(openPR) Stallbauten werden in Deutschland nirgendwo so üppig gefördert wie im Freistaat Sachsen. Dies bestätigte Ministerpräsident Stanislaw Tillich jetzt im Rahmen einer Pressekonferenz auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin.
Auf eine entsprechende Anfrage bestätigte Tillich eine Grundförderung von 40% des genehmigungsfähigen Bauvorhabens. Hinzu kämen weitere 10%, wenn die Investition in einer strukturschwachen Region erfolge. Weitere 10% Zuschuss erhalten Junglandwirte unter 30 Jahren. Dies bedeutet eine höchstmögliche Förderung bis 60% des Bauvorhabens. Gefördert wird bis zu maximal 3 Millionen Euro. Hieraus ergibt für Investoren im Normalfall ein möglicher Zuschuss aus Steuermitteln in Höhe von 1.200.000 € beziehungsweise 1.500.000 € für die Errichtung eines Stalls in einem strukturschwachen Gebiet und 1.800.000 € für einen Junglandwirt in einer solchen Region.
Kritiker bezweifeln, dass es sinnvoll ist, agrarindustrielle Großprojekte zur Tiermast aus Steuermitteln zu finanzieren, da der deutsche und der EU-Binnenmarkt bereits jetzt übersättigt sind, also noch mehr Geflügel- und Schweinefleisch exportiert werden müsste. Hierfür sehen die mittelfristigen Chancen eher ungünstig aus, weil die GAT den Abbau von Exportsubventionen durchsetzen will. Zudem sind die bisherigen Hauptimportländer wie Russland und China dabei, ihren Selbstversorgungsgrad durch eigene Investitionsfördermaßnahmen drastisch zu erhöhen. Es ist daher damit zu rechnen, dass es in Zukunft aufgrund von rückläufigen Exporten vermehrt zu Absatzproblemen und dadurch zum dramatischen Preisverfall kommen werde. Leerstände – und seien sie nur auch vorübergehend wie derzeit bei einigen Putenmästern – würden heutige Investoren mit hoher Wahrscheinlichkeit in ganz erheblich finanzielle Schwierigkeiten bringen, meint Frank Bachmann vom Tierschutzfachverband Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Nutztierhaltung e.V. Landwirte, die den Bau neuer Mastställe erwägen, sollten, statt in die intensive Massentierhaltung einzusteigen, lieber in tierfreundlichere Haltungssysteme investieren. Die Konsumenten seinen nämlich zunehmend bereit, für tierische Produkte aus tierfreundlichen Haltungssystemen, wie sie Neuland-Bauern und Bio-Höfe praktizieren, mehr Geld zu zahlen. Dies haben Untersuchungen von Prof. Dr. Achim Spiller (Göttingen) ergeben. „Die Verbraucher möchten Fleisch mit guten Gewissens essen können und nicht dafür mitverantwortlich sein, dass Masthühnern und Mastschweinen in Intensivhaltungen die Hölle auf Erden bereitet wird“, meint Eckard Wendt, Vorsitzender der AGfaN. Bedenken sollten bauwillige Landwirte aber auch, dass sie mit zunehmendem Widerstand aus der Bevölkerung zu rechnen haben, wenn sie in die industrialisierte Massentierhaltung einsteigen wollen. Die Bürger wollen keine Massentierhaltungen in ihrer Nachbarschaft, die ihre Gesundheit durch Krankheitskeime gefährden, die die Luft verpesten und zur Überdüngung der Felder beitragen; sie fordern stattdessen „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“, auf denen Bauernfamilien wirtschaften, die nicht von Integratoren und Banken abhängig sind.











