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BRENNSTOFFSPIEGEL-Winter-Prognose: Eher mild mit Extremen

21.11.201117:09 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: BRENNSTOFFSPIEGEL-Winter-Prognose: Eher mild mit Extremen

(openPR) Wie wird der Winter wohl werden? Alle Jahre wieder stellen sich nicht nur Brennstoffhändler diese Frage, gibt sie doch einen Ausblick auf tatsächlich den Absatz ankurbelnde oder hemmende Faktoren. Die letzten drei Winter waren zudem sehr schneereich und, abgesehen vom letzten, auch extrem lang und kalt. Wird es in diesem Jahr wieder so? BRENNSTOFFSPIEGEL erstellte wieder eine Prognose, zu der Dr. Jurik Müller entsprechende Bauernregeln beisteuerte.



LEIPZIG. (Ceto) Nachdem unsere letzte Winterprognose (http://www.brennstoffspiegel.de/energiemarkt.html?newsid=2599&title=Wie+wird+der+Winter%3F&start=) zu 95 Prozent zutraf und unsere Sommerprognose (http://www.brennstoffspiegel.de/energiemarkt.html?newsid=10290&title=Vorhersage%3A+Sommer+eher+lang%2C+warm+und+trocken&start=) zumindest hinsichtlich Länge und Sonnenschein absolut zutreffend war, wollen wir auch für den bevorstehenden Winter eine Prognose treffen. Dabei werden wir wie immer unterstützt von dem Leipziger Diplom-Agrarmeteorologen Dr. Jurik Müller. Der Experte des Deutschen Wetterdienstes (DWD) stützt sich auch dabei wieder auf Althergebrachtes – die Bauernregeln, die erwiesener Maßen zu 70 Prozent richtig liegen.

Keine eindeutige Antwort möglich
Dabei wird, im Gegensatz zum letzten Winter, keine eindeutige Aussage möglich sein. Wer sich nicht nur an den verregneten und deutlich zu kalten Juli erinnert, sondern auch an den Rekord-September mit hochsommerlichen Temperaturen bis Anfang Oktober, kann sich an der Regel „Ist der September lind, wird der Winter ein Kind“ trösten. Sprich, der Winter müsste mild und niederschlagsarm werden. „Diese kurze Bauernregel für den Monat September, der uns den ‚Mai des Herbstes‘ beschert, erweist sich in 75 Prozent der Fälle als Volltreffer. So folgt einem überdurchschnittlich warmen September in sieben von zehn Fällen ein zu milder Februar und in jeweils 6 von 10 Fällen ein milder Dezember und Januar“, so Dr. Müller. Die Erklärung: „In einem linden September hält sich das Temperaturniveau von Festland und Meer die Waage, was nur geringe Luftdruckgegensätze zur Folge hat. Druckunterschiede, die Wind als Ausgleichsströmung nach sich ziehen, fehlen somit. Zum Vergleich: Im Jahr 2006 gab es einen noch wärmeren September (mit einer Durchschnittstemperatur von 17,9 °C gegenüber 15,3 °C in diesem Jahr.“

Doch schneereich?
Für eine Einschätzung des Niederschlages hilft die folgende Bauernregel: „Wenn im Weinmond (Oktober) viel Nebel wallen, wird reichlich Schnee im Winter fallen“. Diese Regel trifft in 6 von 10 Fällen zu. Auch wenn den meisten von uns der Oktober als sehr sonnig in Erinnerung ist – an der DWD-Station in Halle-Kröllwitz maß man immerhin 15 Tage mit Nebel. Das liegt deutlich über dem Durchschnitt. „Im Jahre 1969 traten ebenfalls 15 Nebeltage auf. Es folgte ein an Schneedeckentagen reicher Winter mit einer Jahreszeitenmitteltemperatur von minus 3,2 °C“, sagt Dr. Müller. Mit dem ersten Schnee rechnet er frühestens im Dezember. Beide Regeln sind somit widersprüchlich, was eine Vorhersage schwierig macht. Deswegen muss man sich noch anderen Faktoren zuwenden.

Weniger Nordpol-Eis macht Winter kalt
Warum waren zum Beispiel die letzten drei Winter so schneereich und ist für den kommenden ähnliches zu erwarten? „Das Schrumpfen des arktischen Meereises, das ja eine hohe Albedo (=Rückstrahlfähigkeit) besitzt, könnte härtere Winter in Europa zur Folge haben. Ein Abschmelzen der Eismassen Grönlands würde eine derartige Meeresspiegelerhöhung zur Folge haben, aus der eine Drosselung des Golfstromes resultiert, mit dem Ergebnis einer hierzulande skurrilen Temperaturdepression (extreme Fröste) in den Wintermonaten“, erläutert Dr. Müller die paradoxe Ausgangslage. „Insofern müssen globale Klimaerwärmung und deftig kalte und schneereiche Winter in Mitteleuropa kein Widerspruch sein.“

1. Dezember entscheidend für präzisere Prognose
Eine der häufigsten Fragen zum Wetter ist immer die nach einer weißen Weihnacht, immerhin schon in gut fünf Wochen. Für eine Vorhersage ist es derzeit zu früh. Dr. Müller empfiehlt hierfür folgende Regel: „Fällt auf Eligius (01.12.) ein kalter Wintertag, die Kälte noch vier Wochen dauern mag“. 1969/70 und im letzten Winter hat sich das eindrucksvoll bestätigt. Ab Januar taute es überall und bescherte aufgrund der vorherigen Schneemassen zahlreiche Hochwasser.
„Liegt die Tagesmitteltemperatur zu oder um Eligius unter der Null-Grad-Marke, so fällt der Dezember mit einer Wahrscheinlichkeit von ungefähr 70 Prozent zu kalt aus“ erklärt der DWD-Experte. „Als Ursache schlägt hier auf jeden Fall die Erhaltungsneigung der Großwetterlage über die gesamte Adventszeit hinweg zu Buche. Das nährt nicht zu Unrecht bei Wintersportlern, Schneefreaks und Freunden weißer Festtage die Hoffnung, dass Frost und Schnee dem Heiligabend und den beiden Weihnachtstagen ihren Stempel aufdrücken werden.“
Wahrscheinlicher ist für unsere Breiten jedoch etwas anderes, nämlich die Grüne Weihnacht. „Schuld daran ist eine Mitte des letzten Dezemberdrittels auftretende, durch Zustrom milder Meeresluft aus Südwest bis West gekennzeichnete Witterungsperiode, während der sogar in den höheren Lagen der Mittelgebirge ein zumindest teilweises Abschmelzen der Schneedecke erwartet werden muss. Dieser als ‚Weihnachtstauwetter‘ bekannte statistische Regelfall tritt mit einer Wahrscheinlichkeit von immerhin 72 Prozent auf. So kann man im Küstengebiet nur ein- bis zweimal, im Binnentiefland lediglich zwei- bis dreimal in einem Jahrzehnt mit weißen Weihnachten rechnen“, so Dr. Müller. Liege Anfang Dezember eine geschlossene Schneedecke, dann seien die Chancen auf weiße Weihnachten sehr groß.

Fazit der Redaktion: Eine Prognose des kommenden Winters ist in diesem Jahr außerordentlich schwierig. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden wir Extreme erleben, also starker Schneefall und sehr kalte Temperaturen, die aber – vergleichbar mit dem letzten Winter – nicht die ganze Jahreszeit anhalten. Und ebenso vergleichbar mit dem letzten könnte dieser Winter insgesamt zu warm ausfallen.

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