(openPR) Wohnungsbaugenossenschaften in Baden-Württemberg feiern am 07. Juli das Internationale Jahr der Genossenschaften 2012.
Stuttgart – Die Preise für Miet- und Eigentumswohnungen vor allem in Ballungszentren haben wieder stark angezogen. Besonders junge Familien mit Kindern sowie ältere Menschen haben oft das Nachsehen, da sie sich die Preise nicht mehr leisten können. Häufig haben sie aber ein zu hohes Einkommen, um eine Sozialwohnung zu erhalten. Eine Alternative zwischen klassischer Miete und Wohneigentum bieten Wohnungsgenossenschaften. Ihr Engagement würdigt die UNO jetzt mit dem Internationalen Jahr der Genossenschaften. Wohnungsgenossenschaften bauen und bewirtschaften für ihre Mitglieder erschwinglichen Wohnraum auf Lebenszeit. Nicht wirtschaftliche, sondern soziale Aspekte stehen im Vordergrund. Die Mitglieder verwalten ihre Genossenschaft selbst, wodurch sie aktiv Einfluss auf Entscheidungen nehmen können.
„Wohnungsgenossenschaften sind wichtige Elemente unserer sozialen Marktwirtschaft“, betont Gerhard A. Burkhardt, Präsident des vbw Verband baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Wo die einzelnen Mitglieder nicht die Mittel aufbringen könnten, ehrgeizige Wohnprojekte zu realisieren, sei dies in Gemeinschaft möglich.
Die Idee hat Tradition: Die älteste, heute noch aktive Wohnungsgenossenschaft in Baden-Württemberg, die Baugenossenschaft Esslingen eG, stammt aus dem Jahr 1890. Heute gibt es in Baden-Württemberg 175 Wohnungsgenossenschaften, die ca. 186.000 Wohnungen in ihrem Bestand haben. Knapp 391.000 Menschen leben in einer Genossenschaftswohnung. In Städten sind Genossenschaften etwas häufiger anzutreffen als auf dem Land, was in ihrer Historie begründet liegt.
Vorteile des genossenschaftlichen Wohnens
Wer in einer Genossenschaftswohnung lebt, ist nicht Mieter im klassischen Sinne, sondern hält Anteile an der Genossenschaft, ist also Miteigner. Da es Genossenschaften nicht um möglichst hohe Gewinne geht, ist ein wesentliches Ziel, die Mieten für die Mitglieder auf möglichst niedrigem Niveau zu halten. Die durchschnittliche Nettokaltmiete einer Genossenschaftswohnung in Baden-Württemberg lag 2010 bei 5,29 Euro und damit in den meisten Regionen zum Teil deutlich unter dem lokalen/regionalen Mietspiegel.
Das Wohnen in einer Genossenschaftswohnung begeistert Jung und Alt. Häufig werden auch junge Menschen, die das Genossenschaftswesen kennengelernt haben, Mitglied in einer Genossenschaft. Nicht selten haben Mitglieder eine starke Verbundenheit und ein ausgesprochenes Verantwortungsbewusstsein für ihre unmittelbare Umgebung. Die Modernität von Wohnungsgenossenschaften belegen aber auch die Neugründungen: Mehrgenerationenprojekte oder seniorengerechte Wohnmodelle sind zum Beispiel oft in dieser Form organisiert. Allein in Baden-Württemberg wurden 2011 fünf neue Genossenschaften gegründet. „Die Erfolgsgeschichte der Wohnungsgenossenschaften wird sich sicherlich noch weiter fortsetzen“, ist sich Burkhardt sicher.
Die größte Wohnungsbaugenossenschaft der Region, die Kreisbaugenossenschaft Hechingen, ist die Wohnungsgenossenschaft des ehemaligen Landkreises Hechingen. Sie kann Bauten in allen Rechts- und Nutzungsformen errichten, erwerben, betreuen, bewirtschaften, verwalten, vermitteln und veräußern. Im Bereich der Wohnungswirtschaft, des Städtebaus und der Infrastruktur ist sie in der Lage, alle anfallenden Aufgaben zu übernehmen. Die Kreisbau unterstützt ihre Mitglieder in allen Fragen rund um die Immobilie, insbesondere durch die Bereitstellung von preisgünstigen Wohnungen.
Die Erfolgsgeschichte der Wohnungsgenossenschaften
Die Geschichte der Wohnungsgenossenschaften reicht bis weit ins 19. Jahrhundert zurück. Im Zeitalter der industriellen Revolution sieht sich Europa mit einem enormen Bevölkerungswachstum konfrontiert. Immer mehr Menschen leben am Existenzminimum, die sozialen Spannungen nehmen zu. Bereits ab 1850 entstehen die ersten Bau- und Wohnungsgenossenschaften. In ihnen schließen sich Gleichgesinnte zusammen, um gemeinsam erschwingliche Wohnungen zu bauen und zu bewirtschaften.
Endgültig zum Erfolg verholfen hat ihnen die Änderung des Genossenschaftsgesetzes 1889, seitdem für Genossenschaftsmitglieder die eingeschränkte Haftung gilt. Auch die fortschreitende Landflucht und die damit einhergehende Wohnungsknappheit in Städten machen Bau- und Wohnungsgenossenschaften für viele attraktiv. Einen besonderen Boom erleben Wohnungsgenossenschaften nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg im Zuge des Wiederaufbaus.
Wohnungsgenossenschaften in Baden-Württemberg:
Anzahl*: 175
Wohnungsbestand: 185.527
Bewohner: ca. 391.000
Durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter: 5,29 Euro
Leerstandsquote: 2,5%
Fertig gestellte Wohnungen: 704
Neugründungen 2011: 5
Gerhard A. Burkhard: „Wohnungsgenossenschaften leisten einen wichtigen Beitrag zu unserer sozialen Marktwirtschaft. Mitglieder einer Genossenschaft helfen sich selbst, indem sie sich zusammenschließen und so Anspruch auf erschwinglichen Wohnraum erwerben. Außerdem trägt jeder einzelne ein Stück weit Verantwortung für seine Genossenschaft, da sich Genossenschaften selbst verwalten – ein Modell mit Vorbild-Charakter.“
Name: Kreisbaugenossenschaft Hechingen eG
Gründungsjahr: 1949
Wohnungsbestand: 729
Mitglieder: 687
Durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter: 4,98 Euro
* Wo nicht anders angegeben: Zahlen von 2010.














