(openPR) Fühlt sich Schwarz-Gelb schon als sicherer Wahlsieger? Wie steht es mit der Wählerorientierung der großen Parteien?
comcheck wollte wissen, wie sich die großen Parteien so kurz vor der Bundestagswahl um die Beantwortung einzelner Bürgerfragen per E-Mail kümmern.
Sollte Schwarz-Gelb denselben „Aktionismus“ nach einem möglichen Regierungswechsel zeigen, wie bei der Beantwortung der Bürgerfragen per E-Mail, dann kommen gemütliche Zeiten auf Deutschland zu!
Die Tester von comcheck versandten an CDU, FDP, Linkspartei.PDS, SPD und Bündnis 90/Die Grünen jeweils 20 E-Mailanfragen mit der Bitte um entsprechende Stellungnahmen. Dabei wählte comcheck Fragen zu verschiedenen Wahlkampfthemen, z.B. Weiterentwicklung bei Hartz IV, Strategien zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Strategien zur Bildungspolitik, Änderungen bei der Mehrwertsteuer, Auswirkungen der negativen Entscheidungen bei den EU-Referenden sowie Anfragen nach einer Mitgliedschaft in der jeweiligen Partei etc.
Bei der Dauer der Beantwortung gab es große Unterschiede zwischen den Parteien.
Wenn bei den Liberalen die E-Mail nach 24 Stunden noch nicht beantwortet war, dann bekam man entweder keine (35%) oder nur sehr spät Antwort. Auch die CDU ließ sich sehr viel Zeit bei der Beantwortung der Wähleranfragen. Diese kamen erst zumeist nach 2 bis 3 Wochen.
Ganz anders dagegen die politischen Kontrahenten. Während Bündnis 90/Die Grünen schneller, aber bei weitem nicht auf jede E-Mail antworteten, bekamen die Tester bei der Linkspartei.PDS und bei der SPD fast vollständig und vor allem schnellstens Antwort. Mit einer durchschnittlichen Beantwortungsdauer von 2,4 Werktagen war die SPD Punktsieger vor der Linkspartei.PDS mit 3,3 Werktagen.
Auch die Beantwortungsrate innerhalb von drei Werktagen zeigten deutliche Unterschiede:
CDU 10%
FDP 30%
Bündnis 90/Die Grünen 25%
SPD 80%
Linkspartei.PDS 80%
Werktage = Montag bis Freitag
Auf die gestellten Fragen bekamen die Tester oft viele Nebeninformationen und z. T. auch Ausschnitte bzw. das ganze Programm der Partei an die Hand.
Die Antworten erschienen überwiegend losgelöst von der Anfrage, überfrachtet mit ungefragten Informationen und leider auch sehr unpersönlich.
Weder die 32jährige Arbeitslose, die nach 3 Jahren Arbeitslosigkeit nach Lösungen für die Arbeitsplatzmisere anfragte, noch die angehenden Eltern, die nach der zukünftigen Bildungspolitik fragten, bekamen persönliche Worte zu lesen.
Die Parteien gaben den Testbürgern leider nur selten das Gefühl, ihre Fragen gezielt zu beantworten bzw. dass sie sich implizit um seine Gunst bemühen. Um die Stimme des Testbürgers warb lediglich die FDP, die jedoch nur teilweise.
Dipl.-Kfm. Christian Hogertz, Geschäftsführer von comcheck, bemängelt die ungenutzte Bürgeransprache: „Die Parteien vernachlässigen den emotionalen Teil der Kommunikation, der gewöhnlich viel wichtiger ist als die reine Sachinformation. Sie lassen dabei die große Chance einer direkten Anfrage seitens eines interessierten Bürgers ungenutzt, Sympathie für sich und ihre Politik zu erwerben. Die Überfrachtung der Antworten mit ungebetenen Nebensächlichkeiten, ohne dabei konkret und zielgerichtet auf die jeweilige Frage zu antworten, vermittelt dem Anfragenden ein eher abschreckendes Desinteresse der Parteien am Einzelnen. Unweigerlich erinnert dieses Empfinden an das vergessen geglaubte Schlagwort der „Parteienverdrossenheit“. Dabei könnte man dem Bürger sehr leicht eine persönliche Ansprache bieten, die für eine Bindung an die Partei entscheidend sein kann.“
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