engagement noch nicht so groß, wie es sich angeblich die Entscheider aus der Verwaltung wünschen. Nur jeder zehnte Befragte gibt an, dass die aktive Bürgerbeteiligung in seinem Verwaltungsbereich bereits sehr hoch ist.
"Ganz besonders die neuen Formen der Bürgermitarbeit und auch der Bürgerbeteiligung erfordern ein Umdenken. Koproduktion oder Crowdsourcing sind nicht nur technologische Lösungsansätze, sondern auch neue Formen der Arbeitsteilung", findet Axel Drengwitz, der als Experte für E-Government bei Steria Mummert Consulting arbeitet. So konnte zum Beispiel der Munich Open Government Day (MOGDy) eine Vielzahl von Bürgern aktivieren, mehr als einhundert Ideen für ein "digitales München" zu formulieren. Im Anschluss an den Ideenwettbewerb setzte eine Entwicklergemeinde auf ehrenamtlicher Basis mehrere der gefundenen Ideen in Form von Programmen und Applikationen um. Dies zeige eindrucksvoll, welches Potenzial die Organisationsformen der Koproduktion und des Crowdsourcings besitzen, so Drengwitz.
Bürger funken Infos an die Verwaltung
"Bürger meinungsmäßig zu beteiligen, halten auch wir für eine gute und sinnvolle Sache", erklärt dbb jugend nrw-Chef Schallenberg. Auf sinnvolle Art und Weise geschieht das zum Beispiel auch bei "Maerker Brandenburg". Das ist ein Online-Tool, über das Bürger in Berlin und Brandburg bei ihrer Kommune Probleme wie Schlaglöcher, wilde Deponien oder Sachbeschädigungen melden können. Diese Informationen laufen bei der Kommune in einem Geoinformationssystem ein. Der Bürger selbst kann danach online über ein Ampelsystem nachvollziehen, in welcher Form die Kommune in der Sache tätig wird.
Solche Angebote kann sich der gewerkschaftliche Jugenddachverband sehr gut vorstellen, genau wie den Ausbau der E-Partizipation. "Wir selbst arbeiten beispielsweise schon seit vielen Jahren über Social Media und haben auf diese Art und Weise den Austausch mit unseren jungen Mitgliedern stark ausgebaut", berichtet Schallenberg. Erst jüngst berichtete die dbb jugend nrw über Facebook und Co. in Echtzeit über die Mahnwache vor der Staatskanzlei, bei der es um das Thema "befristete Arbeitsverträge" ging. Dort wurde die Aktion nicht nur geliked, sondern auch miteinander geteilt und diskutiert.
"Wenn Bürgerbeteiligung sich in diese Richtung weiterentwickelt, wird das vor allem für junge Menschen eine Chance sein, sich direkt in die Planungen der Kommunen, des Landes und auch des Bundes einzubringen", betont Schallenberg. So kann Politik entstehen, die für die Bürger und die Jugend ist.




